Lächeln und winken
 
Mama mit Essstörung

Eigentlich schreibt Anke von LÄCHELN UND WINKEN immer offen und ehrlich über alles. Nur ein Thema hat sie bisher vermieden: nämlich, dass sie viele Jahre unter einer Essstörung litt. Jetzt packt sie es doch mal an, weil es wichtig ist, viele Menschen betrifft und auch das Verhalten als Mama beeinflusst.

Lächeln und winken: Mama mit Essstörung

Eigentlich wollte ich nie darüber schreiben. Keine Ahnung warum. Ich schreibe sonst ja auch über alles. Die Sache mit der Essstörung jedoch war bisher nie ein Thema, dass ich hier gerne anfassen wollte. Vielleicht, weil ich nicht mehr ständig aktiv an die 10 Jahre in meinem Leben denke, in denen ich oft mit Absicht gehungert oder mich übergeben habe. Vielleicht, weil es so viele Frauen und auch Männer gibt, die viel schlimmer davon betroffen sind als ich es damals war. Oder vielleicht auch einfach, weil es schlicht unangenehm ist, darüber zu schreiben, dass ich ab meinem 15 Lebensjahr kein „normales“ Verhältnis mehr zum Essen hatte und ich mich heute noch „anders“ (jedoch nicht besser) ernähre als die meisten anderen. Aber es ist ein Thema. Ein wichtiges sogar. Nicht nur für mich, sondern für ganz viele Menschen. UND es nimmt – selbst dann noch, wenn wir die Krankheit „offiziell“ besiegt haben – Einfluss darauf, wie wir als Eltern an die Ernährung unserer Kinder herangehen. Denn: GANZ wird man eine Essstörung niemals los, sie glimmt immer irgendwo noch ein bisschen nach. Deshalb ... erzähle ich es jetzt eben doch mal.

Manchmal reicht ein Kommentar.

Ich bin Jahrgang 1977, d.h. ich war ein Teenie in der Hochphase der ersten großen Model-Berühmtheiten. Doch das war bei mir gar nicht der Auslöser, auch wenn die Ursache sehr oft als erstes in den Figuren anderer, bei in den Medien präsenten Menschen oder auch im viel zu dürren Körperbau einer Puppe gesucht wird. Bei mir war es ein unüberlegter, gemeiner Kommentar einer mir nahestehenden Person über mein angeblich zu hohes Gewicht. Ich war 15 oder 16 Jahre alt, 169 cm groß und wog ca. 62 Kilo – so viel wie heute. Ich war nicht dick. Nicht mal ein kleines bisschen. Und doch legte die im Grunde unzutreffende Aussage einen Schalter in meinem pubertierenden Gehirn um. Ich hörte auf zu essen. Zeitweise komplett, manchmal ernährte ich mich aber auch von einer Handvoll Lakritzbonbons am Tag – um dem Schwindel und dem doofen Geschmack im Mund entgegenzuwirken. Es gab Phasen, in denen ich morgens einen großen Joghurt aß und dann erst hungerte. Und Phasen, in denen ich drei Mahlzeiten einnahm, mich anschließend aber übergab oder Abführmittel nahm. Ich wechselte in meinen Strategien und bremste mich sogar, wenn mir zu viele Leute auf der Straße sagten, ich sähe ziemlich krank aus ... ob ich mal beim Arzt gewesen wäre?! Da lag ich meist bei knapp unter 50 Kilo. Ich lebte also in einer Variante der Essstörung, die von allem etwas bot, bewegte mich aber nie so tief hinein, dass ich tatsächlich ernsthaft Hilfe in Anspruch hätte nehmen müssen, um mein Leben zu schützen. Obwohl ... rückwirkend betrachtet wäre ein wenig Hilfe wahrscheinlich gar nicht schlecht gewesen.

Raus aus der Essstörung.

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