Aus dem Kopf
 
Natural Born Spinners

Das Leben ist ein ständiger Konkurrenzkampf. Man vergleicht sich mit anderen und sieht was sie alles schaffen, während man selbst das Gefühl hat überhaupt nichts auf die Reihe zu kriegen. Man betrachtet, was andere alles besitzen und ist hier und da sogar mal ein bisschen neidisch. Das fängt schon im Kindergarten an.

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Meine Jungs orientierten sich schon sehr früh stark an ihren Freunden und deren Besitztümern. Bis heute werden mir regelmäßig Vorträge darüber gehalten was die Klassenkameraden für tolle Spielsachen haben oder was sie schon alles im Fernsehen anschauen dürfen.

Also wenn das alles der Wahrheit entspricht, dann haben die Freunde meiner Kinder alle mindestens ein eigenes iPad (wenn nicht sogar zwei), ein eigenes Smartphone, bekommen ständig außer der Reihe große Lego-Pakete geschenkt und schauen sich regelmäßig Horrorfilme an, weil sie die coolsten Eltern der Welt haben. Ihre eigene „blöde Mutter“ hingegen lässt die Kids lediglich auf dem einzigen Familien-Tablet gelegentlich mal ein Spielchen zocken, ein eigenes Handy = Fehlanzeige und große Lego-Pakete gibt es nur zum Geburtstag oder zu Weihnachten.

Bei Horrorfilmen stellt die doofe Mama sich natürlich auch an. Nicht einmal „Fluch der Karibik“ durften sie gucken, die Armen! Dabei haben Lasse* und Tim* aus ihrer Klasse den schon DREIMAL gesehen. Ich pflege derartige Prahlereien ja mit Vorsicht zu genießen. Aber wenn ich mitbekomme, wie so eine Nachwuchs-Arschgeige meinem Sohn seine gerade erst erhaltenen Geburtstagsgeschenke mies macht, könnte ich wirklich aus der Hose hüpfen!

Hier ein Beispiel: Mein Großer hatte zum Geburtstag und von uns ein gigantisches Lego-Dingsbums bekommen (also ganz viel Karton mit ein paar bunten Plastiksteinen für ganz viel Geld). Stolz präsentierte er das Geschenk seinem Freund Jonas*, der bei uns zu Besuch war. Dieser entgegnete jedoch nur:“Ach, das ist doch nichts Besonderes! Das hab ich doch schon seit drei Monaten!“ „Kann ja nicht jeder so ne coole Sau sein, wie Du!“, lag mir auf der Zunge. Ich konnte es aber gerade noch aufhalten. Mein Großer war ehrlich geknickt.

Ich weiß, dass die Reaktion des Jungen wahrscheinlich für dieses Alter „normal“ war, aber deshalb muss ich ihn ja noch lange nicht mögen. Solche Situationen verursachen bei mir regelmäßig Wutbälle im Bauch. Leider kann man dagegen gar nicht wirklich etwas unternehmen. Die Hoffnung, meine Kinder lebenslänglich vor Arschlöchern beschützen zu können, habe ich mit Eintritt in den Kindergarten aufgegeben. Die Welt ist voll davon. Kindergarten und Schule sind da keine Ausnahmen. Irgendwo müssen die Idioten von morgen ja herkommen.
Meistens kann man nicht einmal den Eltern einen Vorwurf machen. Ich kenne sehr nette Mamas, deren Kinder für ihr Alter schon recht stattliche Unsympathen sind.

Ich kann meinen Söhnen schlecht vorschreiben, mit wem sie sich treffen. Aber es ist durchaus schon passiert, dass ich Anrufe eher ungeliebter Zeitgenossen, die sich mit unseren Kids verabreden wollten, glatt „vergessen“ habe. Sehen wir es einfach positiv: Kindergarten- und Schulzeit sind ein prima Training für all die Spinner, die den Kindern auf dem späteren Lebensweg noch über den Weg laufen werden. ;-)

(*Name geändert)

 

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