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Nicht noch ein Frauenblog Du bist ein toller Chef

Nun ist es schon neun Monate her, dass ich den Job gewechselt habe. Davor hatte ich mich weitere neun Monate darauf vorbereitet. Ich war furchtbar aufgeregt, da ich mich in dieser Branche noch gar nicht auskannte. Ich hatte bis dato nur vieles gehört und gelesen. Dich kannte ich von einigen unscharfen Bildern, warst mir aber auf Anhieb sympathisch. Ich trete meine derzeitige Arbeitsstelle seitdem jeden Tag gern und mit einem Lächeln an.
Nicht noch ein Frauenblog Mein Chef
© Nicht noch ein Frauenblog


Ich bin gespannt, wie Du mich wohl heute wieder empfangen wirst: Guckst Du mich vorwurfsvoll an, weil ich eventuell etwas zu spät in Dein Büro komme oder bist Du gut drauf und freust Dich? 

Geduldig lässt Du Dir morgens meine Hilfe bei der Körperhygiene gefallen. Inzwischen kenne ich Dich gut genug und weiß ganz genau, wo Deine Schwachstellen sind. Manchmal überkommt es mich, sodass ich dort einfach mal kurz kitzeln muss. Du kicherst so schön. Bisher gab es dafür noch keine Abmahnung.

Bei der Kleidungswahl lässt Du mir (noch) freie Hand und ich muss sagen: Jaaa, Du siehst täglich blendend aus. Dein Kleiderschrank gibt einem aber auch wirklich viele Optionen. Mein lieber Scholli... Wie kann man nur so viel Kleidung besitzen. Tz tz tz...

Du legst viel Wert darauf, Deine erste Mahlzeit des Tages in gemütlicher, waagerechter Position und engem Körperkontakt zu verspeisen. Du genießt es förmlich. Die restlichen Mahlzeiten isst Du auf Deinem Thron, aber die Flasche am Morgen trinkt sich eben besser auf dem Sofa. 

Mittlerweile bist Du viel auf Tour, erkundest die Räumlichkeiten des Instituts und dekorierst gern um. Ein bisschen Abwechslung schadet ja nicht. Wenn Dir aber etwas gegen den Strich geht, gibst Du es mir deutlich zu verstehen. Ich eile herbei und helfe, wo ich nur kann. Das ist schließlich mein Job. Glücklicherweise bist Du recht zügig zufrieden zu stellen.

Wenn wir Auswärtstermine haben, überlässt Du mir all die formellen Angelegenheiten. Du hast es inzwischen zu Deiner Aufgabe gemacht, mit Fremden "zu flirten" und die Stimmung zu lockern. Ist aber ok. Ich komme damit klar. Spätestens wenn es um die nächsten Mahlzeiten oder ein Wehwehchen geht, ist Deine Mitarbeiterin No. 1 wieder gefragt.

Du arbeitest echt hart und an die Pausenzeiten hältst Du Dich tagsüber selten, sodass Du Dich immer schon vor meinem Feierabend von mir verabschiedest und Dich in Dein Büro zurückziehst. 

Während Du Deinen Süßheitsakku und Dein Stimmungsbarometer auflädst, schiebe ich noch ein paar Überstunden und kümmere mich um Kleinkram. Und das mache ich gern.
Dennoch solltest Du eines wissen: Es wird der Tag kommen, an dem Du Deinen Posten abgeben musst. Der Tag, an dem Du mir das Zepter reichen wirst. Aber keine Sorge: Ich werde Dir auch ein guter Chef sein. 

Also dann: Tschüß, bis morgen!
 

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