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Wieso private Krankenkassen dringend familienfreundlich werden müssen

Ein Jahresgehalt von 80.000 Euro und bei der Tafel nach Hilfe fragen. Wie passt das zusammen? Zum Beispiel, wenn der Hauptverdiener privat versichert ist und fünf Kinder ernährt.

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Elischeba Wilde

Der Familienvater ist frustriert. Er arbeitet hart. Sein Job ist gut bezahlt. Der 43-jährige erzählt mir weiter, dass er sein ganzes Leben für einen jugendlichen Fehler bestraft wird. Welchen? Er wollte Geld sparen. Ein Freund hat ihm damals die private Krankenversicherung schmackhaft gemacht. Weniger Kosten, mehr Leistung. Mit 24 hat er nicht an Familie gedacht.
 
Zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln? Unmöglich. Einige vergleichen die private Krankenkasse mit einem lebenslänglichen Ehevertrag. Wobei du aus einer Ehe meist leichter herauskommst als aus einer privaten Krankenkasse.
 
Mit zwei Kindern ging noch alles gut. Seine Frau ging stundenweise arbeiten und war gesetzlich versichert. Die Familienplanung war abgeschlossen. Doch dann kamen Drillinge. Und damit fingen die Probleme an. Seine Frau konnte nicht mehr arbeiten gehen. Somit musste er sieben Menschen einzeln privat versichern.
 
In der gesetzlichen Krankenversicherung kann der Hauptverdiener nicht berufstätige Mitglieder beitragsfrei mitversichern. Die private Krankenkasse verlangt dagegen für jede Person einen eigenen Beitrag.
 
Mein Mann ist als Hauptverdiener privat versichert und ich gesetzlich. Wir müssen unsere Kinder ebenfalls privat versichern.
 
Wie sieht unser Alltag mit privat versicherten Kindern aus?
 
Mich nervt der Papierkram. Mit Babys und Kleinkindern gehst du häufiger zum Arzt. Sind deine Kinder privat versichert, kriegst du von zig Adressen Rechnungen zugeschickt.
 
Bei Blutuntersuchungen flattert zum Beispiel Post vom Labor in deinen Briefkasten. Wir sammeln das Material und zahlen – neben einem monatlichen Tarif - 650 Euro der Arztkosten für den Mini Chef selbst. Ist der Selbstbehalt aufgebraucht, werden 80 Prozent der Rechnungen von der Krankenkasse erstattet. Die letzten 20 Prozent, die wir nach dem Selbstbehalt übernehmen, summieren sich.
 
Zwei Jahre später kommt unsere Mini Chefin auf die Welt. Die private Krankenkasse holt uns aus unserer Euphorie kurzzeitig zurück auf den Boden. Wir haben nun ein Mädchen. Die sind teurer als Jungs. Wieso das? Frag mich etwas Leichteres.
 
Wir erleben andauernd, dass stinknormale Sachen nicht erstattet werden. Die Kontrolle beim Zahnarzt? Vergiss es.  
 
Wir möchten nichts Aufwendiges. Einfach „nur“ in den Mund schauen lassen. Ob wir mit den Zwergen einigermaßen Zähne putzen. Fragen, ob alles in Ordnung ist.
 
Nein. Wird nicht erstattet. Der Grund? In unserem Tarif sind Zähne gar nicht mit drin. Möchten wir mit unseren Kindern die Kontrolle bezahlt kriegen, müssen wir pro Nase 50 Euro extra hinlegen.
 
Das heißt bei zwei Kindern: 1.200 Euro jährlich, um zu schauen, ob die Zähne in Ordnung sind. Für das Geld fahren andere Familien eine Woche in den Urlaub.
 
Der Arbeitgeber zahlt davon die Hälfte? Nein. Wir haben das Maximum der Zuzahlung bereits ausgeschöpft. 
 
Die Mini Chefin kriegt Neurodermitis. Juckende Haut. Teilweise blutige Stellen. Eltern geben mir liebevoll Tipps. Erzählen von Schulungen, die Krankenkassen anbieten. Von speziellen Kuren am Meer.
 
„Ihr kriegt bei einer Kur sicher die Chefbehandlung. Eure Kinder sind privat versichert“ lächelt eine Freundin. Aufgrund bisheriger Erfahrungen sehe ich die Sache weniger optimistisch.
 
Ich rufe bei meiner Krankenkasse an und hake nach. Nein, es werden lediglich die Arztkosten beim Kinderarzt erstattet. Extras gibt es gar nicht. Kuren seien eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen.
 
Die Haut meiner Maus verschlimmert sich. Ich greife zum Hörer und sage Emilys Krankenkasse, dass ich inzwischen bereit bin, einen extra Tarif für Kuren zu zahlen. Im Internet habe ich gelesen, dass dies die einzige Chance für Privatpatienten ist. Ich möchte wissen, was der Spaß kostet.
 
Mir wird sachlich erklärt, dass für den Tarif, der Kuren beinhaltet, eine Gesundheitsprüfung gemacht wird. „Ich kann Ihnen direkt am Telefon sagen, dass Ihre Tochter keine Chance hat, Frau Wilde. Weil in den Akten vermerkt ist, dass Emily Neurodermitis hat. Der extra Tarif für Kuren ist direkt nach der Geburt buchbar. Später nur noch bei gesunden Kindern.“
 
Ich werde sauer. „Wie, nur bei gesunden Kindern? Wäre Emily gesetzlich versichert, würde sie mit ihrem Hautzustand sofort eine Kur kriegen. Wozu zahlen wir denn überhaupt monatlich so viel, wenn wir schlechtere Leistungen kriegen?“
 
Mein Gegenüber antwortet mir, dass gesetzliche Krankenkassen vom Staat unterstützt werden. Deswegen haben die mehr Budget.   
 
Der nächste Schlag ins Gesicht folgt kurz darauf, als ich beruflich für drei Tage verreisen möchte. Die Kinder werden im Kindergarten betreut – was ist, wenn sie krank werden und mein Mann mit ihnen nach Hause muss?
 
Immerhin weiß ich, dass gesetzlich versicherte Eltern zehn Arbeitstage pro Kind und Jahr zu Hause pflegen dürfen.
 
Kriegt mein Mann als privat Versicherter extra Tage? Fehlanzeige. Null Tage. Du hast richtig gelesen. Sozialleistungen und private Krankenkassen sind keine besten Freunde.
 
Deutschland soll mehr Kinder auf die Welt bringen? Tut mehr für uns Familien, liebe Politiker.
 
Denkt an den Mann, der trotz Jahresgehalt von 80.000 Euro nicht weiß, wie er seine fünf Kinder durchfüttern soll.
 
Meine Forderung:
 
Erstens: Private Krankenversicherungen müssen mindestens das bieten, was gesetzliche Krankenkassen schaffen.
 
Zweitens: Ich wünsche mir, dass ab dem zweiten Kind keine extra Kosten anfallen. Damit der Familienvater mit den fünf Kindern in den Urlaub fahren kann.
 
Am einfachsten löst ihr die Probleme, wenn ihr die privaten Krankenkassen ganz abschafft. Das vereinfacht unser Leben. Und bringt uns mehr Zeit für unsere Familien.
 

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