Aus dem Kopf
 
Even Mamas get the Blues

„Der Schlafmangel ist wirklich die Hölle!“, sagte ich zu einer Freundin am Telefon. Kurz nach der Geburt meines ersten Sohnes wurde mir klar, dass ich von nun an auf einen Großteil meines heißgeliebten Schönheitsschlafes verzichten musste. Dummerweise hatte mein Baby die Angewohnheit tagsüber zu schlafen und die Nacht zuverlässig zum Tag zu machen.

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„Leg dich tagsüber hin wenn das Baby schläft!“, riet man mir. „Du musst jede Sekunde Schlaf mitnehmen, die Du kriegen kannst!“. Aber hörte ich darauf? Natürlich nicht! Anstatt die wirklich recht umfangreichen Schlafphasen meines Erstgeborenen zu nutzen um selbst ein wenig Kraft zu tanken, lief ich sobald die Augen des Kindes zugefallen waren zur Hochform auf. Ich wienerte trotz frischer Kaiserschnitt-Naht die Wohnung, kämpfte mich durch die niemals enden wollenden Wäscheberge, sortierte Schubladen aus und wieder ein und versuchte dazwischen in stundenlangen Telefonaten meine sozialen Kontakte zu erhalten. Und wenn dann der Tag vorüber war und mein Sohn langsam wach wurde, war ich vollkommen fix und fertig.

Rückblickend verhielt ich mich wirklich ganz schön dämlich. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl irgendwem beweisen zu müssen, dass ich auch mit einem Neugeborenen alles super toll im Griff hatte. Die Bude war ordentlich und sauber, der Kühlschrank prall gefüllt und manchmal gab es sogar etwas Warmes zu essen wenn mein Mann von der Arbeit nach Hause kam. Alles war tip top in Ordnung...außer mir. Um mich selbst kümmerte ich mich überhaupt gar nicht mehr.

Das Ganze ging etwa zwei Wochen gut. Dann brach ich zusammen. Ich begann mich morgens gar nicht mehr anzuziehen, sondern gleich im Schlafanzug zu bleiben. Ich wachte morgens heulend auf, heulte Mittags weiter, um mich Abends in den Schlaf zu heulen. Ich heulte, weil mir einfach alles zu viel war. Weil ich mich gar nicht freuen konnte, jetzt Mutter zu sein. Weil mir mein Baby leid tat, so eine Niete von Mutter gezogen zu haben. Weil ich von nun an nie wieder machen würde was ich wollte und wann ich es wollte. Mein Leben war komplett fremdbestimmt und das ab jetzt für eine sehr lange Zeit. Am meisten stresste mich das Stillen. Es wollte einfach überhaupt nicht klappen. Meine „Milchbar“ nervte, war die meiste Zeit entweder angeschwollen, entzündet oder gleich beides. So was sagt einem ja vorher auch kein Mensch! Was hatte ich mir da bloß eingebrockt?

„Wieso kann man das Muttersein eigentlich nicht vorher testen? Woher soll man denn bitteschön wissen ob man überhaupt dazu geeignet ist?“, fragte ich mich. Ich war der festen Überzeugung, dass ich mich auf jeden Fall gegen eine Schwangerschaft entschieden hätte, hätte ich das Leben mit einem Baby vorher ausprobieren dürfen.

Ich sprach mit meiner Hebamme über diese Gedanken. Die äußerte Bedenken, dass ich womöglich eine postpartale Depression entwickelt hatte. Sie empfahl mir Globuli und riet mir, das Thema „Stillen“ vielleicht doch zu den Akten zu legen. „Stillen ist toll, aber eben nicht für jeden das Richtige. Wenn die Mama nicht entspannt ist, ist das Baby es auch nicht.“, sagte sie. Und von diesem Tag an ging es mir besser. Ich fand meine Gelassenheit wieder, die ich in dem ganzen Wirrwarr aus übersteigerten Erwartungen an mein Mami-Dasein verkramt hatte. Ich wurde ruhiger und mein Sohn und ich fanden ganz behutsam einen Weg miteinander auszukommen. Die Drama-Queen in mir war besiegt. Nur als ich meinen nächsten Kontrolltermin beim Frauenarzt hatte, kam sie noch einmal zum Vorschein. Als dieser mich fragte, warum ich mit meinen Problemen nicht zu ihm gekommen war, fuhr ich ihn an:“Na Sie sind mir lustig! Wann sollte ich DAS denn noch machen?!“ :-)
Ich weiß nicht was bei mir damals der Auslöser für meinen Zustand war. Aber ich weiß heute, dass man Hilfe in Anspruch nehmen kann und auch unbedingt sollte, wenn man bemerkt, dass sich dunkle Wolken über dem Wochenbett zusammenbrauen. Und ich weiß, dass sich eine postpartale Depression nicht zwingend wiederholt. Bei Kind Nr. 2 hatte ich diese Probleme nicht und da klappte es auch mit dem Stillen. Aber da war ich ja auch schon Profi-Mutter. ;-)

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