Du und Dein Kind
 
Wie auch Männer zurück stecken müssen

Seit der Geburt ist nichts mehr wie es vorher war. Ich spüre es. Aber auch mein Partner spürt es. Das auch er einige Abstriche machen muss und oftmals zu kurz kommt, wird mir aber jetzt erst bewusst.

Blog du und Dein Kind Männer stecken auch zurück
iStock, YouraPechkin

Oft sah ich mich im Recht oder fühlte mich eingeschränkter als er. In einigen Dingen mag das zwar stimmen, trotzdem haben es Väter auch nicht immer leicht.

Mein stärksten Argument war bisher: Ich stille voll und ich stehe nachts auf. Ich bin 24Std Mutter. Komme vor 9, manchmal auch 10 Uhr nicht auf die Couch, habe keine 30Sekunden Zeit alleine aufs Klo zu gehen und bin nicht nur Mutter sondern auch Spielminister, Ärztin, Köchin, Zubettgeh-Kanzlerin, Hausfrau, Gassigängerin und Kuschelabgeordnete. Das war für mich Arbeit genug, an die mein Partner nicht dran kommt.

Klar geht er arbeiten und bringt das meiste Geld mit nach Hause, aber ich habe auch einen Verdienst und bin nicht von ihm abhängig. Wir leben gleichberechtigt und ich bekomme weder ein Taschengeld von ihm, noch lasse ich mich aushalten.

Als ich mir in einer ruhigen Minute (abends als ich nicht schlafen konnte...) Gedanken darüber machte, wie mein Leben sich verändert hat, dachte ich erstmals auch über das Leben meines Partners nach.

Irgendwie merkte ich, dass ich ihn in vielen Dingen oft vergas. Ja, dass er sogar oftmals zu kurz kam.

Er geht in der Frühe aus dem Haus und kommt spät nachmittags erst wieder Heim. Oft muss er aber erst noch in die Stadt, weil ich es vorher nicht geschafft habe. Am Wochenende machen wir hier zusammen so gut es geht die Wohnung, fahren soweit Mini-Me es zulässt mal weg oder gehen einkaufen.

Aber das ist nicht alles. Seine größte Veränderung ist nicht der Tagesablauf oder das er mehr Besorgungen machen muss. Es ist viel mehr, dass er sich den ersten Platz nun teilen muss. Das er so gut wie immer zurück stecken muss. Das Kind schreit, ich lasse ihn links liegen und mein ganzen Augenmerk ist auf dem Kind.

Am Ende bemerkte ich, dass man das alles nicht gegeneinander aufwiegen kann und vor allem nicht gegeneinander aufwiegen soll. Jeder Mensch ist verschieden. Dem einen macht dies nichts aus, dem anderen macht das nichts aus. Dem einen fällt das schwer, dem anderen das.

Meine Erkenntnis:

Oft sieht man nur seine Sicht der Dinge. Das ist normal und bis zu einem gewissen Grad auch ok. Trotzdem muss man sich auch in die Lage des/der Anderen versetzen. Ich werde nun öfter versuchen die Arbeit meines Partners anders zu bewerten. Schließlich gibt er sein bestes. Er kann nicht stillen und kann Mini-Me nicht beruhigen. Aber er kann einkaufen, er kann mit Mini-Me spielen und er kann Gassi gehen. Und das macht er alles..."

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