Reisen mit Kindern
 
Mit Baby in den Urlaub?

Von den Anstrengungen der Geburt und der Umstellung des Alltags einigermaßen erholt, jetzt die Sachen packen und samt Baby in Urlaub fliegen - geht das denn? Na klar! Wenn Sie einiges vorher beachten.

Reisen mit Kindern: Mit Baby in den Urlaub?

Vielleicht sollten Sie nicht gleich vom Krankenhaus aus ins Flugzeug steigen, das wäre dann doch zu anstrengend für den kleinen Wurm. Mindestens drei Monate sollte das Baby schon sein. Dann lässt auch der Stress etwas nach: Ihr Kind schreit nicht mehr so viel, schläft hauptsächlich nachts und Sie haben in Ihrer neuen Rolle etwas Routine gefunden. Und dann spricht überhaupt nichts dagegen, mit Säugling in Urlaub zu fahren, im Gegenteil: Es kann entspannender sein als mit größeren Kindern. Vor allem, wenn das Baby noch voll gestillt wird. Dann ersparen Sie sich viel Ärger, wenn es mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort plötzlich Hunger hat. Wenn Sie zufüttern oder mit Flaschennahrung füttern, müssen Sie den Urlaub schon besser organisieren. Nicht in jedem Land kann man dieselbe Babynahrung kaufen, so ist es am sichersten, Sie nehmen genug Vorräte von zu Hause mit. Mit Windeln brauchen Sie dagegen Ihr Urlaubsgepäck nicht zu strapazieren, die bekommt man wirklich überall. Als Reisezeit sollten Sie sich nicht die heißen Sommermonate aussuchen. Der Kreislauf des Kindes ist durch die Hitze ohnehin schon belastet. Viel geeigneter sind Frühling und Herbst.

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Stressfrei fliegen mit Kind

1. Sitzplätze nach Möglichkeit schon beim Buchen reservieren. Am besten in der ersten Reihe. Dort ist mehr Platz zum Spielen. In der Frontreihe können auch spezielle Babybettchen zum Schlafen aufgehängt werden. Fragen Sie bei Ihrer Airline nach, ob Sie Ihren Autokindersitz mit ins Flugzeug nehmen können. Gegebenenfalls müssen Sie dann aber mehr zahlen, da der Kindersitz einen ganzen Flugzeugsitz in Anspruch nimmt. In der Regel reisen Babys bis zwei Jahre beim Begleiter auf dem Schoß.

2. Den Buggy nicht aufgeben, sondern erst beim Einsteigen zum Gepäck bringen lassen. Das erleichtert die oft langen Wege am Flughafen. Außerdem kann das Kind bei langen Wartezeiten im Buggy schlafen.

3. Kinder ab drei Jahren auf das Abenteuer Fliegen vorbereiten. Sie sollten wissen, dass es im Flugzeug eng ist und man stundenlang sitzen muss.

4. Leichte und bequeme Kleidung anziehen. Ins Handgepäck gehören unbedingt Pullover oder Jacke, denn in der Maschine kann es kalt werden. Außerdem dicke Socken, damit das Kind auch mal auf den Sitzen herumturnen kann. Übrigens: Auch die Erwachsenen sollten während des Flugs Schuhe gegen Socken wechseln. Grund: Die Füße werden besser durchblutet und schwellen nicht so leicht an.

5. Beim Steig- und Sinkflug dem Kind etwas zu trinken oder zu essen geben (fällige Mahlzeiten beim Baby entsprechend hinauszögern!) oder es am Schnuller nuckeln lassen. Das Schlucken erleichtert den Druckausgleich im Ohr. Kindern mit leichtem Schnupfen zusätzlich eine halbe Stunde vor Start und Landung abschwellende Nasentropfen verabreichen. Bei einer starken Erkältung oder Mittelohrentzündung die Reise besser verschieben! Familien brauchen deshalb unbedingt eine Reiserücktrittsversicherung.

6. Babys an Bord immer ein paar Tropfen physiologische Kochsalzlösung in die Nase träufeln (aus der Apotheke). Mit feuchten Schleimhäuten atmen sie leichter.

7. Der Langeweile vorbeugen. Zwar bekommen die kleinen Passagiere im Flugzeug ein kleines Spielpaket, doch das hält oft nicht lange vor. Stellen Sie deshalb eine Überraschungstasche mit neuen (Bilder-) büchern, Musik- bzw. Märchenkassetten, Magnetpuzzle, Bandolo ect. zusammen. Kinder ab drei Jahre nehmen sich zusätzlich noch einen kleinen, selbst gepackten Rucksack mit ihrem Lieblingsspielzeug mit.

Gute Fahrt mit dem Auto

1. Auf Nachtfahrten verzichten, auch wenn es verlockend ist, weil das Kind dann in der Regel schläft und auf den Straßen wenig Verkehr ist. Doch zwischen zwei und vier Uhr nachts sinkt die Leistungskurve extrem ab, warnen Reisemediziner. Folge: Das Unfallrisiko steigt. Besser: im Morgengrauen oder am frühen Abend starten. Mit Klimaanlage im Auto kann man zum Reisen auch den Mittagschlaf des Kindes nutzen.

2. Hauptreisezeiten meiden. Entspannter kommt man ans Urlaubsziel, wenn man an Tagen reist, an denen nicht alle auf die Autobahn drängen. Wer die "heißen" Termine wählen muss, sollte rechtzeitig Schleichwege auf der Straßenkarte auskundschaften oder sich bei einem der Automobilclubs danach erkundigen.

3. Regelmäßig Pausen einlegen. Mehr als zwei Stunden im Maxi Cosi tut keiner Baby-Wirbelsäule gut. Auch größere Kinder brauchen alle zwei Stunden Bewegung. Nutzen Sie die Pausen für einen kleinen Wettlauf mit Ihren Kindern. Oder hüpfen Sie alle eine Runde erst auf dem rechten, dann auf dem linken Bein. Ideal bei Autoreisen mit Kindern sind Rastplätze mit Spielecke oder -platz, Wickelraum und Hochstühlen. Eine Liste familienfreundlicher Raststätten gibt’s kostenlos bei der Autobahn Tank & Rast GmbH, Tel. 02 28/92 20, www.rast.de

4. Auf bequeme Kleidung achten. Kinder, die sich eingeengt fühlen, werden schnell quengelig. Deshalb auch die Rückbank beziehungsweise den Fußraum nicht mit Gepäckstücken total zubauen.

5. Mit Geschichten und Kassetten die Zeit vertreiben. Damit den Erwachsenen auf Dauer nicht die Ohren klingen von Benjamin Blümchen, Bibi Blocksberg und Pumuckl: Kopfhörer für die Kleinen mitnehmen. Sehr gut als Ablenkung und wirkungsvoll bei Reisekrankheit: gemeinsam bei leicht geöffnetem Fenster singen. So bekommt das Kind zusätzlich Sauerstoff.

6. Rücksicht auf den Magen nehmen. Kinder, denen es im Auto schnell schlecht wird, sollten vor und während der Fahrt nichts Fettes essen, lieber kleine Portionen Obst und viel trinken, dabei Sprudelgetränke und Orangensaft meiden. Was bei Reisekrankheit sonst noch hilft: während der Fahrt nicht lesen oder malen, vorn aus dem Fenster gucken, homöopathische Mittel (z.B. Cocculus oder Tabacum in D6-Potenz), ein Akupressurband am Handgelenk (gibt's in der Apotheke), Sonnenschutz am Fenster und schlafen. Deshalb am besten dann reisen, wenn die Kinder müde sind.

7. Wichtiges ins Handgepäck nehmen. Um im Bedarfsfall nicht das ganze Auto aus- und umpacken zu müssen, ist es ratsam, folgende Dinge griffbereit zu haben: Kuscheltier, Schlafkissen bzw. Nackenhörnchen, leichte Decke, Windeln und Kleidung zum Wechseln.

Sicher in die Sonne

Babys bis zwölf Monate sind am besten im Schatten aufgehoben. Und auch da sollte ihre empfindliche Haut immer mit leichter, lichtundurchlässiger Baumwollkleidung (optimal mit langen Ärmeln und langen Hosenbeinen) bedeckt sein. Größere Kinder dürfen zwar in die Sonne. Jedoch nicht stundenlang. Und vor allem nicht ohne Schutz.

Für Kinderhaut besonders gut geeignet sind Sonnenschutzpräparate mit mineralischen Filtern, also mikrofeinen Pigmenten. Der Grund: Sie dringen nicht in die Haut ein. Und sie wirken sofort. Neuerdings tun das zwar auch einige Sonnenschutzmittel mit chemischen Filtern. In der Regel beginnt bei ihnen die Schutzwirkung jedoch erst 20 bis 30 Minuten nach dem Auftragen.

Bei Sonnenschutzmitteln ruhig dick auftragen! Faustregel: eine (Kinder)Handvoll Sonnenlotion für den ganzen Körper. Wer sich zu dünn eincremt, riskiert eine kürzere Schutzzeit. Nasenrücken, Ohren, Lippen, Knie, Schultern, Hand- und Fußrücken mit besonders hohem Lichtschutzfaktor eincremen.

Den Schutz nach jedem Badegang erneuern. Mehrmaliges Nachcremen verlängert allerdings nicht die Schutzzeit. Zwei Stunde Sonnenzeit pro Tag sind für Kinder genug.

Wenn nicht gerade Baden angesagt ist, tragen Kinder in der Sonne immer einen breitkrempigem Hut oder eine Mütze mit Nackenschutz. Und am besten auch noch ein T-Shirt und eine Hose. Gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran. Die Haut ist dankbar für jede Sonnenpause. Sehr empfindliche Haut kann man mit spezieller UV-Kleidung schützen.

Zwischen 11 und 15 Uhr heißt es in jedem Fall: Raus aus der Sonne! Denn über die Mittagszeit strahlt sie 150-mal intensiver als am Morgen oder Abend. Dazu noch mit einem wesentlich höheren Anteil an UVB-Strahlen, die den Sonnenbrand verursachen.

Griffbereites im Handgepäck

Für Babys und Kleinkinder: Feuchte Reinigungstücher oder feuchten Waschlappen im Plastikbeutel, Wickeltasche mit Windeln zum Wechseln, Ersatzschnuller, Lätzchen, T-Shirt und Unterwäsche bzw. Body zum Wechseln – falls ein Malheur passiert.

Für alle Kinder: Papiertaschentücher, Nackenrolle oder kleines Kissen zum Schlafen, dicke Socken, etwas zum Drüberziehen gegen Kälte, Spielzeug, (Bilder)buch, Verpflegung, Schmusetier, Hörbucher und Musikkassetten.

Ausweis nicht vergessen!

Seit Juni 2012 braucht jedes Kind ab der Geburt für Reisen ins Ausland ein eigenes Ausweisdokument. Hintergrund ist das in der EU-Passverordnung verankerte Prinzip „eine Person, ein Pass“. Zur Auswahl stehen der Kinderreisepass, der elektronische Reisepass sowie der Personalausweis. Die Bestimmungen sind je nach Land unterschiedlich. Eine Liste mit den Bestimmungen der Länder für die Einreise finden Sie auf der Homepage des Auswärtigen Amtes.

Gesund hin und zurück

Bevor Sie fest einen Urlaub buchen, sollten Sie in jedem Fall Ihren Kinderarzt befragen, was er Ihnen empfiehlt. Er kann auch abklären, ob das Baby auch wirklich gesund ist. Legen Sie Impftermine nicht einen Tag vor die Abreise: Sollten Impfkomplikationen auftauchen, ist es besser, das Kind wird von einem Arzt untersucht, der es schon gut kennt. Und vergessen Sie auf keinen Fall, eine Auslandsreiseversicherung abzuschließen. Sie kosten nicht viel und können eine Menge Geld sparen.

Die geeigneten Urlaubsländer

Zum Wandern kann man das Baby im Tuch oder in der Kraxe tragen

Als Reiseziel sollten Sie Länder mit Extremen meiden:
Keine große Hitze, keine große Kälte, nicht zu schwül, nicht zu trocken. Am besten, Sie suchen sich ein Ziel aus, in dem dieselben klimatischen Bedingungen herrschen wie bei Ihnen zu Hause. Dann braucht sich das Baby nicht umstellen und wird es Ihnen danken, indem es nicht nächtelang durchschreit. Was nützt Ihnen die tollste Traumkulisse, wenn Sie gerädert von durchwachten Nächten noch nicht mal den Weg zum Pool schaffen? Städtereisen eignen sich gut mit Babys. Sie können das Kleine in der Kraxe auf dem Rücken tragen und stundenlang durch Straßen und Museen streifen. Mit größeren Kindern hat man da schon eher Probleme, die finden das schnell zu langweilig oder möchten getragen werden und sind dafür doch schon viel zu schwer. Ebenso empfehlenswert ist Urlaub in Mittelgebirgen, zum Wandern kann man das Baby im Tuch oder in der Kraxe tragen. Ins Hochgebirge sollten Sie das Kleine nicht unbedingt schleppen, ebensowenig wie in raues Küstenklima, etwa Nordsee oder Ostsee. Die klimatischen Unterschiede wären zu groß und würden das Kleine unnötig belasten.

Bitte, Sonnenbrille auf!

Zur Safer-Sun-Ausrüstung für Kinder und Erwachsene gehört unbedingt eine Sonnenbrille. Achten Sie beim Kauf auf das CE-Zeichen. Es garantiert, dass die Brille europäischen Qualitätsnormen entspricht. Wichtig für einen optimalen Schutz der Augen ist auch, dass die Brillenfassung oben bis zu den Augenbrauen reicht und seitlich bis zum Gesichtsrand. Und die Gläser nicht zu hell sind. Am angenehmsten ist eine braune oder graue Tönung.

Nicht zu lange plantschen!

Das Wechseln der Badesachen schützt vor Auskühlung und Infektionen

Kinder kühlen schneller aus als Erwachsene. Höchste Zeit zum Rausgehen aus Pool oder Meer ist es, wenn die Lippen sich blau färben, die Zähne zu klappern anfangen und die Haut blass wird. Besser noch: die Kleinen alle halbe Stunde aus dem Wasser holen. Damit sich der Körper schnell wieder erwärmt, die nassen Badesachen ausziehen, die Haut trocken rubbeln, Haare frottieren, etwas anziehen und eventuell eine Kleinigkeit essen. Hat das Zähneklappern aufgehört und fühlt sich die Kinderhaut wieder warm an, steht neuen Badefreuden nichts im Weg. Übrigens: Die nassen Badesachen gegen trockene zu wechseln, schützt nicht nur vor Auskühlung, sondern auch vor Infektionen. In feuchte, aufgeweichte Haut können nämlich Krankheitserreger leichter eindringen, vor allem Pilze.

Wachsam am Wasser!

Ertrinken ist nach Verkehrsunfällen der häufigste tödliche Unfall bei Kindern. Der Grund: Kleine Kinder haben einen relativ großen, schweren Kopf, der sie buchstäblich nach unten zieht. Und sie verfügen bis etwa zum Schulalter über einen Reflex, der die Atemwege bei plötzlichem Wasserkontakt verschließt. Experten sprechen vom trockenen Ertrinken. Lassen Sie deshalb Ihr Kind am Pool, Plantschbecken oder am flachen Strand nie aus den Augen, auch nicht für einen Moment. Selbst mit Schwimmflügeln besteht Ertrinkungsgefahr.

Nach dem Essen nicht ins Wasser?

Baden mit vollem Magen ist tatsächlich unvernünftig. Denn nach einem üppigen Essen verdaut der Körper und braucht dafür viel Energie. Dann ins kalte Wasser zu springen, kann den Keislauf ganz schön belasten. Durch den plötzlichen Kältereiz wird Adrenalin ausgeschüttet, der Blutdruck steigt plötzlich an, das Herz schlägt heftig. Im schlimmsten Fall kann ein Schwimmer durch diesen Kreislaufschock ohnmächtig werden.Deshalb lieber erst eineinhalb bis zwei Stunden nach einem üppigen Mahl ins Wasser eintauchen.

Gut schlafen auf Reisen

Auch im Urlaub brauchen Kinder ihre Gute-Nacht-Zeremonie

Was braucht Ihr Kind zum Einschlafen? Lieblingsschnuller, Kuschelbär, Schmusetuch, Spieluhr, Nachtlicht? Unbedingt einpacken! Und nehmen Sie auch den gewohnten Tagesrhythmus mit auf die Reise. Kinder fühlen sich in der Fremde gleich viel geborgener, wenn Sie zu den üblichen Zeiten essen und schlafen – und mit dem gewohnten Ritual ins Bett gebracht werden. Behalten Sie deshalb die Gute-Nacht-Zeremonie, die zu Hause stattfindet, auch im Urlaub bei. Ist der Nachwuchs abends noch sehr aufgedreht, kann eine Musik-Entspannungskassette oder ein Glas warme Milch mit Honig beruhigend wirken.