Fips & ich
 
Locked down. Wie gut wir's haben & wieso man trotzdem ausflippen darf

Mein Opa spricht fast nie vom Krieg. Aber als die Verlängerung des harten Lockdowns kam, erzählt er, dass er mit dreizehn Jahren jede Nacht im Keller verbrachte während draußen die Bomben fielen. Mehr sagt er nicht.

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iStock, Gwengoat

Mein Opa erzählt fast nie vom Krieg.
Er wird bald 95 und lebt seit anderthalb Jahren im Heim, zum Glück in der Nähe meiner Eltern, zum Glück in einem Haus, in dem sich die Mitarbeiter mit Herz um ihre Gäste kümmern, zum Glück mit einer Chefin, die durch rigoroses Regiment Corona bisher fernhalten konnte. Er darf das Heim seit Monaten nicht verlassen und nur eine Person zu Besuch haben, nur einmal die Woche, nur für 30 Minuten, mit zwei Metern Abstand. Seit dem ersten Lockdown telefonieren wir fast jeden Tag. Es sind meisten nur zwei, drei Minuten. Oft habe ich nichts zu erzählen und gelegentlich muss ich brüllen, weil sein Hörgerät nichts durchlässt.

Im ersten Lockdown hat er mich manchmal getröstet und mir wieder Mut gemacht, wenn ich am liebsten ausflippen wollte. Und dabei weiß ich manchmal gar nicht, worauf er noch wartet. Ich habe so viel, was ich wieder tun will – ich will wieder reisen, ich will Freunde sehen, ich will kinderfreie Wochenenden, ich will tanzen gehen, ich will Konzerte, ich will Fips in den Kindergarten bringen, ich will freie Zeit für mich, ich will Spinnern wieder berlintypisch mit tolerant-ignorantem Scheißdochdrauf begegnen statt mich zu fragen, was an Mund-Nasen-Schutz-Tragepflicht eigentlich so verdammt schwer zu verstehen ist.

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