Emil & Ida
 
Der Wind treibt uns zu schnell voran

Emil & Ida: Der Wind treibt uns zu schnell voran
miriamboettner.com

Es stürmt nicht mehr.
Aber es ist auch nicht windstill. Wir treiben nicht im ruhigen Fahrwasser dahin.
Es flattert in den Segeln und der Wind treibt uns zu schnell voran.

Gestern habe ich diesen Beitrag von Ute (Ahoikinder) gelesen und mich zurück versetzt gefühlt. Und das mit nur zwei Kindern. Ständig stürmte es. Kein böser Sturm, aber einer der herumwirbelt. Einer, vor dem man manchmal Schutz suchen musste. Anstrengung, Kräfte zehrend, Wogen, die sehr emotional waren. Kann ich dem Sturm trotzen? Kann ich alles schaffen, obwohl es ständig schaukelt – ich und meine Kinder auch? Kann ich allen gerecht werden und das Boot trotzdem noch in die richtige Richtung lenken? Manchmal fuhr man in kleine sichere Häfen. Aber man wusste, es geht weiter. Der Sturm würde zurück kommen. Einen an manchen Tagen regelrecht umhauen. Wie soll man das schaffen, alle zu halten, jede Wut zu verstehen, wenig zu schlafen, alle zu tragen, das Gepäck zu schützen. Drei (oder in meinem Fall ja nur zwei) kleine Kinder die 24 Stunden da sind. Die Ansprüche haben. Die durch diesen Sturm trudeln, der sich Leben nennt. Die alles sehen, begreifen und lernen wollen. Aber nur eine Mutter, die alle halten, alles erklären, alle trösten muss. Die für alle genügend Essen, genügend Ersatzkleidung, genügend Arme und genügend Geduld haben muss. Stürme tragen einen gut voran. Und sie gehen vorbei. Sie kommen aber auch zurück. Ich glaube, wir lernen immer besser mit ihnen umzugehen. Wir lernen aus Erfahrung. Und auf einmal können wir alles tragen, alles organisieren, alles managen. Wenn wir Zeit hatten uns an die neue Situation zu gewöhnen.

Und nachdem ich den Artikel zu Ende gelesen habe denke ich: Wo ist unser Sturm eigentlich geblieben? Und eigentlich habe ich gerne über solche Tage geschrieben, zum Beispiel das erste mal mit Emil und Ida im Schwimmbad , oder die vielen Wutausbrüche von Emil. Wie lang mir manche Tage vorkamen, wieviel ich getragen, geschoben und essen verteilt habe, mehrmals am Tag Kinder umgezogen, wenn sie in Pfützen fielen, Kinder getröstet habe, schlafend auf dem Rücken durch den Wald geschleppt habe. Ist der Sturm wirklich vorbei oder habe ich mich an ihn gewöhnt?

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