Eine ganz normale Mama
 
Mein Kind in der Warum-Phase: Ein Dialog

Mein Sohn ist in der Warum-Phase. Eigentlich seit er sprechen kann. Also seit bummeligen dreieinhalb Jahren. Gefühlt seit einer Ewigkeit. Seine Neugier ist unglaublich.

Nathalie Klüver
Wissensbücher kann man nicht genug haben – denn die Neugier von Kindern in der Warum-Phase ist unersättlich!

Alles will er wissen, alles hinterfragt er und allzu oft bin ich so perplex über seine Gedankengänge, dass mir selbst keine Antwort einfällt. Denn manches, was uns so selbstverständlich erscheint, ist eigentlich, beim genaueren Nachdenken ein Wunder, ein großes Rätsel. Und dann diese plötzlichen Gedankensprünge und Assoziationen, bei denen man gar nicht mehr hinterherkommt! Die Warum-Phase ist spannend, sie bringt Spaß, sie ist superwichtig für die Entwicklung des Kindes – aber, ganz ehrlich, sie kann auch unglaublich nerven. Einen typischen Dialog habe ich mal für Euch mitgeschrieben...

Wir sind am Pfannkuchenbacken, der Große reicht mir vorsichtig die Eier für den Teig.

-Mama, warum muss man mit den Eiern vorsichtig sein?
-Weil sie kaputt gehen, wenn sie runterfallen und dann haben wir eine Riesensauerei und kein Ei für die Pfannkuchen.
-Und warum gehen Eier so schnell kaputt?
-Weil sie eine ganz dünne Schale haben. Die zerbricht ganz leicht.
-Und wieso haben sie so eine dünne Schale?
-Damit das Küken sich leichter durchpicken kann.
-Aber in dem Ei ist doch gar kein Küken, wieso hat es dann auch so eine dünne Schale?

(so, nun komme ich ins Stocken. Die anderen Fragen kann man so nebenher beim Teig mixen locker beantworten, nun muss man doch kurz mal nachdenken)

Ehe ich mir eine verständliche, nicht zu komplizierte Antwort zurechtlegen konnte, ist mein Sohn schon ganz woanders.

-Mama, warum bleibt das Kakaopulver nicht so lange auf der Milch liegen?

(den Kakao gab es übrigens vor drei Stunden zum Frühstück, da gab es Riesentheater, weil kein Kakao mehr in seinem Becher war – und er nicht glauben wollte, dass der Kakao nur an den Tassenboden gesunken war. Mit physikalischen Eigenschaften und Dichten von Milch und Kakao zu kommen, wäre jetzt vielleicht too much, ich versuche es anders).

-Das Kakaopulver ist schwerer und sinkt deshalb nach unten. Wenn du einen Stein ins Wasser wirfst, tut er das ja auch.
-Aber erst bleibt das Kakaopulver ja oben liegen. Wieso ist das so, Mama?
-Weil es nicht so schwer ist wie ein Stein. Sondern leichter. Da dauert es eine Weile.
(nebenher brate ich den ersten Pfannkuchen)
-Und wieso?
-Weil es ganz langsam absinkt. (doofe Antwort, ich weiß)
-Und dann?
-Sammelt es sich unten am Boden. Wenn man dann umrührt, wird die Milch dann braun.
-Aber wieso?
-Weil sich der Kakao dann auflöst.
Und wieso löst er sich auf?
(weil er wasserlöslich ist! Was sagt man denn nun? Während ich nach einer Erklärung suche, kommt schon die nächste Frage)
-Aber Zucker löst sich doch auch auf, oder?
-Ja. Genau wie Kakaopulver.
-Aber wieso wird dein Tee dann nicht weiß?
-Schau mal (praktischerweise steht die Zuckerdose noch da vom Teigmixen), Zucker ist eigentlich durchsichtig, das sind so ganz kleine Kristalle, der sieht nur weiß aus.
-Und wieso?
(ich will gerade zu einer Erklärung ansetzen, da fallen ihm wieder die Eier ein)
-Mama, wieso fallen Eier eigentlich immer auf den Boden, wenn man sie fallenlässt?
-Es gibt da die Schwerkraft, die zieht alles auf den Boden. Dich auch, wenn du hochspringst. (ich will grade erklären, dass es das im Weltraum nicht gibt und Astronauten deshalb herumfliegen, da beschäftigt ihn schon wieder was anderes)
-Mama, wieso geht denn ein gekochtes Ei nicht kaputt, wenn es auf den Boden fällt?
(er ist schlau, oder?! Diese Logik finde ich schon clever. Aber auch hier bleibt mir keine Zeit zum Antworten, denn da kommt auch schon die nächste Frage)
-Mama, warum sind Lastwagen eigentlich immer so laut? ...

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