mum & still me
 
Homeoffice mit Kindern – Schwimmen ohne Land in Sicht

Mein Tag ist ein Ausnahmezustand. Dabei bin ich noch nicht einmal alleine mit allem. Ich habe einen Partner, der auch im Homeoffice ist. Der mir den Rücken frei hält und selbstverständlich bei der Care Arbeit mitanpackt (außer er wird selbst krank, was natürlich gleich mal in Woche 1 des Ausnahmezustands passiert ist. Narf.). Aber trotzdem: es ist so anstrengend!

mum & still me: Homeoffice mit Kindern – Schwimmen ohne Land in Sicht

Ich fühle mich schlecht, dass es mir schlecht geht. Schließlich gibt es genug Leute, bei denen die Probleme größer zu sein scheinen: Leute aus der Risikogruppe, die Angst haben vor diesem Virus und sich in freiwillige Quarantäne begeben. Leute, die einsam sind und so wie jetzt in Bayern noch nicht einmal mehr mit Freund*innen spazieren gehen können (dort ist das nämlich nur noch mit Menschen erlaubt, mit denen man zusammen wohnt). Leute, die in diesem Ausnahmezustand weiterhin in die Arbeit gehen, ihre Kinder wohlmöglich in die Notbetreuung geben um dann dabei zu helfen, dass das Fundament unserer öffentlichen Ordnung bestehen bleibt. Die, die in den Krankenhäusern täglich alles geben und versuchen, italienische und spanische Verhältnisse abzuwenden – und dabei ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Und auch Leute, die als Alleinerziehende die ganze Belastung, die auch ich jetzt verspüre, alleine tragen müssen.

Unsere Leben: Ausnahmezustand

Weil ich großen Respekt vor der Lebenslage all dieser Leute habe, wäre ich gerne stärker. Aber es liegt nicht in meiner Hand. Jeder Mensch hat sein eigenes Set an Widerstandskräften, sprich Resilienz gegenüber Stress. Es geht mir nicht gut. Was mich beruhigt: ich bin damit nicht allein.

Ist man gerade mit einer Mail fertig, fällt einem ein, dass da ja noch die Wäsche wartet (während ich schreibe, türmen sich neben mir Stapel gewaschener Wäsche, die darauf warten, in die Schränke eingeräumt zu werden). Die Kinder brauchen und verdienen auch zwischendurch Aufmerksamkeit. Sie sind erstaunlich rücksichtsvoll, wenn wir arbeiten müssen. Vor allem das große Kind hält sich zurück, flüstert, spielt für sich. Der Kleine klettert auf den Schoß und nimmt staunend an Videokonferenz. Aber auch nicht immer. Wir versuchen uns abzuwechseln, mal macht der eine mehr mit den Kindern, dann der andere. Während der Kleine mittags schläft, darf der Große inzwischen täglich 20 Minuten die “Sendung mit dem Elefanten” (Werbung ohne Auftrag) gucken – das wäre in unserem normalen Leben zuvor für uns nicht denkbar gewesen. Auch der “Alba Sport” (Werbung ohne Auftrag) ist eine schöne tägliche Entlastung für uns, auf die die Kinder sich echt freuen. Wenn man gerade nicht am Laptop sitzt, werden Mahlzeiten vorbereitet, aufgeräumt, durchgesaugt (es ist jetzt viel dreckiger als sonst, logo, wir sind ja ständig da).

Am Nachmittag versuchen wir mit den Kindern raus in einen Park oder in die Natur zu fahren (das Handy mit den Mails bleibt dabei). Sie rennen zu lassen, ohne Beschränkung. Wohl gemerkt: wir versuchen es. Dann Abendessen vorbereiten, essen, Kinderzeit, Bettgehritual. Während der Eine die Kinder hinlegt, räumt der andere Küche und Kinderchaos auf. Dann meist wieder an den Laptop, Recherche, Nachdenken, Schreiben.

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