Die Rabenmutti
 
Tränen und Verzweiflung: Warum ich an bindungsorientierte Erziehung festhalte

„Warum hältst du so sehr an bindungsorientierte Erziehung fest, wenn sie dich so fertig macht?“, „Ich finde eure Erziehung bescheuert!“, „Vielleicht wären ein paar mehr Konsequenzen oder Strafen doch besser, vielleicht braucht sie das?“.

Die Rabenmutti, Erziehung
iStock, Wavebreakmedia

In den sozialen Netzwerken und auch auf dem Blog „beschwere“ ich mich darüber, wie unglaublich schwer mir alles fällt. Wie beschwerlich dieser Weg für mich ist. Wie sehr ich manchmal drohe daran zu zerbrechen. Ich beschreibe meine Tage voll Verzweiflung und Wut. Zeige auf Instagram Bilder von glasigen, erschöpften Augen. Es gibt so viele Leser, die nicht verstehen können, warum ich am Bindungsorientierten Weg festhalte – mich quasi festkralle. Kurz: Ich mache es, damit meine Tochter eine bessere Kindheit hat, als ich.

Wer ist hier der Boss?

Um das zu erklären, muss ich jetzt ausholen. Wir gehen einige Jahre zurück – in meine eigene Kindheit. Ich bin mit  Drohungen, Zwang, Strafen, Schlägen und Tritten groß geworden. Dadurch habe ich tief verankerteGlaubenssätze, die mich einfach glauben lassen, dass es richtig und wichtig ist, Kinder Macht spüren zu lassen. Dass Kinder spüren, wer hier der Boss ist, dass Kinder spüren, dass sie jederzeit unterdrückt und übergangen werden können.

Sie sind ein Spielball der Erwachsenen. Diese Art der Erziehung beruht einfach auf einem Machtgefüge, bei dem die Eltern am längeren Hebel sitzen. Diese ganze Unterdrückung möchte ich nicht für mein Kind. Ich habe unter meiner eigenen Kindheit sehr gelitten. Ich möchte nicht, dass sie auch nur ansatzweise so  sehr leidet, sich so hilflos und ausgeliefert fühlt, wie ich.

Liebende Eltern wollen nur das Beste

Natürlich möchten liebende Eltern per se erstmal nicht, dass ihr Kind leidet oder Gewalt erfährt. Allerdings definiere ich Gewalt ganz anders, als befreundete Elternpaare. Nehmen wir das Beispiel „ins Zimmer schicken“. Ja es gab Situationen, in denen auch ich schon mein Kind ins Zimmer geschickt habe, weil ich nicht mehr konnte. Das habe ich im Anschluss auch erklärt und mich entschuldigt. Ich finde diese Maßnahme aber nicht gut.

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