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Überlebenstipps für Mütter mit sehr aktiven Kindern

Im Internet muss man ja immer aufpassen, was man wie über sein Kind sagt. Denn irgendwann kann er lesen. Und dann soll er nicht über sich selbst denken, irgendetwas wäre nicht in Ordnung gewesen mit ihm. Als Baby. Als Kleinkind. Trotzdem bekomme ich immer wieder Nachrichten von Müttern, die ähnlich aktive Kinder haben wie ich.

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Denen es hilft, zu wissen, dass ihr Kind nicht das einzige seiner Art ist. Dass mit ihren Gefühlen als Mama alles in Ordnung ist. Und zu hören, mit welchen Tricks andere Mütter die erste Zeit mit Baby und aktivem Kleinkind überlebt haben.

Hilfe, mein Kind ist aktiver als andere

High Need Kind?

Aber was ist damit eigentlich gemeint, mit einem sehr aktiven oder sehr anstrengenden Kind? Wie merke ich den Unterschied zu anderen? Mit dem Begriff "High Need Baby" gibt es mittlerweile eine Skala für anstrengend. High Need ist der Versuch, etwas sehr subjektives irgendwie messbar zu machen. Grundsätzlich hilft das aber nicht direkt im Alltag mit dem Kind, sondern nur dabei, Außenstehenden verständlich zu machen, dass nicht für jedes Kind dieselben Maßstäbe gelten. Dass es Kinder gibt, die fordernder sind als andere.

Hochaktives Kind!

Aber als High Need Kind würde ich meinen Sohn nicht bezeichnen. Denn es geht gar nicht so sehr um das fordern von Aufmerksamkeit oder körperlicher Nähe per se. Auch das hat mein Baby phasenweise getan, natürlich, wie jedes Baby. So sind Babys eben, manche mehr als andere. Wofür es aber keinen semi-wissenschaftlichen Begriff gibt, ist das Aktivitätslevel der Kleinsten. Wer selbst so einen außergewöhnlich aktiven Wirbelwind hat, wird wissen, was ich meine. Für alle anderen ist es vielleicht schwer zu verstehen und ich möchte mal versuchen, es in Worte zu fassen.

Mein Kind, darauf wurden wir erst heute wieder angesprochen, hat viel Energie. Wahnsinnig viel Energie und Lebensfreude. Neugier. Und kaum Furcht oder Berührungsangst. Er möchte alles auf dieser Welt erkunden und erfahren und das in einer Geschwindigkeit, der sich schwer Schritt halten lässt. Als einzelnes Paar oder gar alleine als Mutter. Als kleines Baby war er fast immer unzufrieden, wenn sich nichts bewegt hat. Er wollte sehen, erfahren, begreifen. Stilliegen und an die Decke starren war eher nicht so sein Ding. Sobald wie irgendwie möglich, er war keine sechs Monate alt, krabbelte er los. Vier Monate später lief er. Noch bevor er die körperlichen Fähigkeiten dafür wirklich beherrschte. Hauptsache los. Hauptsache kein Stillstand. Niemals Stillstand.

Und ab da gab es kein Halten mehr. Denn Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis seiner Eltern oder die sozialen Konventionen unserer Gesellschaft hatte er in diesem Alter keines. Er kannte nur eins: Den Entdeckungstrieb. Den Bewegungsdrang. Er wollte laufen, klettern, toben, spielen, hauen, werfen und kaputt machen. In diesem Aktiv-Modus nimmt er die Menschen in seiner Umwelt oft gar nicht wahr. Hört unser Rufen nicht, beachtet vorübergehende Menschen nicht. Sieht das Auto auf der Straße nicht oder die Kante des Tisches, auf die er zuläuft.

Wir haben unser Kind nicht unter Kontrolle!

Ich glaube, für Außenstehende macht es manchmal den Anschein, dass wir unser Kind "nicht im Griff haben". Das trifft sicherlich den Nagel auf den Kopf. Der zweite mögliche Schluss für Außenstehende ist wahrscheinlich, dass wir vielleicht einfach zu faul seien, ihn richtig zu erziehen oder aufzupassen. Das ist ein Trugschluss. Denn wir haben weiß Gott so einiges versucht. Immer mal wieder, in verschiedenen Altersstufen. Aber bei so einer Geschwindigkeit mit erzieherischen Maßnahmen zu begleiten würde einer Kindesmisshandlung gleichkommen. Alles, was wir je an strengen, bestrafenden oder reglementierenden Maßnahmen ergriffen haben, ist entweder einfach an ihm abgeprallt (weil er es nicht hörte oder verstand) oder führte zu enormem Dauerstress für alle Beteiligten - ohne dass sich etwas geändert hätte.

Unser Kind ist, wie er ist. Er lässt sich nicht mit Druck zurechtbiegen. Seine Energie und Lebensfreude lassen sich nicht unterdrücken.

Unser Kind ist gut, wie er ist!

Doch je älter er wird, desto mehr versteht er. Und desto mehr passt er sich an. Freiwillig. Weil ich ihn darum bitte oder weil wir es ihm vorleben. Je weiter er sich kognitiv entwickelt, desto besser kann er diesen wahnsinnigen Drang nach Bewegung, Entdeckung, Erleben, uns zuliebe kontrollieren. Sich dem anpassen, was Außenstehende von ihm erwarten. Denn das will er eigentlich. Richtig sein. Sich gut benehmen.
Im Juli wird mein Sohn drei Jahre alt. Das Leben mit ihm ist sicherlich immer noch anstrengender, als mit anderen Dreijährigen. Weil er wenig schläft und oft überdreht ist.

Aber ich als seine Mama weiß, dass wir ihn niemals anders haben möchten!

Denn mit all dieser Energie kommt auch all diese Lebensfreude, mit der er uns jeden Tag von früh bis spät unterhält. Wenn ich mal ein paar Stunden ohne mein Kind bin, vermisse ich sein Lachen, sein Herumrennen, seine Fragen und seine Kuscheleinheiten. Alles an ihm. Naja, vielleicht alles außer das Aufstehen um 5.00 Uhr.
All seine Eigenheiten, die hohe Aktivität eingeschlossen, ist das, was ihn ausmacht. Und ich sehe jeden Tag, wie er sich Mühe gibt, damit umgehen zu lernen. Wie er jeden Tag ein Stückchen größer wird und das Zusammenleben mit ihm ein wenig ruhiger.

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Du hast auch so ein Kind?

Und mir hilft es auch, dass mir immer wieder Mütter schreiben, denen es ähnlich geht. Die verstehen, dass manche Kleinkinder einfach so sind. Und dass es okay ist.
Du hast auch so einen kleinen Wirbelwind? Und manchmal - vielleicht auch ein wenig öfter - reicht Deine Geduld einfach nicht? Deine Energie, um Schritt zu halten? Manchmal nervt Dich Dein Kind einfach und Du fragst Dich, warum es nicht so ruhig sitzen und sich benehmen kann, wie die Kinder Deiner Freunde? Bist Du manchmal neidisch, ohne es zu wollen? Wütend? Frustriert?

Dann lass Dir von mir sagen: Das ist völlig normal! 

Jedem würde es so gehen in Deiner Situation! Was Du jeden Tag leistest ist verdammt anstrengend, auch wenn es bei anderen Müttern ganz einfach zu sein scheint. Abgesehen davon, dass deren Leben wahrscheinlich auch anstrengend ist, haben sie nicht Dein Kind. Jedes Kind ist anders und alle Eltern stehen vor bestimmten Herausforderungen. Das Kind der Nachbarn, das vielleicht so einfach wirkt, ist vielleicht total ängstlich und die Eltern machen sich darüber viele Sorgen. Oder es hat einen Wutanfall nach dem nächsten. Wer kann das von außen schon beurteilen. Dein Kind ist eben sehr aktiv. Dafür kann Dein Kind nichts, Du aber auch nicht. Daran wirst Du auch nichts ändern und je mehr Druck Du erzeugst, desto mehr Gegendruck wird kommen. Desto schwieriger wird die Situation für euch alle.

Setz die liebevolle Brille auf

Anstatt Dein Kind verbiegen zu wollen, sieh genau hin. Nicht auf andere Kinder, nicht auf die Erwartungen Deiner Umgebung. Sieh Dir nur Dein Kind an. Gibt es nicht so viele Situationen, Tag für Tag, in denen es sich große Mühe gibt? Regeln, die es gelernt hat zu befolgen? Vergiss nicht, dass er / sie noch so klein ist! Kinder in diesem Alter haben nicht dieselbe Impulskontrolle wie ein Erwachsener. Vor allem, wenn sie müde sind, fällt es immer schwerer, diesen Drang nach Bewegung zu kontrollieren.
Vielleicht hast Du etwas schon gefühlte 1000 Mal gesagt, aber beim Anblick eines Vogels, den es zu jagen gilt, werden diese Worte einfach überlagert von dem starken Wunsch, dem Impuls, das zu tun. Das ist keine Absicht. So sind Kinder. Nur Deines hat ein Vielfaches an Impulsen im Gegensatz zu dem eines weniger aktiven Kindes. Je größer er / sie wird, desto besser wird die Impulskontrolle klappen. Begleite Dein Kind in diesem Lernprozess, statt es unter Druck zu setzen und ihm das Gefühl zu geben, dass es eh alles falsch macht.

Deine Wut ist okay

Und versteh mich nicht falsch, obwohl ich mir darin große Mühe gebe, bin auch ich so oft mit den Nerven am Ende. Bin unfair, bedürfnisunorientiert und aggressiv. Wütend. Dann brauche ich Hilfe. Denn das gilt für alle Babys und Kinder: Es braucht sprichwörtlich ein ganzes Dorf, um sie zu erziehen, nicht eine einzelne Frau! Für eine Mutter ist das einfach zu viel. Mit einem solchen Wirbelwind erst Recht.
Wie sollst Du denn ruhig und pädagogisch korrekt bleiben, wenn Du keinen Moment hast, um zu verschnaufen? Zumal Du in einer Gesellschaft lebst, in der schon von kleinen Kindern ganz Unleistbares erwartet wird: Dass sie sich an die Welt der Erwachsenen anpassen. Dass sie hören, wenn Du etwas sagst, ich würde es fast "gehorchen" nennen. Dass sie nicht herumlaufen, nicht laut sind, niemals weinen und gute Tischmanieren haben. Uns fällt schon gar nicht mehr auf, wie paradox es eigentlich ist, dass ein 50-jähriger nicht die Bedürfnisse eines 2-jährigen verstehen kann, der 2-jährige aber auf den 50-jährigen Rücksicht nehmen soll. Und auch das sollst Du als Mutter alles auffangen? Vielleicht sollst Du nebenbei auch noch arbeiten gehen oder ein komplettes Haus staubfrei halten? Ja? Warum kümmerst Du Dich nicht gleich in Deiner Freizeit noch um den Weltfrieden?

Wut ist ein Gefühl, das aufkommt, wenn man sich ungerecht behandelt und überfordert fühlt. Es ist ein Alarmsignal an uns selbst und andere. Dass wir uns wehren müssen, dass wir uns selbst schützen müssen. Leider bekommt die Wut dann häufig das Kind ab. Dabei ist es nicht unser Kind, das für die überzogenen Erwartungen an uns als Mütter oder Väter verantwortlich ist. Es ist unsere Gesellschaft. Oder wir selbst.

Es wird besser - und bis dahin zählt nur das Überleben

Dass Dir als Mutter nicht immer die Sonne aus dem Hintern scheint, ist also völlig verständlich. Wenn Dir das nicht hilft, dann vielleicht das gute alte "Es wird besser!". Denn ja, es wird wirklich besser. Bei uns wurde es schlagartig besser mit etwa 14 Monaten und dann noch einmal mit zwei Jahren. Und bis dahin heißt es einfach überleben. Uns ist das gelungen mit verschiedenen Tricks und Kniffen. Ab einem gewissen Müdigkeits- und Anspannungsgrad heiligt für mich der Zweck nämlich sehr wohl die Mittel. Dann pfeiffe ich auf sämtliche Erziehungs- und Ernährungsweisheiten und ob aus meinem Kind später ein erfolgreicher Akademiker wird.

Deshalb probier einfach aus, was funktioniert, und nutze es, solange bis es nicht mehr funktioniert. Das Kind ist ruhig, wenn es im Kinderwagen oder in der Trage ein Quetschie in die Hand gedrückt bekommt? Wunderbar? Du kannst Deinem Baby nur die Nägel schneiden, wenn es auf dem Tablet ein Video schaut? Na, hauptsache es fließt kein Blut! Bei uns gab es alles, von Ablenkung über Bestechung mit Essen war alles dabei. Erziehungsratgeber würden sicherlich die Augen rollen aber hey, wir haben überlebt!

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Meine 10 Tipps zum Überleben mit aktivem Kind

#1 Akzeptiere Dein Kind, wie es ist. Bewegung, Aktivität und Neugier sind etwas Wundervolles. In wenigen Jahren wirst Du Dir genau das händeringend wünschen, wenn Dein Kind sich vor allem für Fernseher, Playstation und das Smartphone interessiert. Bewegung an der frischen Luft ist gesund, auch für Dich. Deinem Kind das Gefühl zu geben, dass es falsch ist, wie es ist, wird niemandem weiterhelfen. Alleine diese Akzeptanz wird euch im Alltag weiterhelfen.

#2 Schaffe sichere Bewegungsmöglichkeiten. Es gibt sie überall, die Orte, an denen wilde Kinder wild sein dürfen. Im Krabbelalter kann das eine weitläufige Wiese im Park sein oder ein kindersicheres Spielcafe. Oder einfach das zu Hause, das Du zu einer geeigneten Umgebung umgestaltet hast. Gib Deinem Kind Zeit, sich auszuleben. Zu erkunden.

# 3 Pfeiffe auf Erwartungen. Mach Dich frei von dem, was Deine Uroma sagen würde oder was die Nachbarn denken. Umgib Dich mit Menschen, die Verständnis für Dich und Dein Kind haben.

# 4 Finger weg von Zucker. Zucker ist reine, schnell verfügbare Energie. Viele Kinder macht Zucker deshalb sehr aktiv. Unseren zum Beispiel. Vermeide deshalb zuckerhaltige Lebensmittel, auch zu viel Obst oder anderen natürlichen Zucker vor Zeiträumen, in denen Dein Kind sich still halten soll.

# 5 Nutze eine Babytrage. Auch im Kleinkindalter wird unser Sohn noch täglich getragen. Das hilft ihm, herunterzukommen und uns hilft es, ein paar ruhige Minuten ohne Kind an der Hand zu haben.

# 6 Gib Deinem Kind etwas zu essen. Wenn mein Sohn stillsitzen muss, egal ob im Zug oder im Restaurant, hilft Essen immer weiter. Und ja, theoretisch könnte Dein Kind hier irgendwie komisch geprägt werden. Wird es durch alle Alternativen aber vielleicht auch.

# 7 Nimm Beschäftigungsmöglichkeiten mit. Sobald Dein Kind sich für Spielzeug interessiert, kannst Du immer einen kleinen Beutel mit kleinen Spielsachen dabei haben. Idealerweise etwas, was er / sie zu Hause nicht hat.

# 8 Finde Orte mit Spielmöglichkeiten. Wenn Du Dich mit Freunden triffst, tu dies an Orten, die für Dich passen. Kindercafés, Spielplätze, bei jemandem zu Hause. Achte darauf, dass es eine Möglichkeit gibt, den Ort einzugrenzen. Eine Mauer oder einen Zaun zum Beispiel.

# 9 SOS-Tipp Medien. Wenn nichts mehr hilft, dann hilft das Smartphone. Bei uns gab es die ersten 3 Jahre nicht viel Medien für unser Kind. In Situationen, in denen es nicht anders ging, durfte er aber auch die Sendung mit der Maus schauen. Das wirkt bei unserem Kind wie ein Aus-Knopf.

# 10 Sorge für ausreichend Schlaf. Sowohl bei Deinem Kind, als auch bei Dir. Kinder können sich im müden Zustand noch schlechter regulieren und ihren Bewegungsdrang kontrollieren. Und Erwachsene werden in der Regel schneller gestresst und wütend, wenn sie müde sind.
 

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