Verflixter Alltag
 
Ist das zweite Kind zwangsläufig länger das Baby?

Bei einem Baby-Lauflernwagenwettrennen hätte das fast 22 Monate alte Wölkchen locker mitmachen können. Ihre große Schwester wurde zum gleichen Zeitpunkt bereits auf 3 Jahre geschätzt. Woran liegt das, dass Geschwister so unterschiedlich schnell selbstständig werden? Und welche Rolle spielen hierbei die Eltern?

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Verflixter Alltag

Als wir letztens auf einer Messe waren, gab es ein "Lauflernwagenwettrennen". Es durften nur Kinder mitmachen, die gerade erst laufen gelernt haben, keine "größeren", der Fairness halber. Ein knapp zweijähriges Kind schickten sie daher wieder weg. Wölkchen stand daneben, hielt ihre kleine Hand an den Lauflernwagen, schnullerte heftig in Anbetracht der verwirrenden Situation, rieb das Schmusetuch an sich und stand einfach nur zuckersüß niedlich und babyhaft da. Mit fast 22 Monaten. Sie hätte locker beim Wettrennen mitmachen dürfen, obwohl sie die anderen Kleinstkinder einen Kopf überragte. Denn niemand hätte gedacht, dass sie bereits so alt ist. Der Papa führte sie daraufhin zu mir, ich setzte sie auf meinen Schoß und kuschelte und drückte sie fleißig.

Wölkchen, das ewige Baby?
Sie hat es wirklich drauf. Sie schafft es, dass sie in mir den Beschützerinstinkt weckt, so wie ein Baby eben. Hilflos, süß und schutzbedürftig wirkt sie fast jeden Tag auf  mich. Und sie scheint es auch einzufordern und zu zelebrieren, die kuschelige Aufmerksamkeit.
Ganz besonders, wenn es ums Schlafen geht. Hier braucht sie ihr Schmusetuch und ihren Nuckel und die Körpernähe. Abends geht es mit Händchenhalten in ihr Bett und oftmals nachts dann zu uns hinüber. Wenn ich sie dann in unser Bett hole, besteht sie darauf, auf mir einzuschlafen. Nicht neben mir, sondern oben drauf. Es ist die maximale Körpernähe-Ausbeute, die sie in diesem Moment haben kann. Und es erinnert mich so sehr an die Babyzeit, in der sie täglich in genau dieser Position auf uns lag.

Wirbelwind, die Große
Wölkchen war damals anders. Weniger kuschelig und deutlich selbstständiger. Sie wurde immer älter geschätzt, als sie war. Mit 14 Monaten auf zwei Jahre, mit zwei Jahren auf vier. Das liegt auch daran, dass sie in ihrer motorischen Entwicklung nie diesen Watschelgang zeigte, den Einjährige so süß vorführen. Nein sie lief einfach richtig los. Und sie sprach auch sofort sehr deutlich. Wo Wölkchen noch die "s"-Laute weglässt, hatte Wirbelwind diese längst zu ihrem Besten gegeben.

So schön es ist, wenn das Kind so gut gedeiht, es birgt auch Gefahren. Manchmal denke ich beispielsweise, dass die Größe und der Entwicklungsstand von Wirbelwind oftmals dazu führten, dass wir sie deutlich erwachsener behandelt haben, als sie es eben war. Und das wir Ansprüche an sie gestellt haben, die ihrem Alter einfach nicht angemessen waren. Und diese Tatsache hat vielleicht auch ihr Verhalten weiter bestärkt. Ja ich denke, dass das Verhalten von uns Eltern sehr maßgeblich dafür ist, wie sich unsere Kinder wiederum verhalten und entwickeln. Wenn ich Wirbelwind als Zweijährige wie eine Dreijährige behandle, dann wird sie sich auch so verhalten. Wenn ich Wölkchen wie ein Baby betütele, dann wird sie einen Teufel tun, aus dieser Komfortzone auszubrechen.

Welchen Einfluss haben wir Eltern?
Aber zurück zum Titel dieses Beitrags: Ich stelle die Frage, ob das zweite Kind zwangsläufig länger das Baby ist. Bleibt das zweite Kind automatisch länger klein? Einfach weil es zeitlich nach dem ersten Kind geboren wurde? Unabhängig von den genetischen Voraussetzungen?  Ich versuche es einmal mit den folgenden zwei Thesen zu beschreiben:

These 1: Das Kind sucht Premiumzeit
„Das Kind möchte länger Baby sein, um sich Nähe von den Eltern zu holen, die es als zweites Kind nicht in dem Maße bekommt, wie das erste damals zu Babyzeiten.“
Manchmal denke ich, dass Wölkchen nur deshalb so anhänglich ist, um die "verlorene" Zeit mit mir nachzuholen. Klar weiß Wölkchen nicht wirklich, dass Wirbelwind bereits drei Jahre Premiumzeit mit mir hatte, bevor sie auf die Welt kam. Aber irgendwie denke ich, dass sie spürt, dass eben Wirbelwind doch einen Teil meiner Aufmerksamkeit schluckt. Und so sucht sie sich ihre Nische, um sie von mir zurück zu erhalten. Immer wieder tagsüber und immer öfter auch nachts sucht sie meine Nähe. Und ich frage mich: wäre sie auch so kuschelig, wenn sie das erste Kind gewesen wäre? Tja das kann ich leider nicht beantworten.

These 2: Die Eltern klammern sich an den Babystatus
„Die Eltern - vorausgesetzt es soll das letzte Kind sein - halten länger am Babystatus fest, weil sie nicht wollen, dass es groß wird.“
Und manchmal denke ich, dass ich mein Wölkchen vielleicht auch etwas verschmuster mache, als sie es ist. Bei Wirbelwind konnte ich mein Kuschelbedürfnis kaum ausleben, bei Wölkchen nutze ich jede Chance. Klar, dass sie da auch darauf konditioniert wird. Und nun, wo ich mir sicher bin, dass nach Wölkchen kein weiteres Baby mehr kommt, lebe ich das vielleicht unbewusst so sehr aus? Gerne nehme ich sie beispielsweise in die Wiegeposition, nur so aus Spaß. Wölkchen ruft dann schon begeistert "Baby" und freut sich, dass ich dieses lustige "Spiel" mit ihr spiele. Und in mir keimt die Frage hoch, wer hier Wölkchen zum Baby macht. ;-)

Wie ist es bei Euch? Ist das zweite Kind bei Euch kuscheliger und länger babyhafter?
Eure Wiebke
 

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