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Studie zum Weltspieltag Kinder mit Behinderungen finden kaum einen Spielplatz

Kind mit Behinderung auf einem Spielplatz
© Jaren Wicklund / Adobe Stock
Treffpunkt für alle? Leider nicht. 80 Prozent aller Spielplätze sind ungeeignet für Kinder mit Behinderungen. Dabei zeigen andere Länder, wie inklusives Spielen gehen kann. Den größten Nachholbedarf haben Brandenburg und Schleswig-Holstein. 

Fast 80 Prozent der Spielplätze in Deutschland sind ungeeignet für Kinder mit Behinderung. Das stellte eine Studie der "Aktion Mensch" in Zusammenarbeit mit dem Forschungs­institut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) fest. Eigentlich besteht ein Recht auf Teilhabe – aber Spielplätze sind davon weit entfernt.

Anlass der Veröffentlichung ist der Weltspieltag 2023, der unter dem Motto steht: "Schluss mit der Einfalt - Es lebe die Vielfalt!".

Das größte Problem sei die Beschaffenheit der Böden. "Gerade einmal ein Prozent der Spielplätze verfügt über befahrbare Zuwege zu allen Geräten und weniger als ein Prozent über Leitsysteme oder andere taktile Hilfen", so ein Ergebnis der Studie. Begutachtet wurden 1000 Spielplätze bundesweit. "Angesichts Sand und Hackschnitzeln scheitert der Spielplatzbesuch für Kinder mit einer Mobilitätseinschränkung oder Sehbehinderung meist bereits vor Erreichen der Spielgeräte."

So ungeeignet sind Spielplätze für Kinder mit Behinderung

Weitere Mängel sind:

  • Nur ein Prozent der Spielplätze haben eine barrierefreie Anbindung an Parkplätze oder den öffentlichen Nahverkehr.
  • Weniger als 0,2 Prozent haben ein Leitsystem für Kinder mit Sehbeeinträchtigung.
  • Nur 15 Prozent berücksichtigen verschiedene Fähigkeiten der Nutzer:innen durch unterschiedliche Greifhöhen.
  • Weniger als 1,7 Prozent der Geräte haben Stufen mit Haltegriffen oder Rampen zur ersten Spielebene.

Je größer die Stadt und Bevölkerungsdichte, desto inklusiver sind die Spielplätze. Im Vergleich der Bundesländer ist Berlin Spitzenreiter. Hier haben mit 36 Prozent rund ein Drittel aller Spielplätze inklusive Merkmale. Schlusslichter sind Schleswig-Holstein und Brandenburg mit jeweils nur 9,8 Prozent.

Andere Länder zeigen, wie es geht

"Dabei geht es auch anders", sagte Christina Marx, Sprecherin der "Aktion Mensch". "Das zeigen uns Länder wie Frankreich, USA oder Großbritannien. Hier werden nämlich befahrbare Böden benutzt, aus Gummimischungen oder Korkmischungen." In den USA ist es seit 2012 gesetzlich festgelegt,  dass neu errichtete Spielplätze barrierefrei sein müssen. Neben dem Zugang umfasse dies auch die Gestaltung der Geräte, etwa durch Rampen oder verschiedene Griffhöhen.

"Nicht jedes Kind muss jedes Spielgerät nutzen können, aber es sollte für jedes Kind mit seinen spezifischen Bedürfnissen ein Spielgerät da sein", so Marx. 

Das Problem ist fehlende Verbindlichkeit

Eines der Hauptprobleme hierzulande: Die Anwendung der existierenden DIN-Normen zur Barrierefreiheit ist freiwillig. "Beim Spielplatzbau müssen Menschen mit Behinderung von den ersten Planungsschritten an mitgedacht werden, um einer Diskriminierung bereits im Kindesalter entgegenzuwirken", sagte Marx. "Ohne ein Gesetz zur verpflichtenden Umsetzung haben die derzeitigen Rahmenbedingungen keine Durchschlagskraft."

"Aktion Mensch" stellt bereits Checklisten und Normen bereit, die Entscheider:innen bei der Planung von inklusiven Spielplätzen helfen sollen. Seit 2018 gibt es das Projekt "Stück zum Glück", bei dem "Aktion Mensch" gemeinsam mit den Kooperationspartnern von "Procter & Gamble" und "Rewe" inklusive Spielplätze baut. 40 inklusive Spielplätze deutschlandweit sind bereits geschaffen.

Die Themenwoche ist Teil der Initiative "Vielfalt verbindet" von RTL Deutschland, die Aufmerksamkeit für Diversity-Themen schafft und crossmedial für Gemeinschaft, Toleranz und Gleichberechtigung eintritt. "Vielfalt verbindet" möchte Sichtbarkeit schaffen für Vielfalt – in all ihren Erscheinungen. Mehr Infos gibt es unter: rtl.de/vielfalt
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© RTL

Verwendete Quellen: aktion-mensch.de, recht-auf-spiel.de

jwe ELTERN

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