Lächeln und winken
 
Geschwister-Chroniken: Teil 11

Das persönliche „Dream-Team“ von Mama Anke von LÄCHELN UND WINKEN liegt alterstechnisch fast genau drei Jahre auseinander und liebt sich abgöttisch. Also meistens. Außer sie streiten sich gerade. Oder stecken jeweils in irgendeiner haarsträubenden Phase. Dann geht’s rund. Und zwar richtig. ;)

Lächeln und winken: Geschwister-Chroniken: Teil 11

Die Sommerferien, die sich für uns gefühlt nahtlos an den Shutdown anschlossen haben, sind vorüber und für uns hat eine neue Ära begonnen: Die Mausemaus geht nun zur Schule. Krass! Ich kann es immer noch nicht so ganz fassen, dass mein erstes Kind schon so groß ist. Genauso wenig eigentlich, dass der Krümel nun wieder in die Kita geht, nachdem er ja ein komplettes halbes Jahr zuhause bei mir war. Ob und wie DAS und alles andere gerade läuft, erzähle ich jetzt mal ...

3 JAHRE, 11 MONATE Meist ist es ja so, dass man gerade als Mama die Veränderungen am eigenen Kind kaum wahrnimmt. Weil man das Kind halt immer vor der Nase hat und kaum zu einem objektiven Blick fähig ist. Der Krümel jedoch hat in den letzten Wochen so krass große Schritte nach vorn gemacht, dass selbst ich es mit meinem verklärten Blick auf mein Baby sehen kann: Er ist jetzt groß! Wenn ich signalisiere, dass alles gut ist, dann geht er einfach. Auch mit Menschen, die wir gerade erst kennengelernt haben. Also ... nicht wirklich weg mit total Fremden, sondern er bewegt sich zum Beispiel auf dem Spielplatz oder im Tierpark auch an der Seite anderer Eltern, die ICH erlaubt habe. Das hätte er noch vor wenigen Monaten nicht gewagt. Nun kann ich aber sogar sagen: „Frag doch das Kind da mal, ob es mitspielen möchte!“ und der kleine Floh dackelt los und fragt. Ich erinnere mich, dass meine erste Hebamme mal sagte, Kinder hätten sowas wie einen Liebes-Akku, der – wenn er gut gefüllt ist - ihnen den Mut gibt, sich irgendwann zu lösen und auch mal alleine loszugehen. Ellas Akku ließ dies mit genau zwei Jahren zu. Beim Krümel hat es länger gedauert. ;) Vielleicht hinkt dieses Bild auch ein bisschen, aber ich denke so oft daran, wenn ich sehe, wie er ENDLICH auch mal ohne mich was erleben will. Nichtsdestotrotz hängen wir beide echt immer noch sehr aneinander. Und das ist ja auch gut und schön so. Außer es sind gerade 40 Grad in der Bude und der Floh will trotzdem AUF mir einschlafen. Dann träume ich von etwas mehr Abstand. :D Ach, was solls. Schon nächstes Jahr wird er das nicht mehr wollen oder brauchen. Und dann fehlt es mir bestimmt, nicht mehr so eng MIT ihm zu schwitzen. ;)

TOCHTER-STATUS:

6 JAHRE, 10 MONATE Das frischgebackene Schulkind ist aktuell frecher denn je! Aber schon seit Wochen, so dass ich es nicht dem vielen neuen Input durch neue Lehrer und neue Freunde bzw. größere Mitschüler in die Schuhe schieben kann. Das Kind ist gerade einfach frech. Sicher eine Phase. Eine besonders schöne. ;) Sehr selbstbewusst war und ist sie ja sowieso schon immer. Nun erreicht dieser Charakterzug allerdings eine weitere Ebene. Gefühlt macht sie nur noch, was sie will. Sie hört kaum zu und selbst wenn: Ist sie anderer Meinung als ich, richtet sie sich komplett nach dieser und ignoriert meine Wünsche oder auch „Ansagen“ schlicht und ergreifend. Es ist aber nicht so, dass sie dabei die ganze Zeit motzig oder auf Krawall gebürstet ist. Sie macht eben einfach nur nicht das, was man ihr sagt ... unabhängig von meinem Tonfall, meiner pädagogischen „Strategie“ oder der Situation. Sie ist wie ein kleiner, lächelnder Punk im geblümten Kleidchen. Klingt niedlich, ist es aber nur bedingt. ;) Die Schule wird ihr in diesem Punkt sicher sogar nochmal extra Schwung geben und meine Nerven auf eine harte Probe stellen. Ich erinnere mich sehr gut, wie es war, als die Mausemaus in die Kita kam. Nämlich genauso. Also fast, meine ich. Damals war sie ja nicht in der Wackelzahn-Pubertät wie jetzt. Aber trotzdem erinnert mich diese Phase sehr daran, was irgendwie gut ist, weil ich so zumindest eine grobe Ahnung habe, wie es nun weitergehen wird und was sie von mir braucht: Liebevolle Strenge (durchaus sind Grenzen hier gerade sehr angesagt) ... und VIEL Geduld! ;)

Davon mal abgesehen ist mein großes Mädchen einfach der Knaller. Wie mutig sie in den neuen Lebensabschnitt gestartet ist, kann ich nur bewundern. ICH war als Kind so schüchtern. SIE ist da wirklich ganz anders und ich liebe es, sie dabei zu beobachten, wie sie die Welt am Schlafittchen packt. Mal wieder. <3

MAMA-STATUS:

So alles in Allem: Hm, wie geht’s mir gerade? Gemischt, würde ich sagen. Die körperlichen Probleme belasten mich immer noch sehr, auch wenn es jetzt zumindest eine Strategie gibt, wie man es verbessern kann, weil nun klar ist, was alles zum Problem gehört und wie alle Baustellen zusammenhängen. Ich möchte das gar nicht so komplett ausführen, sonst fühle ich mich wie eine Seniorin beim Kaffee-Kränzchen. ;)

Positiv werte ich wirklich, dass es aktuell in Richtung normaler Betreuung der Kinder geht und mir das nach einem halben Jahr Chaos endlich wieder etwas Luft zum Atmen und Arbeiten bereitet. Solange es denn geht – die Corona-Pandemie läuft schließlich noch bzw. startet gerade in die nächste Runde. Ich bin ja leider eher ein pessimistischer Mensch und rechne immer mit dem Schlimmsten. In diesem Fall: Erkrankungen und/oder Quarantäne-Zeiten. ABER ich bemühe mich gerade sehr, zumindest den Moment zu würdigen bzw. die Momente ... wenn die Mausemaus freudestrahlend aus der Schule kommt und diese neue Etappe in ihrem Leben so wahnsinnig begrüßt. Und auch, wenn der Krümel doch noch zugibt, zumindest ein bisschen Spaß in der Kita gehabt zu haben. DANN kann ich meinen Vormittag mit einem Lächeln nehmen, selbst wenn ich am Rechner sitze ... einfach, weil das Gefühl so schön ist, dass die Kinder endlich mal wieder richtig glücklich und zufrieden sind, etwas lernen und mit Freunden eine gute Zeit haben.

Die letzten vier Wochen waren natürlich vor allem von Vorfreude auf die Schule geprägt. Wobei es nicht nur VorFREUDE, sondern auch RESPEKT war. Die Mausemaus machte sich schon lange vorher Sorgen, ob sie das mit dem frühen Aufstehen schaffen würde. „Mama, ich kann das doch jetzt soooo gut mit dem Schlafen!“ jammerte sie oft. Und ich muss gestehen, dass auch mich das etwas traurig stimmt. Nach fast sieben Jahren durch Kinder verursachte Schlafstörungen habe ich es durchaus genossen, nun endlich ab und zu mal bis 8 Uhr und vorher sogar einigermaßen DURCHzuschlafen. Aber jetzt beginnt eben die Schulzeit und zumindest in der Woche heißt das für uns – wie für alle anderen Familien mit Schulkindern eben auch – früh aufstehen, im Chaos alles fertig machen und dann holterdiepolter zur Schule zu eilen. Die erste Woche haben wir meiner Meinung nach regelrecht bravourös gemeistert, allerdings befürchte ich, dass die möglicherweise irgendwann nachlassende Begeisterung auf Seiten der Tochter das morgens notwendige Tempo etwas drosseln wird. Damit befasse ich mich aber erst dann, denn wer weiß, ob wir nicht doch alle wieder im Homeschooling landen und deshalb auch wieder länger schlafen können. Ich sag ja, der Pessimist in mir hat im Moment durchaus Power. ;)

Das Krümelchen hat das Ferienende nicht herbeigesehnt. So gar nicht eigentlich. Zwar sagte er durchaus irgendwann, dass er gerne wieder in die Kita wolle, weil seine Freundin ja auch schon hingehe, aber als es dann soweit war, konnte er sich null für die Wieder-Eingewöhnung erwärmen und brüllte beim Abgeben so herzzerreißend, dass ich ihn am liebsten sofort wieder mitgenommen hätte. Er IST mutiger geworden, er MACHT große Schritte und er HAT sich so sehr verändert zu einem richtig großen Jungen, der trotzige Wiederworte gibt, fantastische eigene Spiel-Ideen entwickelt und total lange und konzentriert in seinen Fantasiewelten Zeit verbringt. Aber Kita ... ist einfach nicht so direkt seins. Vielleicht sind es zu viele Kinder auf einmal. Vielleicht fehlt ihm seine Lieblingserzieherin, die wegen Corona nicht in der Gruppe arbeitet, vielleicht ist er einfach nicht der „Kita-Typ“ ... vielleicht liegt es auch an mir. Die Mamis sind ja gerne mal „schuld“. ;) Ich mag mir diesen Schuh aber nicht anziehen, ich mag viel lieber einfach ein bisschen abwarten. Ich möchte nicht noch einmal ein halbes Jahr eingewöhnen. Das schaffe ich aus vielen Gründen nicht. Ich möchte viel lieber darauf vertrauen, dass die Erzieher schon wissen, was sie tun und mir wirklich Bescheid sagen, wenn der Krümel unglücklich ist. Und mich dann anrufen, damit ich ihn abholen kann. Denn DAS haben wir zwei jetzt abgemacht und seit dem löst er sich morgens etwas besser von mir. Ich werde ihn dennoch weiter genau beobachten und jeden Tag hoffen, ihn laut lachend vorzufinden, wenn ich ihn abhole, damit ich am nächsten Morgen genau daran denken kann, wenn er doch wieder weint, weil ich gehe. Ich werde ihn so lange er möchte schon nach dem Mittagessen wieder abholen und ihm so viel Zeit geben, wie er braucht, sich einzufinden. Und wenn er niemals länger bleiben will ... ja, dann ist das ebenso. Nur gar keine Kita ist keine Option, weil er ja auch irgendwann in die Schule gehen soll und die Kita darauf vorbereitet. Ohne die Mama mit Freunden zusammen sein. Spielen und lernen. Und auf andere Erwachsene hören. Hach, es beschäftigt mich echt sehr. Wie letztes Jahr auch schon, als die Eingewöhnung so mies lief. Aber vielleicht überrascht mich der längst so große Floh ja auch ganz bald und bekommt die Kurve, findet doch noch richtig gefallen an dem Konzept Kindergarten. Ich wünsche es uns – dem Krümelchen und mir. Genauso wie, dass wir dann dabeibleiben können und nicht durch einen erneuten Shutdown wieder rausgerissen werden. Drücken wir uns allen mal gegenseitig die Daumen. Das kann ja nicht schaden. ;)

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