Eine ganz normale Mama
 
„Die Blinklichtschuhe kommen nicht in die Tüte“: Stolpersteine beim Schuhkauf mit Kindern

Die Jacke habe ich schon gleich mal ausgezogen und auf den Hocker gelegt. Denn das hier wird noch etwas länger dauern. Die Kinder brauchen neue Schuhe …

Kinderfüße
Nathalie Klüver

Wieder mal sind die Füße über Nacht gewachsen. Die Einjährige ist schnell versorgt. Schuhe gemessen, angezogen, passen. Fertig. Sie zieht ja auch noch an, was Mama ihr hinstellt. Möglichst weiche, biegsame Sohle, perfekte Passform und dezent schlicht, wie es mir gefällt. Schuhpaar Nummer eins abgehakt. Aber jetzt geht es ja erst so richtig los. Ich sag’ euch: Genießt es, solange eure Kinder sich noch brav das anziehen, was ihr ihnen herauslegt!

Denn ein Fünfjähriger und ein Siebenjähriger haben nun mal ihren eigenen Kopf und eine ganz eigene Vorstellung davon, wie die richtigen Schuhe aussehen müssen. Was leider nicht ganz meinem Geschmack entspricht. Und leider auch nicht immer dem, was hochwertige, kindgerechte Schuhe ausmacht.

Der Fünfjährige steht vor den Schuhen mit den Blinklichtern in der Sohle. Dass sie weder vom Material noch von der Passform her dem entsprechen, was ich mir so vorstelle, ist ihm herzlich egal. Alle im Kindergarten haben solche Schuhe. Alle heißt in diesem Fall: ein bis zwei Kinder. Ich greife eine Regalreihe tiefer und hole schlichtere Lederschuhe hervor. Gedecktere Farbe, zu allem passend und aus hochwertigen Materialien. Das flehende Lächeln meines Sohnes weicht einem immer grimmigeren Blick. Ich ziehe schnell ein anderes Paar Schuhe aus dem Regal, etwas bunter, aber allemal besser als grelle, blinkende Plastikschuhe. Bevor er den Laden zusammenschreit, kommt der große Bruder und macht die Sache nicht unbedingt besser: Denn er möchte Schuhe mit Rollen drunter. Haben alle in seiner Klasse. Schon klar. Alle heißt in diesem Fall dasselbe wie bei seinem Bruder. Die sind so cool. Findet er. Ich eher nicht.
 

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Nathalie Klüver

Was für ein Glück, dass es nette Schuhverkäuferinnen gibt, die die Lage entschärfen. „Wir haben hier aber keine Schuhe mit Blinklicht oder Rollen“, sagt sie. „Die gibt es gar nicht mehr in eurer Größe“, füge ich hinzu. Ist gar nicht mal gelogen. Denn meine Jungs haben beide schmale Füße und  die Objekte der Begierde gäbe es nicht in ihrer Passform. Aufatmen! Klippe umschifft.

Doch leider ist damit noch kein Paar Schuhe gekauft. Denn der eine will auf einmal Sandalen haben, ungeachtet der Tatsache, dass es in unseren Breitengraden nun mal nicht jeden Tag Sandalenwetter gibt. „Aber wir wollten doch Sommerschuhe kaufen“, ist sein gar nicht mal so uncleveres Argument. „Schuhe ist das Zauberwort“ entgegne ich. Der anderer zieht zielsicher die teuersten Schuhe des ganzen Schuhladens aus dem Regal, den Ferrari sozusagen, dazu noch aus eher unpraktischem nicht wirklich pflegeleichtem Material. Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn die Schuhe, die doppelt so teuer sind wie meine eigenen, schlammbedeckt aus einer Pfütze ziehen.

Es war gut, dass ich meine Jacke ausgezogen hatte. Sonst wäre ich ganz schön ins Schwitzen gekommen. Nach fast einer Stunde ziehen wir endlich weiter, drei Paar Schuhe im Gepäck. Am Ende hat sie doch das Probelaufen überzeugt. Bequeme Schuhe, mit denen man herumflitzen kann und auch mal in eine Pfütze darf, sind halt doch cooler. Glück gehabt!