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Viva Mexiko! Wir entdecken das Land – Familienreise nach Mexiko, Woche 2

Lisa (33) und Markus Harmann (42) sind auf eine Hochzeit in Mexiko eingeladen. Was sie mit ihrer Tochter (fast 9) und ihren Zwillingsjungs (6) im Land der Sombrero-Hüte erleben, schreiben sie in einer vierteiligen Serie auf eltern.de. Heute. Teil 3: Von einem Ja-Wort unter der Erde, von echten Weltwundern und von der schönsten Bar der Welt.

Reise: Viva Mexiko! Wir entdecken das Land – Familienreise nach Mexiko, Woche 2
Lisa Harmann

Zur Begrüßung drückt uns das Brautpaar erst einmal eine Flasche „Off!“ in die Hand. „Off!“, das ist das Mittel aller Mittel in Mexiko: gegen Mücken. Die Viecher stechen und beißen, als wären wir die ersten Europäer, die sie je getroffen hätten. Und wir hatten zwar von einer romantischen Strandhochzeit unter Palmen geträumt, aber mein Bruder und seine Verlobte wählten als Ort ihres Eheversprechens: eine Tropfsteinhöhle. Warum? Weil es dort angeblich kühl ist und man mal keine Sonnenbrille braucht. Einzig: Es gibt viele Mücken dort unten. „Off“, jene Mittel, das in Deutschland nicht zugelassen ist, soll uns schützen.

Er und sie. Unter der Erde. Mit uns. Wir schwitzen natürlich trotzdem, auch in der Höhle. Vor Aufregung. Ob der Standesbeamte wohl kommt? Klar, sagt mein Bruder, er hat sein Geld noch nicht, also wird er kommen. Und das tut er auch. Er stellt sich in die kerzenbeleuchtete Höhle – und sieht nichts. Sieht nicht, wen er da trauen soll, also muss mein Mann mit seiner Iphone-Taschenlampe aushelfen. Hochzeit auf mexikanisch! Unvergesslich…

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Und dann sagen sie JA! Oder besser: SI und YES, denn das Ja-Wort wird sowohl auf Englisch als auch auf Spanisch eingefordert. Natürlich müssen wir kurz schlucken, als uns der Standesbeamte fragt, ob wir als Trauzeugen das Paar auch wirklich gut kennen. Nun ja, die Braut erst seit fünf Tagen… Doch können nicht auch fünf Tage sein wie ein Leben? Gerade, wenn man schon miteinander geweint hat – vor Rührung beim Kennenlernen? SI, antworten wir also aus vollster Überzeugung, wir haben keine Bedenken. Dann der Kuss samt Applaus und ein von den Kindern auswendig gelerntes „Bienvenida en nuestra familia“ – „Herzlich Willkommen in unserer Familie“. Rührend!Die Hochzeit ist der glückliche Start in unsere zweite Woche in Mexiko. Nach der ersten, eher ruhigen Woche möchten wir nun das Land kennenlernen. Heraus aus unserem Clubhotel mit Animateuren, hinein ins Land. Wir besuchen die neue Verwandtschaft in einem Stadtviertel (Colonia) von Playa del Carmen, in dem die Mexikaner leben, abseits der Touristenströme. Es sind in die Jahre gekommene Reihenhäuser mit winzigen Gärten, vielen Gittern und meist keinen Klimaanlagen. Eine aus europäischer Sicht bescheidene Wohngegend mit kaputten Autos am Straßenrand, abblätterndem Putz, aber auch lauter, fröhlicher Musik, die aus den Häusern dröhnt. Kinder in Hängematten und auf Fahrrädern, viele Straßenhunde und ein kleiner Gemeinschaftspark samt Kunstrasenplatz. Wenn es Abend wird, dann trifft sich hier die Nachbarschaft, hören wir. Redet, isst, spielt Basketball und macht Aerobic zu lauten Bässen.

Mit einem Mietwagen nehmen wir einige Tage später den dreistündigen Weg nach Chichén Itzá auf uns. Seit 2007 ist diese wohl bedeutendste Ruinenstätte der Maya im Norden der Halbinsel Yucatán eines von sieben „neuen“ Weltwundern. Der Weg dorthin ist zäh, immer nur geradeaus, links und rechts Busch, die Kinder jammern und hören immer nur dann kurz auf, wenn wir mal wieder eine Polizeisperre passieren und froh sind, nicht auf den Seitenstreifen zu müssen. Aber der Weg lohnt. Chichén Itzá, dessen Hauptbauwerk eine 42 Meter hohe Pyramide ist, vereint das Wissen und die Erkenntnisse der Welt aus der Zeit um das Jahr 1000 nach Christus. Eine architektonische Meisterleistung, der Bau dauerte gut 200 Jahre. Unser Guide, ein Maya, wie er betont und uns quasi als Beweis seine Kopf-Physiognomie vorführt („fliehende Stirn, Adlernase, Mandelaugen“) erklärt, warum Chichén Itzá ein echtes (Welt-)Wunder ist: Zweimal im Jahr versinkt bei Sonnenuntergang eine Seite der Pyramide fast vollständig im Schatten. Dann wird nur noch die Treppe von der Sonne angestrahlt und auf sie projizieren sich die Stufen der Pyramide. Dieses aus Licht bestehende Band vereint sich schließlich für kurze Zeit mit einem Schlangenkopf am Fuß der Pyramide und stellt so eine gefiederte Schlange dar.

Ähnlich beeindruckend ist ein beim Bau berechnetes Echo. Klatscht man am Fuße der Pyramide in die Hände ertönt ein Echo, das angeblich exakt dem Geschrei des Maya-Kultvogel Quetzal entspricht. Ob es wirklich stimmt? Guide Diego klatscht – das Echo klingt tatsächlich wie Vogel-Geschrei.

Neben der Pyramide steht eine Art Fußballstadion. Der Ball durfte allerdings nur mit dem Rumpf berührt und in einen meterhohen Korb befördert werden. Dies war dem Kapitän der Mannschaft vorbehalten. Wer schließlich gewann, wurde vom Verlierer-Kapitän wurde geköpft. „Das war eine Ehre für ihn, sich opfern zu dürfen!“, sagt der Guide und unserem Sohn bleibt der Mund offen stehen. „Oh Gott, dann wäre ich ja längst tot“, sagt er. Er ist Fußballer. Er hat schon öfter gewonnen. Er möchte für seine Erfolge lieber nicht geköpft werden. Noch Tage später erzählt er jedem davon, der ihm begegnet.

Die Woche klingt dort aus, wo sich das Brautpaar damals kennengelernt hatte: In der Papaya Playa Bar in Tulum an der Riviera Maya. Dieser Ort ist denn auch unser persönliches Weltwunder. Die Bar liegt direkt am Karibik-Strand, es gibt Schaukeln für die Kinder, es weht eine frische Meeresbrise – und es ist einfach unsagbar schön hier. Schade, dass wir bald schon wieder nach Hause müssen…

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