Mama steht Kopf
 
Lasst die Kinder fliegen

Ich breite die Arme aus und gleite zu „Hava Nagila“ durch den Raum. Lasse mich von der Musik treiben und genieße den Moment. Einfach so. Und erlebe gerade den schönsten Augenblick seit Beginn dieser Reise, die ich nun in Begriff bin, in wenigen Minuten abzubrechen.

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Sie vor der eigentlichen Destination zu beenden, weil’s mir am Ziel zu kühl und ungemütlich geworden ist. Doch soll man nicht genau dann auch aufhören, wenn’s am Schönsten ist? Gilt diese Weisheit auch für Verpflichtungen, Engagements und kleinere Jobs? War es richtig, auf das eigene Bauchgefühl gehört zu haben? 

Bislang war es das immer! Ganz gleich worum es sich handelte und was ich tat! Auf meinen blöden Bauch war stets Verlass. Aber warum will mir nun diese – wider Erwarten magische – Situation, dieser verzauberte Moment, gerade weiß machen, ich hätte falsch entschieden?

Warum ist es denn ausgerechnet jetzt schön?
Weil ich loslasse! Mich selbst. Mich gerade selbst vergessen möchte, bereit, nach Vorne zu schauen und nicht zu bereuen! Bereit, zu Entscheidungen zu stehen und den letzten kostbaren Moment zu genießen! Ihn in mich aufzusaugen und abzuspeichern. Im Herzen. Für die Ewigkeit.

Und so entscheide ich auch mit genau jenem freien Tanz, diesem Lied meinen Kurs im Kindergarten tatsächlich zu beenden. 
Hier und jetzt Abschied zu nehmen von einer Tätigkeit, die mich zweifeln ließ und sich nicht als „meins“ anfühlte.
Abschied von diesen zauberhaften Wesen, alles Mädels im Alter meiner kleinsten Tochter! Alle gerade entweder an meiner Hand oder auf dem Schoß!
Ich hab‘ sie alle lieb gewonnen, jede auf ihre eigene Art, als wären’s die Meinen.
Und doch verlasse ich sie jetzt. Bewusst.

Ich sah die Freude in ihren Augen eben gerade. Als sie frei tanzen durften!
So, wie sie es möchten. Denn das ließ ich eben zu. Ohne auf Takt und Rhythmus achten zu müssen. Ohne sich auf nur ein Instrument begleitend zum Tanz beschränken zu müssen. Ohne zeitliche Vorgabe, weil der nächste Programm-Punkt bereits wartet. Sie durften einfach sein und fliegen.
Durch den Raum. Frei, unbekümmert und unbeschwert.
Ohne Förderwahn und viel zu hoch gesteckte Ziele!

In anderen Situationen bemerkte ich, wie sehr die Kinder es liebten, einfach nur auf meinem Schoss zu sitzen.
Beim Vorlese-Part.
Wie fasziniert sie von den einzelnen Geschichten waren, bereit sich mit mir auf Phantasie-Reise zu begeben. Doch gab das Programm meinem eigenen Empfinden nach diesen Momenten leider nicht genug Raum.
Spielerisch“ sollen die Kinder lernen, das wurde stets betont und ja, wir durften auch auf Phantasie-Reisen gehen. Doch nie lange genug.
Denn es wartete ja bereits das nächste Ziel, die nächste „Activity“, durch welche die Kinder navigiert werden mussten.

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