LÄCHELN UND WINKEN
 
Krümel-Chroniken: 5. (Lebens-) Monat

Da ist es nun also, das kleine Brüderchen der Mausemaus. Und jetzt? Wird jetzt WIEDER alles anders? Bricht das Chaos im Familienalltag aus? Oder kann man einigermaßen elegant die Kurve kriegen? Anke von LÄCHELN UND WINKEN erzählt in den Krümel-Chroniken von der ersten Zeit als Zweifach-Mama

5. MONAT MIT DEM KRÜMELCHEN

Blog Lächeln und winken Krümelchroniken 5. Monat
LÄCHELN UND WINKEN

BABY-STATUS:
Körperchen: fast 8 Kilo. Als ich vor kurzem nochmal zum Impfen beim Kinderarzt war, betrat der feine Herr in Weiß den Raum mit den Worten: „Da isser ja wieder, der dicke Karl!“ und lachte. Ich lachte nicht so richtig, weil ich das logischerweise total UNVERSCHÄMT fand! Mein Kind ist nicht DICK! Er ist lang und schwer, aber alles passt zusammen. ICH liebe die leicht knubbelige Figur des Krümelchens ... ein Baby muss so aussehen. Die kleine Madam war in dem Alter sogar noch knubbeliger und davon ahnt man heute nix mehr. Ergo: Das Karlchen ist nicht dick, sondern der Arzt blöd. Ganz einfach ;)

Können/Verhalten: Seit mehreren Wochen nun schon macht der kleine Mausemann beim Wickeln ununterbrochen Situps, tritt wirklich heftig in Richtung Mamas Bauch und greift dermaßen fest zu, dass ich manchmal denke, in einem kleinen, warmen, verschwitzten Schraubstöckchen gefangen zu sein. Ich befürchte ernsthaft, dass mein zweites Kind sportliche Ambitionen entwickeln könnte und habe schon jetzt Alpträume davon, wie ich an irgendeinem Spielfeldrand mein einsames Mama-muss-immer-mit-Dasein fristen werde. Sollte es wirklich dazu kommen, könnte es passieren, dass mir ein oder zwei kleine Schnäpschen in meine Tee-Thermoskanne fallen. Ganz aus Versehen natürlich :D .

Deutlich entzückender als sein „Training“ finde ich, dass Bruder und Schwester offenbar ein Herz und eine Seele sind. Die kleine Madam reißt sich förmlich ein Bein dafür aus, IHR Baby zum Lachen zu bringen und tanzt, singt und lacht für ihn. Und er dankt es ihr, indem er sie anhimmelt, sofort strahlt wie die Sonne, wenn sie in seinem Blickfeld erscheint und über wirklich alles, was sie ihm darbietet, so schnuckelig glucksend lacht, dass Mama und Papa sofort vor grenzenloser Liebe dahinschmelzen. Was soll ich sagen: Es ist eine wahre Wonne und ich hoffe inständig, dass es zumindest überwiegend eine so liebevolle Geschwisterbeziehung bleibt, wie sie es jetzt gerade ist.

Der Krümel beobachtet aber natürlich nicht nur die große Schwester, sondern fast noch ein bisschen intensiver die Mama. Meistens finde ich das ganz schnuffig ... wie sein Köpfchen sich dreht, damit mir seine Augen überallhin folgen können – falls er mal nicht an mir hängt und mich aus nächster Nähe aus dem Tragetuch fixieren kann. Doch manchmal wünschte ich, er wäre etwas weniger aufmerksam. Dann nämlich, wenn er mich beim Blick auf mein Handy „ertappt“. Pfui, dann schämt sich die Mutti ... wenigstens kurz ;) ... weil ich denke: Herrje, die Zeit geht so schnell vorbei, in der ich sein Lebensmittelpunkt bin. Die sollte ich jede Sekunde genießen. Aber manchmal genieße ich es eben auch, meine Mails zu checken – ist einfach so.

Und ich bemerkte, dass sein Interesse an meinem Essen langsam erwacht. Auch wenn er bisher nur mal an einem Apfel lecken wollte, denke ich fast, er wird es mir in Sachen Beikost-Einführung wahrscheinlich etwas einfacher machen als seine Schwester damals. Schwerer wäre allerdings auch kaum möglich :D .

Schlaf-Elend: Puhhh, was soll ich sagen: Es wird einfach nicht besser. Immernoch weckt mich das Krümelchen alle 1 bis 1,5 Stunden zum Stillen und schläft beinahe ausschließlich mit direktem Körperkontakt zu mir. Macht aber eigentlich nichts (zumindest letzteres) da die Mausemaus auch noch kein Interesse daran hat, IHR Schlafverhalten zu ändern. Soll heißen, sie pennt nach wie vor im nur 1,30 m Baby-Beistellbett, obwohl ihr großes Kinderbett mittlerweile ebenfalls im Schlafzimmer steht. Doch sie will NEBEN der Mama schlafen, als schläft das Karlchen AUF der Mama. Wie die Mama das findet? Na, so mittelmäßig prickelnd. Aber mich fragt ja keiner ;) .
 
MAMA-STATUS:
Gewicht: 66,5 Kilo. Tja, ein eher wenig erfolgreicher Monat, wenn es um den Verlust meiner Schwangerschaftspfunde geht. Ich ärgere mich natürlich ein bisschen, dass ich diesmal nur ein popeliges Kilo in vier Wochen losgeworden bin, obwohl ich ... nein, kein obwohl. Wenn ich ganz ehrlich bin, hab ich nämlich in Karlchens 5. Lebensmonat leider rein gar nichts dafür getan, dass irgendetwas an mir purzelt (abgesehen von Spucktüchern, die mir wirklich STÄNDIG von der Schulter purzeln – voll nervig!). Sobald das Baby im Tragetuch eingeschlafen ist, wandere ich wie ferngesteuert zur „Schublade der Schwäche“, um mir eine kleine Leckerei zu stibitzen. Dabei mache ich keinen Unterschied, ob ich gerade erst gefrühstückt habe oder 15 Minuten später EIGENTLICH was ordentliches zu Mittag essen will. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Aktuell ist mein innerer Schweinehund offenbar eine fette Naschkatze.

Umfang: 86 cm, wenn ich wie immer bzw. wie in der Schwangerschaft auf Bauchnabelhöhe messe. Weil das Ergebnis sogar einen Zentimeter mehr als letzten Monat liefert (was ich natürlich für eine bodenlose Unverschämtheit des Maßbandes halte!!!), habe ich auch mal meinen richtigen Taillen-Umfang (also schmalste Stelle) gemessen. Der ist mit 78,5 cm zwar deutlich höflicher, aber so richtig schmal ja irgendwie trotzdem nicht. Was aber ja viel wichtiger ist, als Zahlen auf Omas altem Näh-Maßband: Ich FÜHLE mich langsam wieder einigermaßen wohl in meiner Haut. Außer ... ich sehe mich selbst beim Rückbildungskurs vor dem großen Spiegeln zappeln und schwabbeln. Da muss ich immernoch weggucken ;) .

Und sonst so: Fast exakt auf den Tag 5 Monate nach der Geburt bekam ich meine erste Periode nach der Schwangerschaft. Ich hab’s schon vor etwas mehr als 10 Tagen kommen sehen, als ich mich einige Stunden lang mit wirklich heftigen Unterleibsschmerzen rumquälen durfte – ein Umstand, in dessen fragwürdigen Genuss ich eigentlich nur dann komme, wenn ich rechts einen Eisprung habe (ich weiß – viele Ärzte behaupten, es wäre unmöglich, das zu spüren. Aber ich tue es nun mal ... und ich hatte bei jeder meiner vier gestarteten Schwangerschaften mit meinem Tipp, aus welchem Eierstock das Eichen gehüpft ist, recht.) Trotzdem dachte ich: Ich stille noch voll und fünf Monate sind ja noch nicht sooooo lang nach der Geburt. Andererseits war mein Körper auch nach der Mausemaus schnell wieder „auf Kurs“ und bereit, auf LOS zu gehen. ICH ABER NICHT! Manno!
 
Mein persönliches Haupt-Thema im 5. Lebensmonat des Krümelchens war, dass ich dank der Stillhormone offenbar zu einem menschlicher Wasser-Hydranten mutiert bin ... und das kann ich gar nicht leiden!

Beispiel: Aktuell gibt es eine Person in meinem Leben, mit der ich einfach so gar nicht klar komme, der ich aber leider nicht aus dem Weg gehen kann und die ihre Antipathie mir gegenüber immer mal wieder gern mit unnützen Konfrontationen zum Ausdruck bringt. NORMALERWEISE reagiere ich in solchen Fälle ebenso unangenehm, wie mir begegnet wird und eskaliere auch sehr gerne mal „nach oben“! Nun musste ich jedoch feststellen: Unter dem Einfluss von Schwangerschafts- oder Stillhormonen ... heule ich direkt los wie ein Schlosshund. Ich kann gar nicht ausreichend betonen, WIE verdammt zum Kotzen ich das finde!!! Ich bin eine erwachsene Frau von beinahe 40 Jahren. Ich habe eine ganze Menge wirklich sehr, SEHR ätzender Situationen gemeistert, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken! Ich habe zwei Kinder, denen ich eine vorzeigbare, einigermaßen taffe Mutter sein möchte. Und einen Mann, dessen Respekt mir wirklich wichtig ist. Und dann heule ich wie eine fünfjährige los, weil man mir niveaulos ans Bein pisst? Es ist nicht zu fassen!!!
Direkt im Anschluss an die letzte Situation dieser Art habe ich mich so maßlos über mich selbst geärgert, dass ich ernsthaft am Gesundheitszustand meiner Birne gezweifelt habe. Auf die Idee, dass es an den Hormonen liegen könnte, bin ich von alleine allerdings gar nicht gekommen. Darauf musste mich erst eine Freundin stoßen; vorher bin ich immer davon ausgegangen, dass ich mich nur schwanger so dermaßen albern verhalten würde. Ich habe mich geirrt. Etwas besser geht es mir damit trotzdem erst, seit ich auch in einer gut-emotionalen Situation völlig überreagiert und losgeheult habe.
Als die Lieblingserzieherin der Mausemaus ihren letzten Arbeitstag in unserer Kita hatte, bin ich der leicht überraschten Dame weinend um den Hals gefallen. Tja, auch nicht besonders taff ;) . Aber für mich war das der Beweis, dass ich gerade offensichtlich emotional mit einem Wasser-Hydranten gleichzusetzen bin – unabhängig davon, ob mich jemand bis zum Erbrechen nervt oder mein Herz berührt. Ich bin SO froh, dass ich zur Zeit nicht zum Fernsehen komme und dadurch nicht diesen immer schrecklich tränentreibenden Merci-Werbespots ausgesetzt bin ... ich käme aus der Heulerei ja gar nicht mehr raus :D . Und das wäre echt schlecht, weil dann auch noch rot geschwollene Augen zu meinem allgemeinen Alters- und Schlafentzugsbedingten Gesichtsknitterlook kämen, der mir täglich um 6 Uhr aus dem Spiegel entgegen „blüht“. Wobei da die Meinungen stark auseinander gehen.
Denn wenn ich mich rein nach dem Feedback von Freunden und Bekannten richten würde, dann müsste ich sagen: ES GEHT MIR BLENDEND! ICH BIN DER FRÜHLING! UND ICH SEH AUS WIE DER JUNGE MORGEN! Denn tatsächlich bekomme ich im Moment erschreckend häufig Komplimente zu meinem „frischen“ Aussehen.
Erschreckend deshalb, weil meine Selbstwahrnehmung eine völlig andere ist. ICH würde nämlich behaupten, dass man es mir tatsächlich so langsam ansieht, dass ich niemals länger als eine Stunde am Stück schlafen darf, den Krümel fast den ganzen Tag rumschleppe und mich nebenbei mit meiner trotzigen, kleinen Madam amüsiere und versuche, sie nicht zu sehr spüren zu lassen, dass Mami am liebsten mal eben steif aus den Latschen kippen würde vor Erschöpfung. Noch dazu werde ich leider in sehr, sehr wenigen Wochen 40 Jahre alt (NEEEEEEIIIIINNNN!) und sehe gerade in der bewusst kurz gehaltenen Zeitspanne zwischen duschen und cremen, dass es sich bei dieser Zahl um KEINEN Irrtum handelt. Da frage ich mich natürlich: Wie kommt diese Diskrepanz zustande? Hab ich einen Knick in der Linse oder meine Freunde? Sind die vielleicht nur sehr nett und lügen deshalb? Oder liegt es an den kalten Temperaturen, die meiner trockenen, grauen Gesichtshaut einen aprikosigen Farbschleier verleihen, wenn ich nur lange genug draußen rumeiere (dann soll es bitte noch etwas länger kalt bleiben ;) )?

Vielleicht liegt es aber auch – genau wie die ständige Heulerei – an den Hormonen. Vielleicht braucht meine Haut einfach noch ein bisschen länger als NUR fünf Monate, um sich von den Strapazen der Schwangerschaft und den vielen Extra-Kilos zu erholen. Und vielleicht gilt das auch für meine meine Psyche, die immernoch dabei ist, sich sehr langsam zurück in mein altes Selbst zu pendeln, das normalerweise ein wenig tapferer in den Spiegel schaut, die Lachfalten um Augen und Mund nicht nur schrecklich, sondern auch schön findet und die kommende 40 eben als das nimmt, was sie ist:  eine Zahl, nichts weiter. Eine „junge“ Mama bin ich ja trotzdem ;) .
 

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