Lächeln und winken
 
Geschwister-Chroniken: Teil 6

Das persönliche „Dream-Team“ von Mama Anke von LÄCHELN UND WINKEN liegt alterstechnisch fast genau drei Jahre auseinander und liebt sich abgöttisch. Also meistens. Außer sie streiten sich gerade. Oder stecken jeweils in irgendeiner haarsträubenden Phase. Dann geht’s rund. Und zwar richtig. ;)

Lächeln und winken: Geschwister-Chroniken: Teil 6

Es ist doof, dass auch die Geschwister-Chroniken diesmal stark gefärbt sind von dem Dauer-Thema Corona, aber es ist eben leider gerade das dominanteste und nimmt Einfluss auf einfach alles. Dennoch ... wachsen und entwickeln sich die Kinder. Es geht eben auch weiter. Ganz normal. <3

SÖHNCHEN-STATUS:

Körper: 3 JAHRE 6 MONATE Ok, die Bodys sind erledigt. Die passen jetzt echt nicht mehr. Genauso wie die süßen, langärmligen Shirts mit den Baggern drauf, die ich ihm im Herbst sehr zu groß gekauft habe, und von denen ich dachte, sie auch im Frühjahr noch an ihm zu sehen. EHER NICHT! Das Kind ist riesig geworden, was mir aber wirklich nur an den Klamotten auffällt oder wenn ich mal ein kleineres Mäuschen neben ihm sehe. Ansonsten nehme ICH ihn noch als Kleinkind wahr, was er aber eigentlich nicht mehr ist. Wobei ... er selbst betont weiterhin, dass er noch ein bisschen klein ist und deshalb auch noch den „Nulli“ braucht. Dabei würde ich jetzt langsam sehr gerne die Schnullerfee anrücken lassen, denn noch entwickelt sich der leichte offene Biss schnell zurück, sobald wir das Mistding endlich los sind. Lange geht das jedoch sicher nicht mehr. Ich traue mich nur nicht, ihn gerade jetzt – in dieser verdammten Corona-Krise, die ja nun mal auch Einfluss auf ihn hat – einzukassieren. Als ich noch geraucht habe, wäre eine solche Situation wohl auch nicht die richtige gewesen, um aufzuhören. Trotzdem ... das Ding muss sehr bald weg.

Können/Verhalten: Ganz schön frech, der junge Mann, denke ich aktuell sehr oft und habe keine Ahnung, woran es liegt, dass er das Wörtchen „Bitte“ offenbar für sich gestrichen hat und auch sonst eher etwas unhöflich geworden ist. Höchstwahrscheinlich liegt es an mir (ich hasse diese Spiegel-Nummer! ;) ) und er übernimmt schlicht von mir, „Ansagen“ zu machen. Etwas, dass bei mir verstärkt auftritt, seit wir 24/7 aufeinander hocken und meine Nerven ETWAS überstrapaziert werden. In unserem Fall ja schon vier Wochen. Ich befürchte, so langsam trägt die Situation „Früchte“ ... und das macht natürlich auch vorm Krümelchen nicht halt. Grundsätzlich kommt er allerdings noch am besten damit klar, dass wir – bis auf kurzes Luftschnappen und Beine vertreten im Wald – nur noch zu Hause hocken und unter uns bleiben. ER steht ja eh nicht so besonders auf andere Menschen. ER kuschelt am liebsten den ganzen Tag mit Mama auf der Couch. Und ER war noch nie ein Fan der Kita. Ergo: Der kleine Floh ist im Prinzip megaglücklich gerade. Nur, dass er unterbewusst mitbekommt, dass Mama und Papa angespannt sind, scheint eine erneute, fast symbiotische Beziehung zu mir auszulösen. Wenn es nach ihm ginge, dürfte ich nicht mal alleine aufs Klo zum Pipi machen gehen. Er steht mit mir auf, selbst wenn er noch müde ist und schlummert dann auf der Badematte weiter, während ich dusche. Und anschließend muss erstmal ganz viel gekuschelt werden, damit ich dann wenigstens Frühstück machen darf ohne Floh am Bein. Es ist schon sehr süß. Aber auch anstrengend. Dafür macht er sprachlich echt krasse Fortschritte. Nur schade, dass man so viele der neuen Worte im ersten Anlauf nicht versteht, weil da IMMER NOCH DER SCHNULLER IM WEG IST. Naja, wir arbeiten dran.

TOCHTER-STATUS:

Körper: 6 JAHRE 5 MONAT Auch bei ihr muss ich wieder sagen: Sie ist riesig geworden. Ich muss DRINGEND eine Groß-Bestellung für neue Shirts und Hosen machen – man kann zusehen, wie sie aus allem herauswächst, was wir für sie im Schrank haben. Auch ihr Fahrrad ist ihr jetzt definitiv zu klein. Das wird mal wieder ein teurer Frühling. ;) Bestimmt liegt es an diesen heftigen Wachstumsschüben, dass sie aktuell mal wieder in einer Phase steckt, in der ich oftmals denke, dass sie leider wie ihre Eltern ein echter Körperklaus ist. Sie scheint ihr Arme und Beine gar nicht koordiniert zu bekommen; zum Beispiel beim Seilspringen. Ihr dabei zuzusehen, wie sie versucht, den Bewegungsablauf endlich hinzubekommen, und NICHT zu lachen, ist unheimlich schwer. :D Glücklicherweise lacht sie aber auch, weil sie es selbst merkt UND weil ich ebenfalls irre komisch dabei aussehe, so dass es geht und wir einfach zusammen weiterüben.

Können/Verhalten: Sie macht mich wahnsinnig. Ehrlich! Dieses Kind steckt so tief in der sogenannten Wackelzahnpubertät und erfüllt dabei alle Klischees, dass ich wirklich echte Angst vor der richtigen Pubertät verspüre. Sie ist frech und aufsässig, hört null, motzt konstant rum, schmollt ständig, knallt Türen, ist auf Streit aus und auch sonst nenne ich sie gerade oft den personifizierten Frühling! ;) Aber IHR fehlt im Gegensatz zu ihrem Bruder wirklich alles, was sonst für sie normal ist. Ihre Freunde, das ständige rausgehen und unterwegs sein, der Input, die Kita, die Spielplätze ... einfach alles. Und da sie schon eher versteht, was es mit dem Virus auf sich hat und warum wir gerade niemanden treffen und hauptsächlich zuhause sind (und das ja schon vier Wochen, weil die Kinder vor der Krise schon mit Husten und Schnupfen daheim geblieben sind), macht sie sich natürlich ab und an auch Sorgen, zum Beispiel um Oma und Opa. Doch nie lange – denn wie das bei Kindern so ist, befasst sie sich nur so lange mit diesem Thema, wie es ihre Kräfte und ihr Bewusstsein zulassen. Dann wendet sie sich wieder anderen Dingen zu. Wie zum Beispiel unsere ganze Wohnung in einen Pferdestall zu verwandeln. Es ist so schön! ;)

MAMA-STATUS:

So alles in Allem: Ich glaube, es wird langsam besser. Mein erstes richtiges Corona-Tief hatte ich an meinem Geburtstag – seitdem geht es bergauf. Wir, also der Mann und ich, sind nun seit zwei Wochen beide im Homeoffice mit Kindern und haben eine gewisse Zeit gebraucht, uns umzustellen. In der ersten Woche habe ich einfach alles allein gemacht, während er sich in einem Zimmer zum Arbeiten zurückgezogen hat. Überraschenderweise lief das für mich nicht so gut und hat meine eh schon angegriffenen Akkus leergesaugt. Also bin ich mal kurz explodiert, dann implodiert und dann ... wieder aufgestanden. Wir haben uns sortiert, auch MIR ruhige Arbeitszeiten eingeplant und bemühen uns, diese jetzt auch für mich einzuhalten. Es muss ja auch bei mir weitergehen. Und hin und wieder ohne Gekreische im Ohr irgendetwas machen zu können, tut eben einfach gut. Sorgen um mich selbst, den Mann oder die Kinder mache ich mir übrigens kaum – keiner von uns gehört zur Risikogruppe, so dass ich in diesem Punkt der Corona-Krise recht entspannt bin und den Senioren hier im Haus meine Hilfe angeboten habe (die jedoch abgelehnt wurde, weil sie den Bedarf einfach nicht verstehen und lieber weiter selbst einkaufen gehen wollen). Aber ich sorge mich um meine Eltern und andere liebe Menschen. UND ich sorge mich um unsere Wirtschaft. Ich denke, die richtig schweren Zeiten kommen erst noch ...

Wir werden diesen vermaledeiten Kita-Husten seit vier Wochen nicht ganz los, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir einfach nicht genug an der frischen Luft sind und ich hier nicht ausreichend lüfte, weil ich immer denke, dass die Kinder dann auch noch einen Zug kriegen. Abends lüften wäre vielleicht clever, wenn die Kinder endlich im Bett sind, liebe Mutti. Boah, mein Hirn leidet einfach unter der ganzen Geschichte; auf die ganz einfachen Lösungen komme ich gar nicht mehr. :D

Grundsätzlich bemühen wir uns hier alle sehr. Der Mann und ich bemühen uns darum, uns nicht jetzt schon gegenseitig umzubringen ... die Krise wird schließlich noch länger dauern und wir sollten uns einige Highlights für später aufbewahren. ;) Und auch die Kinder bemühen sich. Um dasselbe. SICH nicht gegenseitig umzubringen. Ich unterstütze dieses Anliegen, indem wir einfach gewisse Streitpunkte ausräumen. Zum Beispiel, wenn es um die Fernsehzeit geht. WENN die Kinder schauen dürfen, sich aber auf nichts einigen können, darf einer den TV und der andere das iPad nutzen. Etwas, dass ich früher NIE gemacht hätte, weil ich es voll doof finde ... doch aktuell ist es mir wurscht, wie das „aussieht“, Hauptsache es ist mal kurz Ruhe und alle sind zufrieden.

So langsam grooven wir alle uns etwas ein. Ich denke, es hat Zeit gebraucht, sich umzustellen ... und zu begreifen, dass wir eben NICHT mit Freunden rausgehen können. Seit ein paar Tagen fragt die Mausemaus nicht mehr gefühlt alle zwei Stunden, mit wem wir verabredet sind, was die Situation schon deutlich entspannt.

Anstrengend finde ich, mehr als sonst, den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Die Kinder spielen zwar auch schön und viel zusammen, aber manchmal möchte die Tochter eben in Ruhe mit der Mama puzzeln, was nichts für den Krümel ist. Der Papa arbeitet die meiste Zeit, als hängt der Floh dann wieder vor der Glotze, damit ich mich mal auf die Mausemaus konzentrieren kann. Und andersherum. Ganz toll finde ich, dass wir endlich etwas gefunden haben, was sie stundenlang alleine machen kann. So ein Glitzer-Folien-Klebe-Zeug, was wir noch im Schrank hatten und was sie so fesselt, dass sie sogar das Frühstück auslässt. SO hat sie noch nie für irgendwas geschwärmt und ich denke fast, es liegt daran, dass sie bisher auch nie die innere Geduld dafür hatte. Nun gibt es nichts, was sie verpassen könnte, also kann sie sich voll und ganz darauf einlassen. Super schön!

Im Krümel hingegen boomt gerade ganz arg diese Rollenspiel-Zeit. Er ist ständig irgendwer oder irgendwas und möchte Geschichten spielen. Immer und immer dieselben Abläufe. „Ich bin ein Roboter, der gelb und grün und blau ist, und der kaputt ist und du musst ihn reparieren und dann anmachen und dann macht er so und so“, sagt er und ich muss dann loslegen und exakt das ausführen, was er mir aufträgt! ICH würde lieber ein Spiel mit ihm spielen oder vorlesen oder malen oder was auch immer ... aber er möchte DAS spielen. Tja, machste nix, spielste halt Roboter reparieren! ;)

Alles in allem geht’s uns aber gerade noch gut. Wir sind etwas gestresst und etwas traurig manchmal und vermissen liebe Menschen und sorgen uns um die Zukunft und würden gerne mehr rausgehen können, was gerade in der Stadt natürlich eher schwierig ist in solchen Zeiten. Aber wir wissen auch alle vier, dass es andere viel blöder gerade haben. Also ... ihr da draußen ... fühlt euch gedrückt von uns! Wir denken an euch! :-*

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