Im Augenblick
 
Und bald sind wir zu viert.

Es ist Sonntagmorgen, der 18. November 2018. Ich wache auf, weil sich schätzungsweise 12 Kilo langsam über mein Gesicht wälzen. Freja versucht trotz ihres Schlafsackes über mich drüber zu klettern um in die Wange ihres Vaters zu kneifen, das Licht anzuschalten und vehement zu fordern „Papa, aufstehen“.

Noch ein Baby, Schwanger, Vier
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Ich kneife die Augen zusammen als meine Tochter schonungslos den Lichtschalter betätigt und vergnügt sagt „Jetzt ist es hell, jetzt können wir aufstehen“.

Draußen dämmert es grade, es ist dieser Moment zwischen Nacht und Tag, zwischen dunkel und hell, der Moment an dem die Welt sich bereit zu machen scheint für einen kleinen Neubeginn. Wir liegen noch eine Weile da, zu dritt, so wie wir es immer tun. Wir kuscheln, Freja zieht abwechselnd an meinem Zopf und hüpft auf Franz‘ Brust auf und ab. Sie sagt mit erhobenem Zeigefinger zu mir: „Mama, DU bleibst liegen“, und betont dabei das „du“. „ICH gehe mit Papa Brötchen holen. Wir sind gleich wieder da. Dann wecke ich dich“. „Wenn du das sagst …“, antworte ich schmunzelnd, sinke zurück in die Decke und genieße noch einmal die Wärme meines Mannes der mich mit seinen Armen komplett zu umschließen scheint.

Ich muss noch einmal eingeschlafen sein, denn als ich wieder aufwache bin ich alleine. Alleine und mir ist übel. Es ist hell geworden. Reglos liege ich im Bett, die Knie an die Brust gezogen und frage mich „Kann das sein? Kann das ernsthaft sein?“. Schon am Vortag war mir oft schwindelig gewesen, beim Aufstehen meist schwarz vor Augen. Ich kenne das. Ich kenne die Anzeichen. Bin ich etwa schwanger? Genau drei Wochen zuvor hatten Franz und ich entschieden, die Pille abzusetzen. Ja, ich kann theoretisch schwanger sein, auch bei Freja hat es damals direkt im ersten Zyklus geklappt, Franz beschrieb es immer recht treffend mit einem Grinsen: „Der erste Schuss ein Treffer“. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass auch der zweite erste Schuss ein Treffer ist? Ich spüre in meinen Körper hinein. In meinem Bauch fühlt es sich warm an, fast schon heiß. Als würde dort tatsächlich etwas entstehen. „Jetzt bist du komplett verrückt“, sage ich zu mir selbst. Nur das flaue Gefühl im Magen, kann ich nicht leugnen. Als ich aufstehe muss ich mich kurz am Bettpfosten festhalten. Mir ist schwarz vor Augen.

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