Lächeln und winken
 
Alltags-Rassismus: 11 Fragen und Antworten – gefragt und beantwortet von Eltern

Gehört das Thema (Alltags-)Rassismus auf einen FamilienBlog. Ja, unbedingt, findet Anke von LÄCHELN UND WINKEN, denn wir Eltern von heute erziehen schließlich gerade die Zukunft ... und die soll, nein MUSS besser werden als das Hier und Jetzt. Aber wie fangen wir an? Wie verändern wir gemeinsam etwas? Indem wir trotz Unsicherheiten hinsehen, uns an die eigene Nase packen und dazulernen.

Lächeln und winken: Alltags-Rassismus: 11 Fragen und Antworten – gefragt und beantwortet von Eltern

Das Thema Rassismus bzw. Alltags-Rassismus ist gerade in aller Munde – und da gehört es auch hin. Allerdings wird es sicher schon bald wieder für die meisten von der Bildfläche verschwinden, nämlich dann, wenn die Medien aufhören darüber zu berichten, George Floyd langsam vergessen wird und sich alle, die (gefühlt) nicht persönlich betroffen sind, wieder anderen Dingen zuwenden. Es fängt gerade jetzt schon an! So ist es ja leider immer mit Themen, die wehtun. Und Rassismus tut weh. Sehr sogar. Eigentlich sogar nicht nur den Betroffenen, die jeden Tag damit konfrontiert sind. Sondern auch jenen, die die Wahl haben, die Rassismus nicht am eigenen Leib spüren müssen, sich abwenden und es ignorieren können. Auch ihnen tut Rassismus weh, wenn sie sich – wie jetzt – darauf einlassen, hinsehen, hinhören und ... das ist das Schwierigste ... sich eingestehen, dass auch sie sich nicht davon freimachen können, involviert zu sein. Leider sogar auf der Seite derer, die Schmerz zufügen. Selbst wenn sie es nicht wollen, gar nicht böse meinen, eben nur ihrer Sozialisation folgen, aber nicht alles, was sie sagen, hinterfragen. Sich einzugestehen, dass man im Alltag rassistische Sachen denkt oder sogar laut ausspricht, tut weh. Diese Selbsterkenntnis, dass wir „Privilegierten*“ den Alltags-Rassismus am Leben erhalten, weil wir zu unbedacht sind ... DAS tut weh und beschämt. Ein wirklich beschissenes Gefühl, wenn man doch eigentlich ein ganz anderes Bild von sich hat. Aber das ist ok. Denn dieses Gefühl von Scham ist ein prima Anfang, etwas zu ändern.

Alltags-Rassismus versteckt sich in jedem.

Zu genau dieser Gruppe Menschen gehöre ich. Schon immer war mein Freundeskreis total Multikulti, ich habe mich bereits als Jugendliche in Flüchtlings-Initiativen engagiert, stehe auf und gehe, wenn mir unbelehrbare Rassisten im Freundes- und Bekanntenkreis begegnen und scheue mich nicht, mich einzumischen, wenn jemandem Unrecht getan wird. Ich bin dankbar dafür, meine Kinder in einem aus jeder Perspektive betrachtet bunten Umfeld großziehen zu dürfen. Und ich freue mich darüber, dass die beiden ihre Freunde ausschließlich nach Charakterzügen auswählen – oder nach Snackbox-Inhalt, so ehrlich muss man halt sein. ;) Definitiv würde ich sagen, dass ich absolut ANTI-rassistisch eingestellt bin und doch versteckt sich Alltags-Rassismus auch in mir und erwischt mich manchmal mit einem sehr kalten, unangenehmen Schlag in den Nacken. Natürlich weiß ich, dass man zu einem Schokokuss eben Schokokuss sagt und das in der Kindheit gelernte Wort aus dem Hirn verbannt. Aber da gibt es so vieles mehr, was einem zum Teil nur Sekundenbruchteile durch die Gedanken geistert, wenn man ein Gegenüber aufgrund seines Äußeren beurteilt oder eine Situation bewertet, „instinktiv“ die Straßenseite wechselt oder sich kurz wundert, dass jemand besser deutsch spricht als „erwartet“. Ein bisschen beruhigend finde ich es dann, wenn ich von Freunden höre, dass Alltags-Rassismus sogar in ihnen, in „People of Color“ (PoC) wohnt. Aber nur kurz, denn es zeigt eben noch einmal mehr, dass es sich hierbei um ein Problem handelt, das schlichtweg uns alle angeht. Wirklich alle. Und das wir dringend gemeinsam etwas tun müssen, um diesen Zustand zu ändern. Um das HIER und JETZT zu verbessern, aber vor allem die ZUKUNFT. Eine große Aufgabe, die gerade uns Eltern sehr am Herzen liegen muss, denn unsere Kinder SIND diese Zukunft. <3

Was können wir tun?

Beim Kampf gegen den Rassismus handelt es sich – so ätzend es ist – nicht um einen Sprint, sondern um einen Marathon. Es wird Zeit beanspruchen, etwas zu verändern, auch wenn das frustrierend ist. Beschleunigen können wir den Abbau dessen, das Umdenken nur, wenn so viele von uns wie nur irgendwie möglich DAUERHAFT hinsehen und an sich selbst arbeiten, nicht nur dann, wenn es gerade überall Thema ist. Und wir DAUERHAFT miteinander darüber sprechen. Sogar, wenn es uns Angst macht, weil wir verunsichert sind. Wie ich bei diesem Artikel ...

Ich habe gefühlt 1.000 Mal hin und her überlegt, ob ich wirklich was zum Thema Rassismus bzw. Anti-Rassismus schreiben möchte. Und sollte. Eigentlich sagen mein Herz und mein Verstand ja. Allerdings eiere ich schon seit zwei Jahren um diesen Artikel herum, weil ich es zwar sehr wichtig finde, dem Thema Raum auf meinem FamilienBlog zu geben, eben WEIL wir Eltern gerade jetzt die Zukunft in Form der nächsten Generation erziehen und das enorme Verantwortung, nicht nur im Kleinen, sondern auch im Großen beinhaltet! ABER ... im Grunde habe ich doch gar keine oder zumindest zu wenig Ahnung von Rassismus! Schließlich gehöre ich zu den Privilegierten*, bin nicht persönlich betroffen UND bin definitiv kein Vorzeige-Anti-Rassist, falls das überhaupt jemand von sich behaupten kann. Ich wäre es gern und arbeite daran; trotzdem bin ich aktuell weit weg von perfekt und nur „stets bemüht“, was schnell dazu führt, dass ich Angst habe, etwas falsch zu machen oder mich grässlich dumm auszudrücken. Und dann womöglich eins „aufs Maul“ zu bekommen. Nicht von Nazis oder grotten-dummen Menschen (damit rechne und lebe ich gut), sondern von jenen, NEBEN denen ich in diesem Kampf stehen möchte. Oder jenen, die schon weiter sind als ich; die perfekter in Sachen ANTI-Alltags-Rassismus und keinen Bock mehr darauf haben, zu warten, bis alle anderen endlich aufrücken. Ich habe so viele Warnungen bekommen, doch besser die Finger von diesem Thema zu lassen, wo ich doch so gut wie keine Chance habe, es „richtig“ zu machen. Und gleichzeitig habe ich so viel Druck gespürt, immer mehr und noch mehr und noch mehr dazu zu machen, dass ich mehrfach abends im Bett lag und dachte, dass es wohl echt besser wäre, es NICHT zu tun. Weil ich hierbei nur versagen kann.

Raus aus der Komfortzone!

Doch ... was ist die Alternative zu dem Risiko, hier und jetzt bei dem Versuch, Rassismus bzw. Anti-Rassismus auf dem Blog anzusprechen, Position zu beziehen, meine Stimme zu nutzen, völlig zu verkacken, weil ich zu wenig weiß, WEIL ich privilegiert* bin? Genau. Es gibt keine. Ich muss und will es versuchen, obwohl ich manchmal nicht mal in einem persönlichen Gespräch genau weiß, was ich eigentlich sagen kann, wenn ich es gut und richtig meine, damit es dann auch gut und richtig IST! Aber dieses Problem haben halt viele! Und deshalb bleiben sie leise. Dabei ist es doch so wichtig, endlich laut zu sein in Sachen Anti-Rassismus. Sogar dann, wenn man (noch) nicht perfekt ist, weil man noch lernt! Hauptsache ist doch, dass man lernen, sich an die eigene Nase packen und etwas verändern will.

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