Alle machen bunt
 
Elternbeirat — wie vermeide ich es, gewählt zu werden?

Geht es auch bei euch gerade wieder mit den Elternabenden los? Wir, die ehemaligen Schüler, kehren in der neuen Frische in die Schule zurück, dürfen wieder die Schulbank drücken und bei unangenehmen Fragen auf die altbewehrten Methoden zurückgreifen. Keine Lust in den Elternbeirat gewählt zu werden? Hier ein paar Ideen hierfür.

Alle machen bunt: Elternbeirat — wie vermeide ich es, gewählt zu werden?

Ich weiß nicht, wie das bei euch in der Schule war, aber ich bin mit Frontalunterricht groß geworden. Im Frontalunterricht ist nur eine Person durchgehend anwesend – der Lehrer/die Lehrerin. Die 20 – 30 Schüler sind hingegen nur phasenweise da. Das heißt, faktisch dürfen sie den Raum nicht verlassen. Nachdem sie das Klassenzimmer betreten haben, wird deren Anwesenheit im Klassenbuch protokolliert, was danach mit ihnen passiert ist pure Magie. Denn hält die Lehrkraft gerade einen Vortrag, betonen die Schüler ihr reges Interesse am Thema durch den passenden Gesichtsausdruck und die entsprechende Körperhaltung. Sie sind voll und ganz da!

Wird hingegen eine Frage in den Raum geworfen, verschwinden plötzlich die meisten. Bei uns in der Schule gab es nicht viele Möglichkeiten, sich gut zu tarnen: Man war ja an die Bank gebunden. Doch, die paar Strategien, die man hatte, wurden jahrelang immer weiter perfektioniert.

„Wer möchte den eigenen Aufsatz vorlesen?“, gleich fiel hier und da ein Bleistift oder ein Anspitzer herunter und musste unter der Bank gesucht werden. „Wer weiß, wie die Formel XY lautet?“, da lief wieder hier und da die Nase und musste diskret geputzt werden (die kultivierten Schüler drehten sich dazu von der Lehrkraft weg, um ihr den ekelhaften Anblick zu ersparen). „Was hat uns das lyrische Ich in dem Gedicht XY zu sagen?“, da wurden noch die letzten Worte des aktuellen Vortrags mit großem Eifer ins Heft notiert. „Wer möchte freiwillig…?“, bei dem Punkt sind alle Schüler/innen einfach implodiert – sie waren da aber nach innen gekehrt und so gut wie unsichtbar.

Das wichtigste Prinzip der Schulcamouflage lautete dabei: sogar der kürzeste Blickkontakt mit der Lehrkraft kann in einer Katastrophe enden. Der Blickkontakt mit der Person vorne muss dringend vermieden werden!

Diese Taktiken wurden von Millionen von Schülern erprobt. Die meisten Schüler von meinem Jahrgang sind schon längst Eltern geworden, die Vorgehensweise bei der Schulcamouflage ist gleich geblieben und wird weiterhin in der Schulbank fließig parktiziert…

In diesem Sinne seid ihr auf die nächste Wahl zum Elternbeirat bestens vorbereitet! Viel Spaß bei dem bevorstehenden Elternabend.

Da ich persönlich schwache Nerven habe und die Spannung nach der Frage, wer sich denn bitte melden möge, nicht ertrage, habe ich beschlossen, mich auch dieses Jahr freiwillig zu melden.

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