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Frau Raufuss Was bleibt. Wie Angst unser Leben bestimmt.

Blog Frau Raufuss Angst
© frauraufuss.de
Die Tage danach. Still. Laut. Unvorstellbar. Traurig. Es ist Samstag. Um kurz nach halb 4 klingelt mein Telefon. „ Seid ihr in Sicherheit? In der Stadt gab es einen Unfall. Dort ist jemand mit einem Bulli in eine Menschenmenge gefahren.“ Der Kloß sitzt sofort tief im Hals.

Die Hubschrauber, die über uns fliegen, haben wir bemerkt uns aber nichts schlimmes gedacht. Innerhalb von Sekunden bekomme ich Angst.

Was genau passiert hier gerade? Immer wieder hören wir Sirenen, der Hubschrauber wird noch bis tief in den Abend über unserem Haus fliegen.

Angst und Krieg. Eine von uns Menschen geschaffene Möglichkeit anderen Menschen ein schlechtes Gefühl zu geben. Die Angst kommt näher oder ist das nur ein Gefühl, das ich für den Augenblick habe? Am 11. September konnte ich kaum verstehen, warum wir tagelang den Fernseher anhatten, meine Familie still und schockiert war. Damals war ich ein pubertierendes Mädchen, fand die Ereignisse schockierend und doch war es mir ein Stück weit egal. Denn Amerika war weit weg und ich ging stark davon aus, mir würde so etwas niemals passieren.

Am Abend vor unserer Hochzeit fuhr ein Mann mit einem LKW über einen Weihnachtsmarkt in Berlin und bis spät in die Nacht lief erneut der Fernseher. Diesmal verstand ich die Angst, die meine Eltern schon Jahre zuvor spürten. Sie kam näher und war nicht mehr weit von uns entfernt. Noch Tage später redete ich mit meiner Tochter über diese schrecklichen Dinge, denn was dort geschehen war, ist eine erneute Möglichkeit Angst in die Gefühle der Menschen zu bringen. Mein kleines Mädchen wird mit diesen Dingen aufwachsen müssen, denn sie werden mehr und mehr zur Realität.

Was bleibt.
Überall in unserem Viertel stehen Polizeibullis, Sirenen sind zu hören und ganz in unserer Nähe landen Hubschrauber, um Verletzte zu transportieren. Bei diesem Anblick kommen mir Tränen in die Augen. Warum zum Teufel muss ich meiner Tochter so ein Leben zumuten? Die Gerüchte mehren sich, angeblich laufen noch Täter durch die Stadt. Wir bleiben zu Hause, warten ab und sind schockiert. Der Fernseher läuft und zeigt den Platz, an dem meine Tochter 2 Stunden vor der Tat mit Freunden nach Hause gelaufen ist. Was ich im ersten Moment denke? Danke Gott, dass meiner Tochter nichts passiert ist. Was ich im nächsten Moment denke?

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