Du und Dein Kind
 
Mein Geburtsbericht: Mut zur ambulanten Geburt

Heute erzähle ich euch von der wundervollen Geburt meines Kindes. Schon vor der Schwangerschaft, machte ich mir Gedanken darüber, wo und wie ich mein Kind später einmal gebären möchte. Sowohl von einer Hausgeburt, als auch vor der Geburt in einem Geburtshaus war ich nicht abgeneigt.

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iStock, Pixelistanbul

So kam es, das ich meinen Geburtsvorbereitungskurs auch in einem Geburtshaus machte. Als wir die letzte Stunde des Kurses hatten und die Hebamme uns nochmal die Unterschiede zwischen der Geburt im Geburtshaus und der Geburt im Krankenhaus zeigte, bekam ich Zweifel. Der größte Punkt ihrer Meinung nach, war die Selbstbestimmung. Sie war der festen Überzeugung, dass man im Krankenhaus nicht selbstbestimmt Kinder zur Welt bringen könne. Auch nannte sie nochmal einige Risiken, die unter der Geburt stattfinden können.

Die Tage nach dieser letzten Kursstunde, waren mit Zweifeln und Ängsten gespickt. Als Erstgebärende hatte ich natürlich wenig Ahnung und war verunsichert. Mein Bauch sagte Geburt im Krankenhaus und mein Kopf wusste es nicht. So schaute ich mir zwei weitere Krankenhäuser an. Das erste sprach mich überhaupt nicht an. Zudem wollte die leitende Hebamme sofort meine Unterschrift, um um Falle eines Kaiserschnittes los legen zu können. Das zweite Krankenhaus hingegen, überwältigte mich. Frisch saniert, neu tapeziert und eine schöne helle Einrichtung. Nette Hebammen, eine sehr sympathische Ärztin und ein toller Ethos. Nicht zu viele Geburten im Jahr, aber auch nicht zu wenig. Familienzimmer, Bonding, Stillfreundlich und sogar nicht weit von uns entfernt.

Also entschied ich mich gegen das Geburtshaus und für das Krankenhaus. Ich packte meine Kliniktasche einige Wochen vorher und war der Meinung, ein paar Tage dort zu bleiben. Nun ja. Der errechnete Termin kam und ich spürte nichts. Keine Wehe, kein stechen, kein ziehen. Nichts. Permanent bekam ich Nachrichten von Freunden und Verwandten ob das Kind den sich nicht auf den Weg machen möchte. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt. Also stellte ich das Handy leise und machte Pläne für die nächsten Tage. Ich schrieb einen Plan, mit Dingen, die ich unbedingt nochmal machen möchte, bevor das Kind kommt.

Nähen und Kino

Auf mehr Sachen kam ich nicht. Also gingen mein Partner und ich am nächsten Tag noch einmal ins Kino. Auf dem Weg dorthin, wurde ich schlagartig müde. Und zwar so müde, dass ich mich kaum in der Lage fühlte irgendwohin zu gehen. Da es aber auf meiner Liste stand, wollte ich kein Spielverderber sein und raffte mich so gut es ging auf. Angekommen, bekam ich plötzlich leichte Unterleibsschmerzen und wurde extrem sentimental. Ob das schon Wehen waren? Wieso wurde ich plötzlich so sentimental?

Nach dem Kino fuhren wir noch bei einem kleinen Stoffladen vorbei. Gerade als ich aus dem Auto steigen wollte, bekam ich heftige Schmerzen. Ich musste inne halten und warten bis der Schmerz vorbei war, denn sonst hätte ich nicht aussteigen können.

Ob das schon erste Wehen waren?

Ich ließ mich nicht verunsichern und lief mit meinem Partner zu dem Stoffladen. Dort suchte ich mir ein paar schöne Stoffe aus und bezahlte gerade, als ich auf einmal wieder ein Ziehen im Unterleib spürte und dringend auf die Toilette musste. Der Schmerz verzog sich jedoch wieder schnell und wir fuhren nach Hause. Dort war alles wieder ruhig. Ich hatte keine Schmerzen, keinen ziehen und kein stechen. Also nähte ich noch ein paar Sachen fürs Baby und mein Partner traf sich mit einem Freund.

Ich genoss die Ruhe

Als ich aus dem Fenster sah, begann es gerade zu schneien. Ein Hauch von Weihnachten lag in der Luft. Irgendwie war es romantisch, idyllisch und beruhigend zu gleich. Ich nahm den Hund an die Leine und zog mich warm an und ging nochmal eine letzte Abendrunde spazieren. Ich genoss den fallenden Schnee, die Ruhe, das Alleinsein. Ob heute der letzte Tag sein würde, an dem ich voller Ruhe und ganz alleine mit meinem Hund gassi gehen werde?

Abends, hatte ich dann wieder keine Schmerzen mehr. Ich konnte mich während ich nähte super entspannen und hatte noch ein paar schöne Stunden, ganz für mich allein. Als mein Freund zurück kam, blödelten wir noch etwas auf der Couch herum und ich zeigte ihm meine genähten Sachen. Gerade als wir ins Bett gehen wollten, bekam ich heftige Schmerzen im 10 Minuten-Takt. Unsicher, ob es nun schon richtige Wehen waren oder nicht, fuhren wir zur Sicherheit ins Krankenhaus. Die freundliche Hebamme öffnete uns die Tür zum Kreissaal und untersuchte mich.
Der Muttermund war gerade erst einmal 1cm offen

Die Stunden vergingen und es sollte noch einige Zeit dauern, bis unser Kind, das Licht des Kreissaals erblickte. Die Hebammen wechselten ganze 3x, was für mich aber nicht weiter tragisch war, denn sie waren allesamt überaus freundlich und ermutigend. Die Hebamme, die während der Geburt an unserer Seite war, war dann noch das i-Tüpfelchen. Sie unterstützte mich und gab mir ausreichend Kraft, sie wirkte mütterlich und so vertraut. Natürlich hatte ich unglaubliche Schmerzen und schrie, so laut ich nur konnte, aber die vielen Schmerzen haben sich gelohnt. Der Moment als mir mein kleines Wunder auf die Brust gelegt wurde, war unglaublich.

Wir blieben noch einige Stunden zu dritt im Kreissaal und wurden erst danach auf die Wochenbett-Station gelegt. Eigentlich war auch angedacht, dass wir ein paar Tage im Krankenhaus bleiben würden. Doch aus irgendeinem Grund, wollte ich lieber nach Hause. Die Kinderkrankenschwestern waren wirklich nett, das Zimmer was hübsch und die Stimmung war gut, aber mir fehlte meine eigene Couch, mein eigenes Bett und meine eigenen Vier-Wände. Ich fühlte mich stark und selbstbewusst und wollte meinem Kind sein neues Zuhause zeigen. So rief ich die Schwester und sagte ihr, dass wir gern nach Hause wollen. Sie holte den Arzt, dieser klärte uns noch über das weitere Vorgehen auf und dann verließen wir das Krankenhaus.

Zuhause angekommen war es, als wäre dieses kleine Geschöpf schon immer bei uns gewesen. Wir kuschelten und verbrachten den Abend gemeinsam im Bett. Viel Hautkontakt und noch mehr Küsse bestimmten die nächste Zeit unser ganzes Tun und Handeln. Besuch wurde auf das minimalste reduziert und wir waren berauscht, von der Schönheit dieses kleinen Babys.

Im Nachhinein betrachtet, war die ambulante Geburt im Krankenhaus die beste Entscheidung für uns. Ich hatte die Sicherheit, dass bei einem Notfall sofort ein Mediziner vor Ort ist, was bei einer Hausgeburt oder der Geburt im Geburtshaus nicht der Fall gewesen wäre. Außerdem konnte ich selbst entscheiden, wie lange ich dort hätte bleiben wollte. Ich fühlte mich sicher und frei, und war super aufgehoben.

 

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