Eine ganz normale Mama
 
Wenn Prioritäten setzen nicht mehr ausreicht

Eigentlich sollte ich mich ja auskennen mit dem Thema Stressprävention. Hab ja sogar ein Buch zu dem Thema geschrieben. Hab ja sogar Workshops darüber gehalten. Kenne mich super aus mit der ganzen Theorie, Zeitmanagement, Paretoprinzip, predige immer wieder, dass man Prioritäten setzen soll, im Haushalt Fünfe grade sein lassen soll und im Notfall einfach mal über sich selbst lachen soll.

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Nathalie Klüver

Ich gebe immer wieder gerne den Tipp, dass man Probleme notfalls auch einfach aussitzen soll, weil sie sich erstaunlich oft von alleine in Luft auflösen. Oh, ich kenne mich übrigens auch super aus mit Entspannungstechniken, kenne die vielen kleinen Tricks, wie man Auszeiten in den Alltag integriert. Aber: Irgendwann geht auch der beste Autopilot nicht mehr. Irgendwann reicht Prioritäten setzen einfach nicht mehr aus – weil es einfach zu viele Prioritäten gibt. Und weniger als nichts kann man im Haushalt auch nicht machen. Der Urlaub liegt eigentlich auch gerade erst eine Woche zurück – der Akku sollte eigentlich voll sein.

Aber irgendwann ist auch der beste Akku leer und lässt sich einfach nicht mehr aufladen. 
Und da sitze ich und wollte eigentlich einen ganz anderen Text schreiben. Aber stattdessen: Schreibblockade. Einen Satz geschrieben, einen Satz gelöscht. Überschrift gelöscht. Neben den zu schreibenden Texten stapelt sich die Buchhaltung und blickt einen vorwurfsvoll an. Im Drucker liegen Formulare, die eigentlich schon lange ausgefüllt sein müssten. Und die Kinder haben auch noch Ferien und wollen Kakerlakak spielen. Oder Tischkicker. Oder sie hauen sich die Köpfe ein und bewerfen sich mit Legosteinen. Während ich den nächsten Satz schreibe und dabei so lange brauche wie sonst für einen ganzen Text, schreit der leere Kühlschrank danach, aufgefüllt zu werden und im Wäschekorb ist auch schon lange kein Platz mehr.

Seufzend lösche ich den Satz, den ich gerade geschrieben habe und schaue auf den leeren Bildschirm. Die Meute hat Hunger und Durst und überhaupt. Und während ich schnell das Müsli auf den Tisch stelle, feststelle, dass es kein sauberes Geschirr mehr gibt, weil ich vergessen habe, den Geschirrspüler einzustellen, trudeln schon wieder 7 Emails ein, die alle dringend und sofort beantwortet werden müssen. Eigentlich wollte ich auch duschen, aber wisst ihr was: Wenn man nur lange genug nicht die Haare wäscht, dann fetten sie gar nicht mehr so schnell nach, dann löst  sich zumindest dieses Problem von selbst.

Einfach immer weiter machen? Zähne zusammenbeißen? So wie immer? Irgendwann sind die Zähne abgeschliffen. Irgendwann geht es nicht mehr so wie immer, kann man nicht mehr weiter machen. Es wird schon wieder? Ab irgendeinem Punkt ist Aussitzen nicht mehr möglich. Weil es Dinge gibt, die sich nicht in Luft auflösen, wenn man lange genug warten.

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