Frau Raufuss
 
Kinder sind bunt

Endlich sitze ich. Mein Tag läuft seit mehr als 17 Stunden, ich habe mein Mittagessen im Stehen gegessen und aufs Abendbrot komplett verzichtet. Wenn ich mich gleich in mein Bett lege, dann liegen da zwei kleine Menschen.

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Einer davon wurde heute beim Kinderarzt als faul beschrieben und die andere muss wohlmöglich die Freundschaft mit ihrer Freundin aufgeben, weil beide nach dem Sommer unterschiedliche Klassen besuchen. Wie war das noch gleich mit dem Tempo und der Individualität?
 
Mein großes Mädchen ist anders. War es schon immer. Feinfühliger. Sensibler. Weitsichtiger. Schon früh wusste ich, dass auf mich eine große Aufgabe warten würden. Wie ich das gespürt habe? Ich habe meinen Bauch sprechen lassen. Habe nachgedacht, meinen Kopf wieder und wieder mit allen Gedanken, Sorgen und auch den Ängsten vollgestopft, geweint, geschrien und manchmal auch den Mut verloren. Das erste Jahr war hart. Es hat mich in vielen Punkten unglaublich geprägt und viele Blockaden in meinen Kopf und die Gedanken gesetzt. Oft sind wir belächelt worden, abgestempelt und manchmal habe ich selber an meiner Intuition gezweifelt.
 
Während ich mit meinem alkoholfreien Radler und meiner Tüte Lakritz auf dem Boden im Babyzimmer sitze, muss ich laut lachen. Wir Eltern schreien laut nach Individualität, nach eigenem Tempo, nach kleinen Stupsern auf dem Weg zu den eigenen Erfahrungen. Und warum? Damit wir am Ende wieder vergleichen? Ich bin da raus. Ich habe darauf einfach keine Lust mehr.

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