Herzgebunden
 
Du willst doch nur Aufmerksamkeit - Ja, richtig!

Um Aufmerksamkeit zu bitten war nichts, was sich für ein gut erzogenes Kind gehörte. Es hatte still zu sein, abzuwarten, bis es dran ist oder eben auch zurückzustecken. Dabei ist genau das so wichtig für uns alle: Uns im anderen widerzuspiegeln. Das ist, was gesunde Beziehungen ausmacht. Doch warum wollen wir den anderen nicht sehen? Ihm also die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient?

Herzgebunden: Du willst doch nur Aufmerksamkeit - Ja, richtig!

Wenn wir auf die Welt kommen brauchen wir eines ganz besonders: Aufmerksamkeit. Denn ohne sie würden wir sterben. Menschenbabys sind physiologisch gesehen Frühgeburten. Sie können sich weder etwas zu Essen machen, sich selbst warm halten, geschweige denn selbst beruhigen. Aufmerksamkeit zwingt uns also zu Fürsorgeverhalten.

Wenn wir zwei oder drei Jahre alt sind, können wir im Vergleich zu einem Säugling zwar schon eine Menge mehr, sind aber trotzdem nicht alleine lebensfähig. Hinzu kommt, dass wir unsere Umwelt nun viel stärker wahrnehmen und mit dem Wissen, dass wir eine eigene Persönlichkeit sind, kommen plötzlich ganz neue Herausforderungen auf uns zu. Wir lernen, dass wir eigene Grenzen haben, körperlich, kognitiv und emotional. Auch hier bedarf es wieder der Aufmerksamkeit unserer Bezugspersonen, damit wir diese Lücken zwischen Bedürfnis und Grenze schließen können.

Was aber, wenn wir oder 15 oder 16 Jahre alt sind? Da brauchen wir auch die Aufmerksamkeit unserer Eltern und Freunde, die auf unsere Gefühle reagieren, die unsere Grenzen erkennen und achten, die uns Feedback geben, wenn wir Entscheidungen treffen, die uns ermutigen, Neues zu wagen und uns auffangen, wenn's doch schief geht.

Aufmerksamkeit ist also die Voraussetzung für menschliches Handeln und Miteinander. Ein Basis-Skill sozusagen. Ohne Aufmerksamkeit würden wir vor uns hinvegetieren, bis wir irgendwann jämmerlich eingehen. Sie ist es, die unseren Blick auf den Apfel wirft, den wir essen wollen. Sie ist es, die uns überhaupt den Hunger erkennen lässt. Sie spielt also eine, wenn nicht sogar DIE zentrale Rolle, wenn es um Kommunikation geht.

''Du willst doch nur Aufmerksamkeit!''

Was wir damit sagen: ,,Du möchtest gesehen werden, aber ich bin nicht bereit dich anzusehen, weil mir dein Bedürfnis (gerade) nicht wichtig ist!''

Viele, die diese Sätze sagen sprechen entweder aus einer Not heraus oder weil sie tatsächlich der Meinung sind, dass um Aufmerksamkeit und Beachtung zu ersuchen, ein Makel ist. Dabei ist genau das so wichtig für uns alle: Uns im anderen widerzuspiegeln. Wir brauchen das Gefühl, der Andere sieht mich. Ich bin ihm wichtig. Ich werde beachtet, ergo weil ich wertvoll bin.

Das ist, was gesunde Beziehungen ausmacht.

Doch warum wollen wir den anderen nicht sehen? Ihm also die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient?

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