Kinderalltag
 
Eine Nacht im Spital

Mit drei kleinen Kindern stehen Verletzungen und Krankheiten an der Tagesordnung. Mütter und Väter lernen schnell die Grade der Verletzung einzuschätzen und sehen den Kleinen sofort an Gesichtsausdruck, Körpersprache und Geräuschen an, wie ernst es ist. Letztens war es ziemlich ernst!

Blog Kinderalltag Ein Tag im Spital
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Wildes Spiel
Es kommt durchaus vor, dass das Spiel meiner Kinder etwas übertrieben wird. Statt sich brav und ruhig mit etwas zu beschäftigen toben meinen Drei sehr gerne durch die Gegend. Da und dort gibt es dabei Zusammenstöße, manchmal sind die Kollisionen sogar absichtlich, aber meistens überstehen Alle das wilde Spiel unbeschadet.

Ein Hoppala
Es kommt auch vor, dass eines der Kinder stürzt. Meist sind es die Knie, die darunter leiden, oft auch die Hände und zum Glück sehr selten auch einmal der Kopf. Auch solche Verletzungen stecken sie aber gut weg. Es wird geweint und der Kopf wird eine Weile gekühlt und schon ist der Schmerz vergessen und das Kind startet los um weiter zu toben. Daily Business, nichts Außergewöhnliches.

Toben im Garten
Beim letzten Besuch bei unseren Verwandten ist es wieder einmal passiert. Mein Sohn, der wildeste und unerschrockenste der Gruppe, ist gestürzt. Beim Rundenlaufen hat er die Bodenhaftung verloren und ist unglücklich gestürzt. Das Ergebnis, eine große Beule an der Stirn, wurde sofort ordentlich behandelt und wie so oft war ihm nach 3 Minuten nichts mehr anzumerken.

Böses Erwachen
Am nächsten Morgen, es war zufällig Muttertag, war daheim noch alles in Ordnung. Die Kinder haben ihre Geschenke überreicht und wir sind gemeinsam losgelaufen. Ein gemütlicher Sonntag-Vormittag-Spaziergang für die ganze Familie. Unterwegs haben wir eine Freundin getroffen, die uns ein Stück begleitet hat, so ist es uns nicht seltsam vorgekommen, dass mein Sohn in den Kinderwagen wollte. Er wurde aber immer ruhiger und blasser und nach kurzer Zeit machte er den Eindruck, dass er sich gleich übergeben würde.

Toller Muttertag
Damit seine Schwestern nicht wegen ihres Bruders auf ihren Spaziergang verzichten mussten haben mein Mann und ich uns getrennt. Ich mit Sohn und Kinderwagen nach Hause, mein Mann mit den beiden anderen in den Park. Auf dem Weg heim ist es dann passiert. Mein Sohn war plötzlich nicht mehr ansprechbar. Leichte Panik und ein Gefühl, das ich keiner Mutter wünsche!

Kühlen Kopf bewahren
Es war nicht mehr weit nach Hause und mein Kleiner wirkte für ein paar Augenblicke wie ohnmächtig. Daheim angekommen war er schläfrig und ist sofort auf der Bank eingeschlafen. Wer ihn kennt, der weiß, dass so etwas nicht vorkommen sollte. Ein Telefonat später war klar, dass es nur zwei Alternativen gab. Rettung rufen, oder selbst ins Spital fahren. Ein zweites Telefonat um meinen Mann heim zu holen und Vorbereitungen treffen. Ich habe die Entscheidung dem Vater überlassen, der kurz darauf zu Hause war. Wir fuhren selbst los.

Etwas gelernt
Unterwegs haben wir in der Kinderklinik angerufen. Kinder-, oder Unfallspital war die Frage. Die Antwort der Schwester hat uns etwas verängstigt. Sie nannte uns zwei Spitäler, die eine Kinderchirurgie-Abteilung haben und riet dorthin zu fahren. Kinderchirurgie klingt ziemlich dramatisch. Wie haben aber rasch gelernt und im Wartebereich auch noch einmal gegoogelt, dass die Kinderchirurgie so etwas wie die Unfall-Abteilung für Kinder ist.

Gute Nacht
Während dem Warten hat mein Sohn seine alte Form langsam wiedererlangt. Mussten wir ihn in die Klinik noch im Kinderwagen schieben, so sprang er jetzt schon wieder auf den Stühlen herum. Die Untersuchung zeigte auch keine Auffälligkeiten, allerdings war die ärztliche Anordnung, zwei Nächte zur Beobachtung zu bleiben. Zwar hätten wir uns das mit einer Unterschrift auf eigene Verantwortung ersparen können, aber der Eindruck meines bewusstlosen Sohn war noch sehr präsent.

Vierbettzimmer
Als kleiner Kassenpatient kann man im Spital nicht viel Luxus erwarten und sogar das wurde noch unterboten. Zusammen mit drei anderen Elternteilen und drei kranken Kindern haben wir ein Vierbettzimmer bezogen. Unter normalen Umständen, also unter normalen Umständen für einen Krankenhausaufenthalt wäre das nicht schlimm gewesen. Die anderen drei Kinder waren auch, glaube ich, ganz zufrieden. Mein Kleiner war aber so, wie er immer ist. Hummeln im Popo ist weit untertrieben. Eher eine Herde wilder Elefanten, die da ihr schreckliches Unwesen treibt.

Und Action
Kurz zusammengefasst. Muttertag, Vierbettzimmer, kein Spielzeug, leicht überheizt (im Mai !!), eine Umgebung die Ruhe braucht und ein völlig gesunder vitaler kleiner Kerl, der sich 2 Stunden ausruhen konnte. Unser letzter Krankenhausaufenthalt war mit unserer Kleinsten. Damals hat mein Mann sich aufnehmen lassen. Pseudokrupp war die Diagnose der Kleinen und es ging ihr wirklich schlecht. Mein Mann hatte damals etwas andere Rahmenbedingungen.

Wellness im Spital
Wochentag, also ein guter Grund nicht Arbeiten zu müssen,  ein kleines ruhiges Mädchen, das sich auch im gesunden Zustand nicht viel bewegt, ein nettes kleines Einzelzimmer mit Fernseher, Winter und angenehme Temperaturen und ein eigenes vollwertiges Bett, neben dem ein Gitterbett aufgestellt wurde. Meiner Tochter ging es damals auch rasch wieder gut, also war der Spitalsaufenthalt mit ihr fast erholsam.

Zwei Klassengesellschaft
Ich hatte kein eigenes Bett, sondern durfte mir das Spitalsbett mit meinem Sohn teilen. Ja, ich weiß, dass es ungesund ist, aber ich rauche. Nicht oft und nicht viel, aber doch ein paar entspannte Zigaretten pro Tag. Alleine mit einem kranken Kind im Spital war das nicht möglich. An Schlafen war aber auch aus einem anderen Grund nicht zu denken. Mein Kleiner wurde an eine Maschine angeschlossen, die trotz Fernüberwachung durch die Schwestern alle 20 Sekunden einen schrillen Alarmton von sich gab. Der Sensor am Finger saß nicht richtig und bis die Krankenschwester das mitten in der Nacht korrigierte, waren wir alle 7 mehr wach, als im Tiefschlaf.

Gesund
Der Einzige, der ausgezeichnet schlief war mein Sohn. Unbeeindruckt von den vielen Fehlalarmen hat er, leise schnarchend, die Nacht ruhig und entspannt verbracht. Am nächsten Morgen war sein Energiepegel entsprechend hoch. Meiner war am anderen Ende der Skala tief im negativen Bereich. Als Mutter wurde ich selbst ja nicht aufgenommen, sondern war streng genommen nur ein Besucher. Also kein Frühstück für Mama. Klar, dass ein 4-jähriger auch keinen Kaffee zum Frühstück serviert bekommt.

Erlösende Visite
Dann gegen 9:30h das Highlight des Tages. Der Anführer der kleinen Gruppe an ärztlichem Personal, die im Rahmen der Visite die Kinder begutachtete hat sich erbarmt und uns entlassen. Nachdem der eigentliche Unfall ja ohnehin schon 2 Tage zurücklag und die Nacht nur Fehlalarme gebracht hat, sah er keinen Grund uns noch länger einzusperren.

Geliebtes Heim
Im Nachhinein bin ich wirklich dankbar dafür, dass mein Kleiner sich so rasch erholt hat. Auch wenn es eine schlimme Erfahrung war, eine schlaflose Nacht im Vierbettzimmer auf der Kinderstation zu verbringen würde ich es ohne zu überlegen wieder so entscheiden. Es wird wohl einen Grund dafür geben, dass Kinder für zwei Nächte beobachtet werden, wenn sie derartige Symptome zeigen. Ich möchte nicht, dass eines meiner Kinder einem Spiral einmal Anlass dazu gibt, eine solche Regel aufzustellen. Ärztliche Versorgung ist etwas, das in vielen Gegenden nicht selbstverständlich ist. Ich bin glücklich, dass mir im Ernstfall etliche Spitäler zur Verfügung stehen und ich rasch versorgt werde.
Trotzdem bin ich froh darüber wieder daheim zu sein. Unglaublich, wie schön es daheim sein kann!
 

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