Renovieren
 
Unser Heim soll schöner werden

Das Kinderzimmer braucht einen neuen Anstrich und beim Babybettchen ist der Lack ab? So vermeiden Sie Schadstoffe in Farben, Böden und Tapeten - und peppen das eigene Heim gekonnt auf!

Synthetische oder natürliche Zusätze - eine Glaubensfrage!

Renovieren: Unser Heim soll schöner werden
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Die gute Nachricht: Die klassischen Umweltgifte sind auf dem Rückzug. "Die Belastung mit herkömmlichen Lösemitteln und dem krebserregen-den Formaldehyd ist zurückgegangen", sagt Bernhard Schwald, Umwelttechniker beim TÜV-Süd in München. Die Industrie setzt inzwischen auf natürliche Mittel. Für das Raumklima hat das leider trotzdem nicht nur positive Folgen. "Man dachte, mit biologischen Mitteln würde alles besser. Aber auch da gibt es Nebenwirkungen", erklärt Allergologe und Umweltmediziner Dr. Peter Ohnsorge aus Würzburg.
Die Krux: Ganz ohne Ausdünstungen zu renovieren ist nicht möglich. Farben, Lacke, Kleber brauchen Binde- und Lösungsmittel, damit sie sich verstreichen lassen und haften bleiben. Es gibt deshalb nur zwei Möglichkeiten: Entweder man greift zu Produkten mit synthetischen und chemischen Zusätzen - die dünsten rasch und heftig aus, was bedeutet: eine Woche abwechselnd kräftig lüften und heizen. Oder aber man wählt etwa Naturfarben, die als Bindemittel Rizinus- oder Leinöl verwenden. "Sie verdampfen nur langsam und hängen Monate in der Luft", sagt Schwald. Er und seine Kollegen messen heute höhere Konzentrationen von Glykolverbindungen (die in solchen natürlichen Bindemitteln enthalten sind) in Innenräumen. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind noch unzureichend erforscht. Für Allergiker sind sie aber reizend und können die Schleimhäute angreifen.
Eine Studie des Umweltbundesamts hat ergeben, dass sich bei Kindern aus wohlhabenden Familien mehr allergiebegünstigende Terpene nachweisen lassen. Die Annahme: Ihre Eltern greifen öfter zu natürlichen Werkstoffen, in denen Terpene als Weichmacher oder Lösemittel vorkommen. Terpene verflüchtigen sich nur sehr langsam und können Allergikern so über lange Zeiträume zu schaffen machen.
Letztendlich ist es eine Glaubensfrage: Man muss sich entscheiden zwischen den synthetischen, "bösen" Zusätzen, die dafür aber schnell ausdünsten und die Raumluft nicht lange verschmutzen. Und natürlichen Zusätzen, die länger in der Luft bleiben und deren gesundheitliche Auswirkungen, vor allem für Allergiker nicht geklärt sind. Kinder und Erwachsen ohne erhöhtes Allergierisiko vertragen natürliche Stoffe aber in jedem Fall besser als Emissionen aus syn-thetischen Quellen. Ein Wegweiser für das Kinderzimmer:

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Die Wände: Der richtige Anstrich

Die meisten Schadstoffe gelangen während des Streichens in die Luft

Die erste Maßnahme vor dem Renovieren: Packen Sie einen Picknickkorb und schicken Sie die Kinder auf einen Ausflug mit ihrer Oma. Denn die meisten Schadstoffe gelangen während des Streichens in die Luft. Arbeiten Sie deshalb möglichst bei geöffnetem Fenster und lüften Sie danach gründlich.Der Klassiker für den Wandanstrich ist Dispersionsfarbe. Am besten wählt man hier Naturdispersionsfarben, die weitgehend auf künstliche und mineralölhaltige Zutaten verzichten. Stattdessen enthalten sie Leinöl oder Rizinusöl - und somit Terpene.Die umwelt- und raumluftfreundliche Variante: Leim- und Kaseinfarben. Bei Ihnen ist Leim beziehungsweise Milcheiweiß das Bindemittel. Deshalb sind sie quasi frei von Emissionen und geben keine Gerüche ab. Ihr Nachteil: Sie sind teurer und nur im Fachhandel erhältlich. Leimfarbe lässt sich zudem nur wieder mit Leimfarbe überstreichen. Als Mieter müssen sie deshalb beim Auszug die Wände abwaschen. Kasein- wie Leimfarbe sind unkompliziert in der Verarbeitung und vielfältig - zum Beispiel auch für Wischtechniken - einsetzbar.

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