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Fragen und Antworten Sonnenschutz bei Kindern

Sonnenschutz bei Kindern: eine Mutter cremt das Gesicht ihres Babys mit Sonnencreme ein
© insta_photos / Shutterstock
Zehn spannende Fragen und Antworten zum Thema Sonnenschutz bei Kindern.

1. Warum ist Sonnenschutz für die Kleinen so ein Riesenthema?

Weil Kleinkinder leichter einen Sonnenbrand bekommen. Ihre Oberhaut ist noch dünner und enthält weniger Hornzellen, die als sogenannte Lichtschwiele das Eindringen ultravioletter Strahlen (UV) verhindern. Vor allem aber sind Kinder sehr anfällig für bleibende Sonnenschäden: Die UV-empfindlichen Stammzellen, aus denen neue Hautzellen hervorgehen, liegen bei ihnen dichter unter der Hautoberfläche als bei Erwachsenen, und ihr Körper bildet noch kaum Melanin. Dieser körpereigene Farbstoff sorgt nicht nur für Sonnenbräune, er schützt auch das Erbgut in den Zellkernen vor Schäden wie Hautkrebs.

2. Gibt es bei Kleinkindern auch verschiedene Hauttypen?

Nein. Man kann ihre Hautmerkmale in den ersten Lebensjahren mit dem empfindlichsten Hauttyp 1 vergleichen, der die UV-Strahlung der Sonne nicht einmal zehn Minuten ungeschützt verträgt. Selbst bei dunkelhäutigen Kindern baut sich der Eigenschutz der Haut nur allmählich auf. Deshalb ist die Zuordnung zu den sechs Sonnenempfindlichkeits-Typen erst bei Jugendlichen ab etwa 16 Jahren sinnvoll.

3. Babys bitte nie mit Sonnencreme einschmieren, heißt es. Stimmt das?

Naja, fast: Hautärzte raten dazu, mindestens bis zum ersten, besser bis zum zweiten Geburtstag darauf zu verzichten. Der Grund: Weil bei kleinen Kindern die Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht größer ist als bei Erwachsenen, gelangen durchs Eincremen vergleichsweise viele Inhaltsstoffe in den Organismus – das sollte man sicherheitshalber vermeiden! Gerade die Kleinsten schützt man am besten, indem man die Sonne meidet und die Haut bedeckt. "Zwei Drittel der UV-Strahlen lassen sich im Sommer schon dadurch vermeiden, dass man zwischen 11 und 15 Uhr drinnen bleibt", sagt Professor Philipp Babilas vom Hautzentrum Regensburg. In der restlichen Zeit empfiehlt sich an sonnenintensiven Tagen ein schattiges Plätzchen, lange Ärmel und Hosenbeine, Söckchen, außerdem ein Sonnenhut mit breiter Krempe und Nackenschutz. Was sich partout nicht bedecken lässt – Hände, Gesicht, Ohren –, cremt man ein, und zwar bis zum Haaransatz und an die Kleidung heran. Auch wenn’s Flecken gibt.

4. Reicht es nicht, das Baby einfach in den Schatten zu legen?

"Auch im Schatten eines großen belaubten Baums kriegt man UV-Strahlung ab, noch etwa 50 bis 60 Prozent", betont der Hautkrebsspezialist Dr. Ulrich Klein vom Dermacenter Witten. Der dichte Stoff von Markisen, Sonnenschirmen oder -segeln kann noch mehr abfangen. Bei vielen Produkten wird ein Schutzfaktor angegeben. Übrigens: Auch bei bedecktem Himmel trifft UV-Strahlung auf die Haut.

5. Braucht mein Kind eine extra Kindersonnenmilch?

Nicht unbedingt, man kann auch eine "normale“ Milch oder Creme mit hohem Lichtschutzfaktor (ab LSF 30) sowie UVB- und UVA-Filter nehmen. Nicht geeignet sind aber Gele und Produkte auf Alkoholbasis, weil sie gerade sehr junge Haut schnell austrocknen. Spezielle Kindersonnenschutzprodukte verzichten zudem oft auf mögliche Allergieauslöser wie Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe und sind besonders wasserfest. Einen hohen LSF erreichen die Hersteller meist durch die Kombination von physikalischen Sonnenschutzfiltern (zum Beispiel Titandioxid oder Zinkoxid) und chemischen Filtern.

6. In vielen Kinderprodukten sind Nanopartikel enthalten. Sind die unbedenklich?

Für gesunde Haut laut Institut für Risikobewertung schon. Was die winzigen Teilchen aber in wunder oder verletzter Haut auf lange Sicht anstellen, weiß man noch nicht. Das Problem: Als Nanopartikel geben Hersteller gerade die für Kinder empfohlenen physikalischen Schutzfilter in die Produkte, damit die weißlichen, reflektierenden Filter sich besser verteilen lassen. "Aber der Vorteil von physikalischen Filtern ist ja, dass sie nicht tief in die Haut eindringen und dort auf die Zellen einwirken. Bei Nanopartikeln ist das nicht mehr sicher", gibt der Regensburger Experte Prof. Philipp Babilas zu bedenken. Sonnencremes mit physikalischen Filtern ohne Nano sind deshalb die bessere Wahl.

7. Muss man immer 30 Minuten warten, bis die Sonnencreme wirkt?

Physikalische Filter wirken sofort, chemische nicht. Wer ein kombiniertes Produkt verwendet, hat den vollen Schutz deshalb nicht gleich nach dem Auftragen. Gut ist das Einschmieren vor dem Rausgehen noch aus einem anderen Grund: Man hat mehr Ruhe, cremt deshalb gründlicher – und umgeht erst mal den Stress, sein unternehmungslustiges Zweijähriges draußen erst einfangen zu müssen. Nachcremen sollte man aber alle zwei Stunden, gerade am Strand, wo der Schutz leicht abgerieben oder weggewaschen ist.

8. Ist es in unseren Breiten wirklich nötig, Kinder wie Imker anzuziehen?

Nein, die komplette UV-Schutz-Ausrüstung muss in Mitteleuropa nicht sein. Auch normale, lange Sachen schützen die Kinderhaut gut. Da eignen sich dicht gewebte und nicht zu leichte Stoffe, die locker sitzen. Kunstfasern sind in Sachen UV-Schutz besser als Naturstoffe, weil sie dichter gearbeitet sind und weniger Strahlen durchlassen. UV-Schutzkleidung bietet natürlich noch mehr Sicherheit: Die meisten Hersteller erreichen allein durch Material (immer Synthetik) und Webart einen Schutzwert von 50 UPF (Ultraviolett Protection Factor) oder mehr. Das heißt, dass maximal zwei Prozent der Strahlen auf die Haut gelangen. Am wirksamsten ist Kleidung, die nach dem strengen UV-Standard 801 geprüft, zertifiziert und gekennzeichnet wurde.

9. Welchen Unterschied macht die Farbe bei der Kleidung?

Einen großen: Dunkle Stoffe werfen UV-Strahlung besser zurück als helle. Gleichzeitig aber wird einem in dunkler Kleidung leichter warm. Umgekehrt bei hellen Sachen: Die kühlen besser, weil sie die wärmende Infrarotstrahlung reflektieren, aber zugleich kommt mehr UV-Licht durch. Deshalb ist spezielle UV-Schutzkleidung fast immer dunkel.

10. Ist Kinderhaut im Auto sicher?

Nicht in der prallen Sonne. Fensterglas lässt die UVA-Strahlung fast ungehindert durch – und wie UVB kann auch sie an der Entstehung von Hautkrebs beteiligt sein. Aber Sonnenblenden oder Rollos am Seitenfenster schützen ausreichend. Noch besser sind Schutzfolien, die die Hitze gleich mit draußen halten.

ELTERN

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