Eine ganz normale Mama
 
So unterschiedlich können Geschwister sein

Es ist schon spannend, diese Sache mit den Genen und den schier unendlichen Kombinationen. Ein und dieselben Eltern und trotzdem sind Geschwister manchmal so unterschiedlich. Nicht nur optisch, sondern auch in ihrer ganzen Art.

Nathalie Klüver

So wie meine beiden Jungs, die mich immer wieder überraschen und sich mit all ihren Gegensätzen so wunderbar ergänzen.

Dank 3-D-Ultraschall können Eltern ja heutzutage schon etwas mehr von ihrem Baby erkennen als mit dem herkömmlichen Schwarzweiß-ich-rate-mal Ultraschallbildern. Aber bei der Geburt ist es (glücklicherweise) immer noch eine riesige Überraschung, wie das Kind denn nun aussieht. Welche Haarfarbe wird es haben? Welche Augen? Und vor allem: Wie wird es werden, wenn es größer wird? Wird die Nase so wachsen wie die vom Papa? Oder die Augen so dunkel wie von der Mama?

Wie die Kinder werden, lässt sich vor der Geburt nicht vorhersagen

Mein großer Sohn  kam vor fünf Jahren mit einer riesigen Überraschung auf die Welt: mit roten Haaren! Die genetisch unwahrscheinlichste Kombination. Und man konnte es sogar pefekt durchmendeln (erinnert Ihr Euch noch an Euren Biounterricht?), denn die rezessiven Gene für die roten Haare lagen sowohl bei mir Brünette als auch bei meinem dunkelhaarigen Mann vor. Zu den roten Haaren gesellen sich braune Augen, was noch mal wieder unwahrscheinlicher und seltener ist. Bei seinem kleinen Bruder waren wir also auf alles gefasst. Aber wie Kinder werden, lässt sich vor der Geburt nicht vorhersehen. Die Haare des Kleinen entsprechen aber vollkommen der Wahrscheinlichkeit: dunkelbraun.
Der eine ist eher zierlich und klein, eher ruhiger Natur und interessiert sich für Musik und Schachspielen, der andere ist eher robuster (wobei man das ja erst sagen kann, wenn der Babyspeck weggeht), hat Wuschellocken und einen echten Dickkopf. Seine Leidenschaft: Bagger, Laster, alles, was laut ist.

Während der Große mit wenigen Monaten verlässlich durchschlief, sieht der Kleine sowas gar nicht ein und hält mich immer noch auch nachts gut auf Trab. Das ist typisch, da freut man sich beim zweiten Kind die ganze Zeit auf den Moment, wo es endlich durschläft und das Kind macht einem ne lange Nase und sagt: "Ätschibätschi, andere genetische Zusammenstellung! Kannst lange warten, Mama!"
Dasselbe mit den Wutanfällen. Klar, kannten wir den Wutzwerg auch von meinem Großen. Aber der Wutzwerg kam dann doch nicht allzu häufig zu Besuch und ließ sich meistens auch schnell wieder vertreiben. Der Kleine hingegen scheint die Besuche seines Wutzwerges sehr zu mögen, anders kann ich es mir nicht erklären, dass der Wutzwerg so oft kommt und vor allem so lange bleibt. Jedes Kind ist anders - und wenn man glaubt, man kennt beim zweiten Kind scho alles, dann muss man sich auf so einige Überraschungen gefasst machen!

Wieso sind Geschwister oft so unterschiedlich?

Es ist einfach superspannend zu sehen, wie Geschwister groß werden – und wie unterschiedlich sie sein können. Jeden Tag überraschen sie einen mit etwas Neuem. Und ich frage mich: Wie werden sie sich weiterentwickeln? Werden sie so unterschiedlich bleiben? Oder doch ganz ähnlich sein, wenn sie in die Pubertät kommen? Was für Männer werden sie einmal sein? Und auch das ist total spannend: Wie werden die ersten Freundinnen sein, mit denen sie nach Hause kommen? Auch total unterschiedlich? Und dann wiederum die Enkelkinder?!

Was ich bei allen Unterschiedlichkeiten zwischen meinen Kindern hoffe: Dass sie nicht nur Brüder, sondern auch Freunde werden. So wie jetzt. Bei allen Geschwisterstreitereien und Eifersüchteleien, wenn es drauf ankommt, dann halten sie zusammen. Dann können sie schön miteinander spielen (meistens dann, wenn es abends ins Bett gehen soll oder morgens in den Kindergarten). Oder schauen sich an und fangen auf Befehl an zu lachen – weil es gerade ein Kinder-Insiderwitz war, den wir Erwachsenen nicht verstehen. Oder dann liegen sie abends kuschelnd im Bett oder halten Händchen, wenn sie durch die Stadt laufen. Da geht Mamas Herz auf.
Wie ist es bei Euch? Sind Eure Kinder auch so unterschiedlich? Haben Sie Euch mit etwas überrascht? Gibt es beim zweiten Kind etwas, was Ihr vom Großen gar nicht kanntet?

Eine ganz normale Mama