Eine ganz normale Mama
 
Ich mach’ das! Die Welt der Zweijährigen

Man freut sich ja über alle Entwicklungsschritte der lieben Kleinen. Der erste Schritt wird bejubelt, das erste Pipi im Töpfchen feierlich im Klo heruntergespült und wenn sie ihr Mittag alleine löffeln können, erfüllt es einen mit Stolz. Allen Kleinkindeltern möchte ich sagen: Ja, es ist toll! Ich möchte Euch nicht desillusionieren – diese Fortschritte können einen manchmal auch an den Rande der Verzweiflung bringen.

Eine ganz normale Mama: Ich mach’ das! Die Welt der Zweijährigen

Vor allem, wenn die Selbstmach-Phase kommt. Wenn die Zweijährigen einfach alles, ALLES, A-L-L-E-S alleine machen wollen. Und auf vorsichtige Interventionen, weil doch die Zeit ein ganz bisschen drängt, sofort mit einem Wutanfall reagieren.

Auf einmal sitzt vor mir ein großer Junge. Der mir den Löffel aus der Hand reißt und sich die Nudeln selbst in den Mund stopft. Mit großer Begeisterung. Dass die Suppe nicht ganz so einfach zu löffeln ist, will er hingegen nicht einsehen und wundert sich nur manchmal darüber, dass im Mund so wenig ankommt. Der Rest hat sich nämlich auf dem Wege vom Teller zum Mund verabschiedet und feiert eine Party auf dem Fußboden und der frischgewaschenen Kinderhose.

Mein pädagogisch absolut korrekt formuliertes Angebot zur Hilfe (“Brauchst Du Hilfe?”) lehnt er kategorisch ab. “Nein, ich kann das!” Schon klar. Aber irgendwie doch schade um die Suppe, die sich so schlecht vom Fußboden essen lässt. Nudeln lassen sich ja ganz gut wieder in den Verwertungskreislauf einbringen, aber Suppe vom Teppich kratzen ist doch eher suboptimal.

Was Zweijährige schon alles können

Zwei Jahre ist ein tolles Alter! Es ist so unglaublich niedlich, wie das Kind, was eben grad noch ein Baby war, auf einmal einen ganz eigenen Kopf entwickelt. Wie es auf einmal spricht und mit einem diskutieren will (“Mama, kannst du mir den großen Bagger holen? Nein, nicht den Raupenkettenbagger. Den mit Reifen. Nein, nicht den grünen. Mama, du musst mir den gelben Bagger holen. Ich brauch den, hier ist eine Baustelle.”). Wie es auf einmal erzählt, was es bei der Tagesmutter gemacht hat (“Wir haben heute eine Baustelle angeguckt. Aber der große Kipplaster war nicht da.”).

Zu dem Alter gehört auch die Entdeckung, wie viel man schon selbst kann. Und damit geht es los: Zweijährige wollen einfach alles selbst machen! Das sind so lustige Dinge wie: Selber mit der Duschbrause die Badewanne saubermachen. Oder selbst die Milch aus der gr0ßen Milchpackung einschenken. Oder selbst den Buggy durch die volle Fußgängerzone schieben. Oder alleine die Windel wechseln.
Dazu gehört auch: sich selbst anziehen. Was eigentlich ganz praktisch ist. Aber auch ganz schön schwer. Denn mit den kleinen Kinderhändchen ist es nicht einfach, sich eine Strumpfhose überzustreifen (hat ja unsereins auch noch ab und an ein Problemchen mit!) oder gar die Schnürsenkel zuzubinden. Und so kann es zuweilen auch mal dauern, bis der Sohnemann morgens angezogen ist. Aber nun ja, es gibt nun mal Termine, es gibt den Frühstücksbeginn, es gibt die Arbeit, die auf mich wartet. Nein, man kann sie nicht immer alles selbstmachen lassen. Auch wenn ich viel Geduld habe. Irgendwann muss man dann doch eingreifen. Und dann geht es los: der Wutanfall. Das Geschrei. Das große “Ich mach das!”


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