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Antisemitismus: „ICH MÖCHTE MEINE KINDER SCHÜTZEN“

Als meine Freundin mir von ihren Ängsten erzählte, wurde mir klar, wie real die Gefahr für Juden und Jüdinnen in Deutschland ist. Sie erzählte mir, dass sie niemandem von ihrem Glauben erzählt, den sie nicht gut kenne. Aus Sorge um ihre Kinder.

mum & still me: Antisemitismus: „ICH MÖCHTE MEINE KINDER SCHÜTZEN“

Eine gute Bekannte von mir lebt ihre Identität quasi im Verborgenen. Zwar geht sie in die Synagoge, hat viele jüdische Freundinnen und Freunde. Aber im beruflichen Kontext weiß niemand von ihrer Religion. Sie will es so, auch weil sie sich Sorgen um ihre Kinder macht. Dafür hat es nicht erst die Eskalation in Halle gebraucht. Die Angst fährt bei ihr seit Jahren mit. Nach einer Studie des Jüdischen Weltkongresses nehmen antisemitische Meinungen in Deutschland derzeit zu. Demnach denkt jeder vierte Deutsche antisemitisch. 41 Prozent der Befragten finden, Juden würden zu viel über den Holocaust sprechen. Ebenfalls große Zustimmung finden die Aussagen, Juden „hätten zu viel Macht in der Wirtschaft oder trügen die Verantwortung für die meisten Kriege auf der Welt“.

Ich freue mich deshalb umso mehr, dass meine liebe Bekannte mir einige Fragen beantwortet hat. Ihre Antworten berühren mich sehr und machen mich sehr betroffen. Wie kann es sein, dass Menschen hier solche Angst haben müssen. Dass sie offen Anfeindungen ausgesetzt sind – und das tendenziell nun sogar noch zunimmt?

Wie lebt ihr eure Religion? Wie beeinflusst sie euren Alltag? (Feste, KiTa, Schule ect?)

Unsere Religion ist unser Alltag. Im Judentum ist es nicht so, dass man nur zu bestimmten Tagen etwas macht, man lebt es täglich. Allein was ich im Laufe des Tages an Essen zubereite wird davon bestimmt, denn wir trennen Milch und Fleisch, beides darf nicht zur gleichen Zeit gegessen werden und wir essen keine Produkte mit Schweinefleisch.

Freitag abends beginnt für uns Shabbat und damit ein Ruhetag. Ich backe Challah und koche etwas Besonderes. Es ist wunderbar damit die Woche abzuschließen.

Meine Kinder sind fast alle in jüdischen Einrichtungen untergebracht und feiern dort alle Feste und Feiertage. Noch von einiger Zeit war es nicht so und ich muss sagen, dass es immer schwieriger wurde für uns.

Es ist nicht einfach für kleine Kinder, wenn sie hören, dass zu allen Kindern der Weihnachtsmann kommt, aber zu ihnen nicht.

Auch wenn wir zu dieser Zeit das wunderschöne Fest Chanukka feiern und es auch genauso Geschenke gibt. Kinder wollen nicht anders sein, daher war es für uns der einzig richtige Schritt bewusst in die jüdischen Einrichtungen zu gehen. Meine Tochter ist noch in einer staatlichen Schule, aber auch da streben wir möglichst schnell einen Wechsel an, da sie sich nicht immer sicher fühlt und auch nicht wirklich verstanden. Erkläre deinen Klassenkameraden doch mal, dass du keine Pizza Salami essen kannst, oder einen Cheeseburger! (Schweinefleisch und Käse mit Fleisch geht nicht!)

Wie offen geht ihr damit um?

So offen wie nötig, wenn ich es so sagen kann. Wir gehen in die Synagoge und leben unsere Religion zuhause aus. Bei den Kindern in den jüdischen Einrichtungen bin ich offen Jüdisch, aber im Alltag bin ich vorsichtig.

Zu oft wurde ich von Menschen enttäuscht, bei denen ich es nie erwartet hätte.

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