Adoption und Pflege
 
Adoption - was ist das eigentlich genau?

Was geschieht eigentlich genau bei einer Adoption? Was ist der Unterschied zwischen Adoptiv- und Pflegekindern? Und welche Formen der Adoption gibt es?

Adoption: Was ist das eigentlich genau?
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Adoption versus Pflege

Bei einer Adoption wird ein rechtliches, nicht auf biologischer Abstammung beruhendes Eltern-Kind-Verhältnis gegründet. Dabei wird die verwandtschaftliche Beziehung zu den leiblichen Eltern des Kindes aufgelöst und ein neues Verwandtschaftsverhältnis zu den sozialen Eltern rechtlich besiegelt.

Mit der Adoption wird das Kind voll erb- und unterhaltsberechtigt. Aufgelöst werden kann eine Adoption nur unter ganz besonderen Umständen und ausschließlich zum Wohl des Kindes.

Der Unterschied zwischen Adoption und Pflege:

Adoptierte sind formal und rechtlich alleinige Kinder ihrer sozialen und nicht mehr ihrer leiblichen Eltern. Die Adoptiveltern sind sorgeberechtigt und für den Unterhalt des Kindes verantwortlich. Sie können ab dem Zeitpunkt der Annahme des Kindes Elterngeld beziehen. Pflegeeltern haben diese Möglichkeit nicht. Gemeinsam ist Adoptiv- und Pflegeeltern aber, dass sie bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen können, wobei ein Anteil von bis zu 12 Monaten bis zum Ende des achten Lebensjahres übertragen werden kann.

Pflegeeltern erhalten im Gegensatz zu Adoptiveltern nicht das Sorgerecht für das ihnen anvertraute Kind. Sie sind lediglich Vertragspartner des Jugendamtes und erbringen eine Dienstleistung für die leiblichen Eltern, die ihr Kind aus verschiedenen Gründen nicht selbst versorgen können. Die Pflegeeltern erhalten finanzielle Unterstützung für den Unterhalt des Kindes und für ihren erzieherischen Einsatz. Außerdem haben sie Anspruch auf fachliche Hilfe und Begleitung durch das Jugendamt. Etwa 60 Prozent der Kinder binden sich aber so fest an ihre Pflegefamilie, dass sie letztendlich - ähnlich wie Adoptivkinder - bei dieser bleiben.

Verschiedene Formen der Adoption

Bei der Inkognito-Adoption gibt es zwischen alter und neuer Familie keinerlei Verbindung und prinzipiell haben auch erst volljährige Kinder die Möglichkeit, Auskünfte über ihre biologischen Eltern einzuholen. Bei dieser Adoptionsform hat das Kind nicht die Chance, sich mit mit seiner Herkunftsfamilie auseinandersetzen. Fachleute hielten dies lange Zeit für einen Vorteil, da dem Kind so ein Loyalitätskonflikt erspart werde. Heute gehen Psychologen und Sozialarbeiter mehrheitlich davon aus, dass dem Kind das Wissen um seine Wurzeln nicht vorenthalten werden sollte, da es sonst zu Identitätsfindungsproblemen kommen kann. Auch für die leiblichen Eltern ist eine Inkognito-Adoption schwer zu verkraften, da sie sich oft falsche Vorstellungen über das Leben des Kindes in der anderen Familie machen statt aus der Ferne teilhaben zu können.

Bei der halboffenen Adoption wird der Kontakt zwischen leiblichen Eltern und ihrem Kind in anonymer Form - zum Beispiel durch Briefe und Fotos (immer aber ohne Angabe von Namen oder Adressen) - über das Jugendamt oder die vermittelnde Agentur aufrechterhalten.

Immer häufiger ist die offene Adoption. Hier stehen leibliche und Adoptiveltern dirket, also ohne Einbindung des Jugendamtes oder der Vermittlungsagentur, in regelmäßigem Kontakt. Untersuchungen haben gezeigt, dass offene Adoptionen großenteils positiv verlaufen. Wichtig ist aber, dass Adoptiv- und leibliche Eltern offen und ehrlich miteinander umgehen, weil unausgesprochene Konflikte zwischen den Elternpaaren im Adoptivkind tiefe Konflikte auslösen und seine Identitätsentwicklung gefährden können. Vorteilhaft bei dieser Art der Adoption ist, dass die leiblichen Eltern die Entwicklung ihres Kindes verfolgen können und die Adoptiveltern keine Angst vor den leiblichen Eltern haben müssen. Das Kind kennt seine Wurzeln, und hat dadurch weniger Probleme bei der Findung seiner eigenen Identität. Es geschieht nur selten, dass ein Kind dadurch, dass es „zwei Eltern“ hat, in einen Loyalitätskonflikt kommt.

Die häufigste Art der Adoption ist die Stiefkind-Adoption, wobei der Ehepartner das Kind seiner Frau beziehungsweise seines Mannes adoptiert. Hier gilt ein sehr vereinfachtes Verfahren.

Weil nur wenig deutsche Kinder zur Adoption freigegeben werden - im Jahr 2004 kamen rechnerisch auf ein Adoptivkind ganze elf Bewerber - finden immer häufiger Adoptionen mit Auslandsberührung statt. Viele Adoptivbewerber sind älter als 35 Jahre. In Falle einer Auslandsadoption wendet man sich nach dem Eignungsverfahren beim deutschen Jugendamt an eine anerkannte private Vermittlungsstelle. Zur Adoption ausländischer Kinder gibt es immer auch viele kritische Stimmen. Denn bei so genannten Privatadoptionen, die ohne Vermittlungstelle zu Stande kamen, ist nicht immer nachvollziehbar, ob das Kind legal ins Land gekommen ist oder es sich um Kinderhandel handelt.