Venedig mit Kleinkindern
 
Campingplatz-Test: Wo? In Venedig!

Mit zwei kleinen Kindern ( Rixa, 4 Jahre und Bela, 2 Jahre) im Hochsommer nach Venedig? Geht's noch? Wir hatten selbst Zweifel, ob das gutgehen kann. Aber zum Glück fanden wir die ideale Unterkunft, den Campingplatz Marina di Venezia, nur eine halbe Stunde von der Innenstadt entfernt. Und erstaunlich viel Erholung für alle.

Venedig mit Kleinkindern: Campingplatz-Test: Wo? In Venedig!
Gruner + Jahr
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Die Anreise: Gemütlich in den Schlaf geruckelt

Nachtzug nach Venedig
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Nachtzug nach Venedig

Der Billigflieger fliegt am Montag nicht. Ist sowieso schlecht für die Umwelt. Also geht’s im ICE von Hamburg nach München und von dort mit dem Nachtzug weiter nach Venedig. In unserem Abteil gibt es sechs Betten, jeweils drei übereinander. Da der Zug erst kurz vor Mitternacht startet, sind meine beiden Kleinen hundemüde. Kurz schauen wir noch aus dem Fenster, als die Fahrt los geht, aber die vorbeiziehenden Lichter verfehlen ihre Wirkung nicht. Gemütlich, wir alle so nah beieinander! Wir lassen uns vom fahrenden Zug in den Schlaf ruckeln und träumen bald alle selig. Fast alle, denn mein Mann mit 1,95 cm passt kaum ins Bett. S-Form haut nicht hin, eigentlich müsste er sich in ein V falten. Aber irgendwann in der Embryonalstellung klappt’s auch bei ihm. Vorher hat er auch beruhigt gesehen, dass unser Sohn nicht aus dem Bett fällt, obwohl es keine Absperrung in den Betten ganz unten gibt. Zur Sicherheit hat er ein Kissen auf den Boden gelegt, das zum Glück die Nacht über unberührt bleibt.
Wie am Vorabend zugesagt, weckt uns die Zugbegleiterin kurz vor Vendig. Rechtzeitig, um links und rechts aus dem Fenster glitzerndes Meer zu sehen. Die letzten Meter vor Venedig fährt der Zug über eine Brücke. Unbezahlbar dieser Anblick in der Morgensonne. Nachtzug nach Venedig Gruner + Jahr

Null Autos - dafür knapp 400 Brücken

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Mit Bollerwagen durch Venedig

Unsere Unterkunft steht uns erst nachmittags zur Verfügung. Also ab nach Venedig, mitten rein ins Gewühl. Wir besetzen die erste Bank vorm Bahnhof und frühstücken mit Blick auf vorbeifahrende Vaporettos und Gondeln. Gestärkt und mit Sonnencreme eingeschmiert treten wir den Fußmarsch an. Die Hitze lässt jetzt schon vermuten, das wird ein heißer Tag. Es sind viele Leute unterwegs. Querbeet durch die Stadt und treiben lassen. Überall Wasser, überall kleine und größere Boote und Selfie-Sticks everywhere. Ob sich Venedig mit Kleinkindern anbietet? Nicht mehr und nicht weniger als jeder andere Stadturlaub mit Kleinkindern. Immer wieder Brücken, über die wir unseren Bollerwagen andere ihren Kinderwagen tragen und ok, hier ist überall Wasser, aber dafür gibt es keine Autos.

Bildershow: Eine Woche Venedig mit Kleinkindern

Urlaub mit Kleinkindern in Venedig

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Mittagspause: Zum Glück gibt's auch hier schöne Spielplätze

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Oase für die Kinder

Die Mittagshitze verbringen wir in einem schattigen Park mit Spielplatz. Die Kinder toben, klettern und spielen. Dafür müssen sie danach wieder mit uns durch die vollen engen Gassen und bestaunen die klassischen Wäscheleinen hoch oben über den Köpfen der Touristen. Ab und zu begegnen uns Einheimische, die mit angestrengtem Gesicht in dem Gedrängel versuchen von A nach B zu kommen. Kann ich verstehen, dass man bei dem Touristenaufkommen fast das ganze Jahr über nicht mehr freudig in jeden Kinderwagen lächelt.
Gondel fahren ist natürlich das Ding in Venedig. Lassen Sie sich aber auch was kosten, denn eine Fahrt in der prächtigen oft mit goldverziertem und schwarzem Samt ausgestatteten Gondel kostet 80-100 €.  Unser Tipp: Wer zumindest das Gondel-Feeling einmal erleben will, lässt sich über den Canal Grande setzen. Dauert zwar nur eine Minute, kostet aber auch nur 2 Euro.

Marina di Venezia - ein Campingplatz so groß wie ein kleines Dorf

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Gelati

Die Überfahrt zu unserem Campingplatz Marina di Venezia bringt Erfrischung durch den Wind im Vaporetto. In Punta Sabione steht ein Bus bereit, der uns direkt zum Campingplatz fährt. Mit einem Caddy werden wir zu unserem Canvas Holidays Mobilheim gefahren. Die Fahrt dahin lässt erahnen, wie groß dieser Campingplatz ist. Überall Familien mit Kindern, die vor Bungalowzelten, Wohnmobilen oder Mobilheimen spielen. Unsere beiden fühlen sich gleich wohl und wollen mitspielen. In unserem Mobilheim werden wir von der laufenden Klimaanlage kühlend begrüßt. Das tut gut. Das Mobilheim ist schnell besichtigt. Die Küche ist mit allem nötigen ausgestattet und das Bad ist klein aber fein mit Dusche. Die Terrasse hat einen großen Sonnenschirm und Grill. Sogar ein Kinderhochstuhl und Babybett stehen bereit. Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir in eines der Restaurants auf dem Campingplatz. Der Weg führt uns durch eine kleine Fußgängerzone mit vielen Geschäften, Supermarkt, Zuckerwatteständen und einem reichlichen Angebot für Kinder. Von der Luftspringburg über Minigolf bis zu einem Kletterpark ist alles vorhanden. Kostet allerdings extra. Gut, dass unsere Zwei für vieles noch zu klein sind. Mir reicht das Gejammer der anderen Kids, in der Hoffnung noch ein Eis, eine Fahrt im GoKart oder Süßigkeiten zu bekommen. Am nächsten Tag nach einem herrlichen Frühstück auf unserer Sonnenterrasse geht es gleich ans Meer. Der Bollerwagen schleppt das Sandspielzeug. Der Strand ist von Bademeistern bewacht. Es gibt einen Bereich, wo kostenpflichtig Sonnenliegen und -schirme gemietet werden können und einen allgemeinen Teil, wo der Rest kreuz und quer Decken und Strandmuscheln aufstellt. Das Wasser ist herrlich. Ziemlich flach und klar mit wenig Wellengang. Für Kleinkinder ideal. Am Strand die üblichen Angebote von Massage über Handtücher, Flugdrachen und Eis. Da unsere Kinder bereit sind zwei Tage auf Eis zu verzichten, dürfen Sie sich ein Wasserspielzeug aussuchen. Meine Tochter wählt einen Schwimmring mit Affe (Funkymonkey) und mein Sohn eine große Krabbe (Kaloschi) auf der zum Glück auch wir ganz gut liegen können.

Bei der Hitze bewegen sich nur die Kinder freiwillig

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Luftsprünge ...

Die nächsten Tage erobern wir die große Poollandschaft direkt auf dem Campingplatz. Es gibt für jedes Alter ein Becken mit unzähligen Angeboten. Von wasserspritzenden Delfinen, über Wasserrutschen bis zur Kletterburg und Wellenbad. Kein Wunder, dass unsere Kinder jeden Abend völlig erschöpft ins Bett fallen und uns sogar morgens bis 9 Uhr ausschlafen lassen. Der Babyclub ist ab 4 Jahren und bietet abwechslungsreiche Bespaßung. Jeden Abend kann man die Kleinen dann auf der Bühne bewundern, wie sie zu einem Kinderlied fröhlich tanzen. Da meine Tochter nicht ohne ihren Bruder hin will, nehmen wir daran nicht teil. Dafür leihen wir uns Fahrräder. Das machen hier viele. Wahrscheinlich auch, weil man so wesentlich schneller morgens die Brötchen holt. Laufräder haben sie nicht, aber Bela kommt auch mit den kleinen Stützrädern gut zurecht und steigt nur unter höchstem Protest mal von seinem Fahrrad runter. Die Fahrpraxis unserer Kinder schnellt von wackeliger Anfänger auf relativ sichere Fortgeschrittene. Das Spiel mit anderen Kindern stellt sich aufgrund der Sprachbarrieren als schwierig dar. Ich hätte gedacht, Kinder sind da noch internationaler unterwegs. Aber da erste zarte Gesprächsversuche von den Engländern und Iren um uns rum nicht verstanden werden, schauen Beide erst mal nur zu, wie die Nachbarkinder spielen. Erst als sie auf deutschsprachige Kinder treffen, sind sie nicht mehr zu halten.
Mittags passen wir uns der Hitze an. Nicht bewegen ist das Motto. Der Kleine pennt, die Große malt und wir lesen unterm Sonnenschirm. Dank der schattenspendenden Pinien um uns herum, bleibt unser Mobilheim angenehm kühl. Luftsprünge ... ... haben wir gemacht. Denn uns gefällt es hier richtig gut. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und wenn es zu heiß wird, kühlt uns die Klimaanlage im Mobilheim. Gruner + Jahr

Ob wir wieder kommen?

Überfahrt nach Venedig im Vaporetto
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Überfahrt nach Venedig im Vaporetto

Die Woche verfliegt und gerne wären wir länger geblieben. Ich werde die schönen Abende auf unserer Terrasse mit kühlem Rosé vermissen, tropisch warme Nachtluft, zirpende Grillen unter dem großen Mond ... nur die Mücken, die vermisse ich nicht.
Eltern mit größeren Kindern werden ihre Kinder auf diesem Campingplatz wohl wenig sehen. Denn das Angebot ist einfach riesig, sofern man in Kauf nimmt, für Extras auch zu zahlen.
Ein Arzt ist vor Ort, den wir zum Glück nicht kennen gelernt haben. Der Weg zum Strand ist kurz und Sand und Meer einfach toll. Für Zelt-Liebhaber bietet der Campingplatz auch schon aufgebaute Bungalowzelte an. Da ist das Savannen-Feeling dann in der Mittagshitze komplett. Alle Mitarbeiter des Campingplatzes sprechen mehrere Sprachen und waren stets bemüht, uns bei Fragen zu helfen. Die Ausstattung unseres Mobilheims war nicht luxuriös, aber angenehm gemütlich und mit allen Nötigen versehen. Der Abstand zwischen den Mobilheimen bietet eine gewisse Privatsphäre. Die Kinder unserer Nachbarn kommen desöfteren zu spät heim. Anhand der wilden Gestik der Eltern lässt sich die Standpauke erahnen. Das nächste Mal kommen wir mit Babysitter, äh, den Großeltern oder Freunden zusammen hierher. Dann können wir auch mal die kulturelle Seite von Venedig mitnehmen und zu Zweit in die Lagunenstadt übersetzen.