Sandra Schindler
 
Gedankensplitter: Vom Ziegenbock, der nie genug kriegen konnte

„Boah, jetzt werde ich echt gleich sauer!“, schimpfte ich und war kurz davor, den aggressiven Ziegenbock an den Hörnern zu packen, in der Hoffnung, ihn in seinem Wahn zu bremsen.

Blog Sandra Schindler Ziegenbock
iStock, esvetleishaya

 Eine gefühlte Ewigkeit hatten meine Mädels und ich ihn im Gehege beobachtet, wie er immer wieder die anderen Artgenossen – stets die kleineren, schwächeren – wegschubste. Oder fast schon –schleuderte. Aggressionsbolzen ohne Ende. Und die süßen Kleinen starrten uns mit weit aufgerissenen Ziegenaugen hilflos an.
Jetzt schon mal gar nicht!

„So kriegst du erst recht nix ab!“, knurrte ich dem Ziegenbock entgegen – und verhielt mich damit wahrscheinlich so wie 99 Prozent aller Besucher des Freizeitparks, die sich dieses Drama eine Weile anschauen. Was dazu führt, dass der Ziegenbock, der Angst hat zu kurz zu kommen, sich immer mehr in seine Angst reinsteigert und dadurch nur noch aggressiver wird.

Ich wusste, dass meine Reaktion falsch war, denn ich reagierte auf Angst mit Angst. Ich spiegelte die Panik und Wut des Ziegenbocks, weil ich fürchtete, die Kleinen würden zu kurz kommen. Böse Zungen mögen da jetzt die Parallele ziehen, dass so kleine menschliche Zeitgenossen wie ich sich gut in diese kleinen Ziegen reinversetzen können, weil sie auch öfter mal Angst haben, zu kurz zu kommen. Warum? Weil sie genau das immer wieder erlebt haben. Ich sag nur: Ich steh an der Theke und will bestellen … Meine ganze Jugendzeit hindurch habe ich gedacht, ich muss wohl unsichtbar sein. Das änderte sich erst, als ich lernte, laut und auffällig zu sein. Das hatte ich irgendwann drauf. Auch ohne Aggression. (Geheilt bin ich davon inzwischen zum Glück aber auch wieder. :))

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