Fips & ich
 
Im Wochenbett: Die vierte Woche

Die erste Woche war Staunen und Sonnenschein, die zweite Woche erstes Kennenlernen und die dritte Woche hat mit einem Verlust geendet. Umso dankbarer bin ich für alles Glück, das wir haben. Doch auch das ist nicht alles immer Sonnenschein. Mich erwischen einige schmerzhafte Erkenntnisse über mich selbst – nicht die Ersten in diesem kugelrund-ereignisreichen Jahr, aber jetzt kann ich sie manchmal kaum verarbeiten.

Fips & ich: Im Wochenbett: Die vierte Woche
iStock, evgenyatamanenko

Einer kommt und einer geht, sagt man.
Wir begraben unser Meerschweinchen unter dem einzigen Busch, der auf unserem Baugrundstück steht. Mit dem kleinen Körper in der Kiste im Arm und unserem Fipsbaby in der Trage gehe ich durch den Vordereingang unserer Rohbaus – zum ersten Mal, und auch zum letzten. Ich bin traurig, aber auch erleichtert, weil nach dem wochenlangen Schmerzmittel-Antibiotika-Tierarzt-Zufüttern-Baden-Pflegen-Sorgen-Marathon Frieden einkehrt. Und ich bin froh, weil die kleine Mütze auf unserem Grundstück einzieht und wir nachkommen werden. Bald.

Danke sagen im Krankenhaus
Froh bin ich auch, weil ich nach der traurigen Beerdigung etwas Fröhliches geplant habe: Der Fipspapa, Fips und ich fahren ins Krankenhaus, um auf der Wochenstation und im Kreißsaal je ein dickes Merci für eine wunderbare Geburt und gute erste Tage abzuliefern.
Erstaunlich, wie vertraut mir das Krankenhaus in nur vier Tagen geworden ist. Und Lachen muss ich als ich mich daran erinnere, wie lang der Weg zum Kreißsaal unter Wehen war – jetzt gehen wir ihn leicht und stolz, mit unserem schlafenden Baby in der Trageschale.
Nach dem Klingeln müssen wir eine Weile warten, bis eine eilige Hebamme mit Gummihandschuhen an den Händen erscheint, zu unserer Gabe „ich hab keine Zeit! Stellen Sie’s dahin, Entschuldigung!“ ruft und wieder verschwindet. Wir müssen lachen: Wie gut-gut-gut, dass wir nicht heute dort liegen, wo ihre Zeit dringender gebraucht wird als beim Geschenke entgegennehmen.
Glücklich gehen wir zur Wochenstation – und treffen dort tatsächlich auf die Hebamme, die unseren Fips entbunden hat und die letzten Stunden der Geburt für mich so genau richtig gemacht hat. Ich freue mich riesig: Tatsächlich ist sie mir in der kurzen Zeit so vertraut geworden, dass ich sie am liebsten umarmen würde. Aber ich bin kein Mensch, der sich so etwas traut. Also danke ich ihr nur noch einmal und sie strahlt entzückt unseren kleinen Fips an, der uns noch so winzig vorkommt und nach drei Wochen doch so viel agiler ist als die frischgeschlüpften Neugeborenen auf der Station. Wir verabschieden uns herzlich und bekommen noch ein „Zehn Jahre haben Sie noch Zeit für das nächste, dann gehe ich in Rente!“ mit auf den Weg.

Das wahre Wesen in mir
Auf der Fahrt nach Hause denke ich nach über diese Frau, die ich kaum angeschaut habe, weil ich so sehr mit mir beschäftigt war und die sich doch so wichtig anfühlt.
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