Emil & Ida
 
Das Leben ist jetzt. Und hier.

Wenn der Postbote klingelt, dann muss ich immer erst einen Haufen Schuhe zur Seite schieben, damit ich die Tür aufmachen kann.

Ich wasche täglich Wäsche, und einmal am Tag mindestens läuft die Geschirrspülmaschine. Ich habe Taschen und Körbe in denen ich tagtäglich all die Sachen der Kinder räume, die sie in allen anderen Zimmern verteilt haben. Ich mache die Betten, ich gieße die Blumen, ich bessere all die abgesplitterten Farblöcher in den Fußleisten und an den alten Türen aus. Ich sortiere Kinderkleidung aus und neue wieder ein und versuche die Kartons annähernd gut zu beschriften. Ich hänge Bilder auf, sortiere die gesammelten Kunstwerke der Kinder in Mappen, lasse manchmal Dinge unauffällig im Müll verschwinden. Ich kaufe ein, packe das aus, räume in den Schränken auf, bringe den Müll raus, sauge Staub.

Aber hier sieht es aus wie in einer Wohnung mit Kindern.

Emil & Ida:  Das Leben ist jetzt. Und hier.
Miriam Burdelski
Lieber Postbote, bitte glauben sie mir, manchmal sieht es bei uns auch so aus….

Und das ist gut so. Manchmal stehe ich Mittags in der Küche, mache mir einen Kaffee, trete auf Lego Steine, stolpere über Puppenwagen und blicke auf all die benutzten kleinen Gläser, die aufgeschlagenen Bücher und die zerkrümelten Salzstangen und denke mir: das Leben ist zu kurz um aufzuräumen. Das Leben ist zu wertvoll um es mit Dingen zu füllen, die mich nicht glücklich machen.

Ich hebe Kinder hoch  damit sie die Müllabfuhr vor dem Fenster sehen können und sie stoßen eine Blumenvase um. Sie füttern eigenständig die Katze und das Futter verteilt sich in der ganzen Küche. Sie fegen mit dem Kinderbesen mehr Dreck herein als heraus. Sie präsentieren mir stolz wie viel Sand in ihren Stiefeln war. Ida räumt gerne sauberes Geschirr in den Geschirrspüler und dreckiges in die Schränke. Sie sortiert es so gut, jeder Teller passt zum anderen. Ist es nicht kleinlich sich jetzt darüber aufzuregen, dass die einen sauber sind und die anderen nicht?

Jetzt hier weiterlesen