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Frau Raufuss Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht.

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Jedes Jahr aufs Neue sind die letzten Tage vor dem Geburtstag des Kindes ein auf und ab für mich. Hätte ich meine schwere Depression verhindern können? Hätte ich mich für eine natürliche Geburt entscheiden sollen? Hätte ich es einfach probieren sollen?

Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht

Immer und immer wieder suchte ich nach Antworten. Antworten auf mein Durcheinander im Kopf. In der Zeit hiess es, dass die Narben des Kaiserschnittes nach wenigen Wochen verschwinden. Meine Narbe ist da. Jeden Tag sehe ich sie. Eine andere Narbe hat sich in den letzten Jahren dazu gebildet. Diese sitzt irgendwo tief in meinem Inneren. Sie schmerzt mal mehr, mal weniger. Immer dann, wenn Freundinnen von schönen Geburten erzählen. Immer dann, wenn über die schönen Seiten des Wochenbettes gesprochen wird. Und immer dann, wenn ich mein großes Mädchen sehe und mir einen anderen Start mir ihr im Leben vorstelle. Die Zeit heilt alle Wunden, es wird auch hier immer schwächer.

Aber warum ist das so?

Warum sind wir Frauen, oft, negativ gestimmt wenn wir über Kaiserschnitte reden? Theoretisch sollten wir dankbar sein, dass es medizinisch möglich ist, bei Komplikationen eingreifen zu können. Mir fehlt jedoch bis heute ein entscheidender Teil der Geburt. Die Glückshormone und das Gefühl mit meiner eigenen Kraft etwas total natürliches zu schaffen. „Oh, du hattest einen Kaiserschnitt.“ Zack, bumm. Schublade auf, Mutter rein. Wieso, weshalb, warum? Das fragt kaum jemand. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass Kaiserschnitt-Mütter nicht als „echte Mütter“ betrachtet werden. Ist das wieder ein Trend? Die Zahlen steigen, immer mehr Frauen bekommen Wunschkaiserschnitte, immer mehr Frauen können nicht mehr richtig betreut werden. Der Hebammenmangel macht sich auch hier bemerkbar. Bei den kleinsten Auffälligkeiten greifen die meisten Kliniken sofort zum Kaiserschnitt, ein gutes Gespräch mit der Hebamme des Vertrauens findet kaum noch statt.

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