Eine ganz normale Mama
 
Teilzeit für beide Eltern: Warum das Modell stärker unterstützt werden sollte

Ich gebe es zu: Es gibt eine Sache, die mich immer wieder ärgert. Die Tatsache, dass ich als Mutter immer wieder damit konfrontiert werde, dass ich doch bitte Vollzeit arbeiten soll. Wegen der Rentenlücke. Wegen der Gleichberechtigung. Damit ich mich als Frau nicht schlechter stelle als der Partner.

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Nathalie Klüver

Und natürlich stimmt es ja – wenn wir Teilzeit arbeiten wegen der Kinder, dann büßen wir in der Regel Rentenpunkte ein. Dann verdienen wir weniger. Dann ist es leider auch in vielen, ach Quatsch, wohl den meisten Fällen so, dass der Großteil der Hausarbeit damit auch an den Frauen hängen bleibt. Weil man ja eh nachmittags zuhause ist. Da kommt dann wieder das „sie hält dem Mann den Rücken frei“ ins Spiel. Und schwupps geht es zurück in alte Rollenmodelle, die man ja eigentlich hinter sich lassen wollte. Aber eines stört mich: Dass aus diesen unbestritten richtigen Punkten die Forderung resultiert, als Mutter solle man doch bitte Vollzeit arbeiten. Um gleichberechtigt zu sein. Was aber – wenn man es nicht will?! Ich möchte meine Kinder nun mal nicht acht Stunden in der Betreuung haben! Es ist ja auch ein emotionales Ding! Ich möchte mit ihnen Zeit verbringen, bevor sie so groß sind, dass sie nicht mehr mit mir Zeit verbringen wollen! Viel zu selten wird ein anderer Lösungsansatz diskutiert: dass beide Eltern reduzieren und Teilzeit arbeiten. Das ist ein Ansatz, der viel stärker gefördert werden müsste. Stattdessen wird durch das Ehegattensplitting das Gegenteil gefördert, nämlich, als Frau  deutlich weniger als der Mann zu verdienen. 

Dabei ist es ja eigentlich der logischte Weg: Beide Elternteile reduzieren, damit beide mehr Zeit für die Kinder zu haben. Und so auch die Zeit, sich den Haushalt zu gleichen Stücken aufzuteilen. Ich frage mich immer wieder, wieso im Kreißsaal alle guten Vorsätze aufgegeben werden und Paare auf einmal in alte Rollenbilder zurückgeworfen werden. Das es so ist, ist nicht nur ein vages Gefühl, nein, es gibt handfeste Statistiken dazu. Ein Report des Familienministeriums fand folgendes heraus: 60 Prozent der Paare wollen zu gleichen Teilen arbeiten gehen und das Kind versorgen. Sagen sie vor der Geburt des ersten Kindes. Am Ende gelingt es ganzen 14 (!) Prozent der Eltern, Arbeit und Kindererziehung hälftig zu teilen.

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