Lächeln und winken
 
Warum es so toll ist, dass wir unseren Kindern „nebenbei“ beibringen, was normal ist.

Manche „Aha“-Momente hat man in den ulkigsten Situationen – wie Anke von LÄCHELN UND WINKEN. Sie begriff die Tragweite der Vorbildfunktion erst, als sie sich mal wieder unter der Dusche die Beine rasierte und merkte, dass die Kinder ihre Angewohnheit als völlig normal für erwachsene Frauen erachten.

Lächeln und winken: Warum es so toll ist, dass wir unseren Kindern „nebenbei“ beibringen, was normal ist.

Ich hab da so einen Tick: Ich rasiere mir jeden Tag unter der Dusche die Beine. Schon seit locker 25 Jahren. Natürlich muss das nicht sein, schon gar nicht im Winter. Und gut für die Haut ist es sicher auch nicht. Dennoch mache ich es, weil ICH mich dann wohler fühle ... und mich schlicht daran gewöhnt habe, es zu tun. Ich denke da überhaupt nicht mehr drüber nach. Es ist normal für mich, ganz unabhängig davon, wie andere das handhaben oder bewerten. Und weil es für mich normal ist, ist es das auch für meine Kinder, denn sie haben mir schon tausend Mal dabei zugesehen. DAS wurde mir letztens ganz plötzlich wie ein Gongschlag direkt ins Gehirn bewusst, als ich den gelangweilten Blick meines Söhnchens an meinen frisch rasierten, noch nassen Beinen kleben sah und mir auffiel, dass nicht mal die große Tochter es bisher für nötig befunden hatte, mich mal zu fragen, was ich da mache und warum. Für beide ist es ein normales Verhalten von erwachsenen Frauen, einfach deshalb, weil ICH es so mache.

Unser normal wird auch ihr normal.

Ja, das ist ein etwas albernes Beispiel dafür, dass mir die Tragweite unserer Vorbildfunktion endlich mal so richtig bewusst wurde ... aber man kann sich seine Aha-Momente halt nicht aussuchen. ;) Viel wichtiger ist aber ja auch, was ihnen folgt. In diesem Fall nämlich die Erkenntnis, dass wir – wenn auch vielleicht nicht ewig lange – die „Macht“ haben, unseren Kindern ein Verständnis davon zu vermitteln, was normal mal ist, ohne groß etwas dafür zu tun oder uns pädagogisch zu verausgaben. Das ist absolut nicht neu, aber irgendwie habe ich mir vor diesem Moment im Badezimmer nie die Zeit dafür genommen, diese Chance, diese Möglichkeit einmal komplett zu erfassen. Fakt ist, dass wir unseren Kindern Gewissheiten, ein Empfinden für „normal“, ja, sogar für richtig und falsch einpflanzen können, nur indem wir es vorleben ... ohne große Erklärungen und Hintergrund-Informationen! Das ist fantastisch!!! Und auch ein klitzekleines bisschen beängstigend, denn schließlich funktioniert diese wunderbar un-anstrengende Technik des Spiegelns in zwei Richtungen.

Jetzt hier weiterlesen