Emil & Ida
 
Einen Monat mit dem Bus und zwei Kindern durch Italien

Wir reisen um etwas zu erfahren. Zuerst über das Land, und dann über uns selbst.

Emil & Ida: Einen Monat mit dem Bus und zwei Kindern durch Italien
Miriam Burdelski

Es wird unser dritter Roadtrip mit Kindern. 2014 sind wir bis an die russische Grenze vorgedrungen, auf den Spuren der Fluchtstrecke meiner Großmutter, an Polens Küste entlang und durch das verwunschene Innland wieder zurück. Das war schön und bewegend, wir haben Menschen mit traurigen Geschichten getroffen, Menschen, die ihr Leben neu begonnen haben, aber auch Menschen, die mit ihrem Schicksal nicht gehadert haben.

2015 sind wir von New York bis Kanada gefahren und wieder zurück. Es war eine ganz andere Art des Reisens. Getragen von viel mehr Leichtigkeit, auch von Familie, aber einer glücklichen Familie. Wir haben in der Wildnis gelebt, die Kinder mit der kanadischen Verwandtschaft so selbstverständlich zusammen geführt, dass sie sich bis heute eng verbunden fühlen.

2016 fahren wir in den Süden. Wieder ein Roadtrip mit Kindern? Können wir nicht auch mal irgendwo ankommen?

Emil & Ida: Einen Monat mit dem Bus und zwei Kindern durch Italien
miriamboettner.com

Für uns war Ankommen noch nie das Ziel des Reisens. Ankommen ist Urlaub. Aber reisen ist immer Bewegung. Dennoch haben sich die Dinge grundlegend geändert. Zum einen reisen wir nicht mehr mit Kindern, die sehr klein sind, sondern mit einer zwei- und einem fünfjährigen. Eine völlig andere Voraussetzung als im letzten, und im vorletzten Jahr. Wir werden merken, dass sie Dinge anders erfahren. Das sie Dinge anders aufnehmen. Und sie werden uns weitestgehend den Weg weisen. Wie auf jeder Reise. Wir müssen Kompromisse eingehen. Das haben wir aus den ersten Reisen zu genüge gelernt. Es gibt keine Strecke, es gibt keinen Plan. Wer mit Kindern reist muss diese einbeziehen, in großem Maße. Was sich noch verändert hat? Wir sind endlich mobil. Wir reisen nicht mehr mit dem Auto, sondern endlich mit dem so lang gewünschten Bus.

Emil & Ida: Einen Monat mit dem Bus und zwei Kindern durch Italien
Miriam Burdelski

Vier Menschen auf kleinstem Raum? "Habt ihr denn schon mal eine längere Reise mit dem Bus gemacht?" werde ich gefragt. Nein, sage ich. Aber es gibt für alles ein erstes Mal. Wir können nur daraus lernen und daran wachsen. Vor allem aber werden wir Geduld lernen, und Gelassenheit. Wir werden einen Monat nur uns haben. Und gerade davon profitieren. Wir werden stehen und fahren wie es uns beliebt. Wir werden Idas dritten Geburtstag am Lago Iseo feiern, und mit dem Rad durch Florenz fahren. Wir werden in der Toskana die besten Tomaten mit dem ersten Olivenöl beträufeln und vielleicht die Wale vor der Küste Liguriens sehen. Aber vielleicht auch nicht? Vielleicht werden wir noch mal durch Venedig wandeln, wo ich damals studiert und gelebt habe. Vielleicht werden in Verona zum Balkon von Romeo und Julia hochschauen, vielleicht werden wir auch nur in der Hängematte liegen und uns nach Schatten sehnen.

Wir wissen es nicht. Weil niemand uns vorschreibt wo es lang geht. Nur unser Gefühl. Und das entscheidet jeden Tag neu.

Andiamo! Auf nach Italien!

 

Emil & Ida