Sandra Schindler
 
Rassismus in alten Kinderbüchern

Wenn meine Kinder alt genug sind, werden sie oder ich auf diese Dinge sicher wieder zu sprechen kommen, aber auf eine sachliche Weise. Momentan stimme ich mit dem überein, was gerade jemand zu mir gesagt hat: So viele Menschen machen sich zu Sklaven der Political Correctness.

Blog Sandra Schindler Rassismus in Kinderbüchern
Sandra Schindler

Die Schätze der Kindheit
Habt ihr die Lieblingsbücher eurer Kindheit aufgehoben? Ich zähle zu den Menschen, die grundsätzlich keine Erinnerungen (in Form von großen Gegenständen) horten, aber bei Kinderbüchern habe ich eine Ausnahme gemacht. Astrid Lindgren, Agatha Christie (ja, ihre Krimis standen damals in der Kinderabteilung unserer Bücherei), Thomas Brezina oder Enid Blyton, ich hab sie alle noch.

Neulich hab ich nach all den Jahren „Geheimnis um ein verborgenes Zimmer“ gelesen. Auf Deutsch – aus Gewohnheit. Ich weiß, dass viele von Enids Büchern neu übersetzt wurden, u. a. meine geliebte Geheimnis-um-Serie. Mein neophobes Hirn könnte sich so schnell nicht an die Änderungen gewöhnen. Selbst die Eigennamen wurden geändert. Meiner Meinung nach verliert die Geschichte dadurch. Der nervige Dorfpolizist Herr Grimm wird für mich immer „Wegda“ heißen, weil er die sechs Spürnasen nie um sich haben und sie immer mit einem „Weg da!“ verscheuchen will.

Alles anders als früher
In der Neuübersetzung heißt er nun Mr. Goon alias „Clear Orf“. Ja, das ist näher am Original, aber welches deutsche Kind versteht das? 
Gleiches gilt z. B. für mein Lieblingskind, der in meinem alten Buch Dietrich Ingbert Carl Kronstein heißt. Und sein Spitzname lautet Dicki, nicht nur aufgrund seiner Initialen, sondern auch, weil er eben gerne ein wenig mehr isst. Auch da hat man sich in der Übersetzung nun mehr am Original orientiert und dadurch viel an Bedeutung verloren (für das deutsche Zielpublikum zumindest). Dicki heißt jetzt Fatty – und das steht für Frederick Algernon Trotteville. Was sagt das einem deutschen Kind? Selbst der süße Purzel hat seinen schönen Namen verloren und heißt jetzt Scotty. Was aus den anderen wurde, könnt ihr übrigens hier nachlesen.

Dass man den Ortsnamen geändert hat, finde ich ebenfalls schade. Die Kinder wohnen jetzt in Peterswood (wie im Original) statt Peterswalde, worunter sich jedes deutsche Kind etwas vorstellen konnte.

Schwierig: Alte Ansichten und Wörter bei Kindern von heute
Trotzdem dachte ich beim Lesen der alten Übersetzung einige Male: „Autsch.“

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