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Wissen, wie's geht: Web 2.0

In "Wissen, wie's geht" finden Sie das Basiswissen, das Sie brauchen, um sich im Internet zurecht zu finden. Wir führen Sie Schritt für Schritt durch verschiedene Themen

Internet von allen für alle?

Schon lange ist es kein Privileg mehr von Journalisten, Dichtern und Verlegern, eigene Texte zu veröffentlichen. Im Internet kann jeder zum Autor, zum Radioreporter oder zum Filmproduzenten werden. Das beweisen längst Millionen privater Homepages. Jetzt kann sich per Podcast oder Blog jeder Internet-User außerdem in die aktuelle Berichterstattung einschalten, oder auf Portalen wie youtube oder myspace Bilder und Videos veröffentlichen. Für all das steht ein Oberbegriff: Web 2.0.

Noch interaktiver, noch multimedialer soll die neue Generation des World Wide Web sein und ständig von der Netz-Gemeinde mit Inhalten gefüllt werden. Doch in der schönen neuen Welt liegen ein paar Stolpersteine. Denn wo jeder im Prinzip tun und lassen - beziehungsweise: veröffentlichen - kann, was er will, wird immer auch Problematisches kommuniziert werden, und kriminelles Potential tritt zutage.

Online Lexikon

Die bekannteste Web 2.0-Anwendung ist wohl Wikipedia. Das Online-Lexikon wird von den Nutzern selbst geschrieben. Entsprechend unterschiedlich ist die Qualität und Seriosität der Beiträge. Dennoch hat sich Wikipedia als zentrale Anlaufstelle in Sachen kostenloses Nachschlagen im Internet durchgesetzt.

Social Bookmarking

Wer sich nicht mehr nur auf die Ergebnisse von Google und Co. verlassen will, nutzt mittlerweile eine andere Möglichkeit, um an gute Suchergebnisse im Internet zu kommen: Social Bookmarking. Auf den Social Bookmarking-Portalen speichern User ihre Lieblingswebseiten und stellen dieses Angebot anderen Nutzern zur Verfügung.

Foto- und Videoportale

Weltweit bekannt geworden ist das Foto- und Videoportal youtube.com im Herbst 2006, weil Google das Portal für 1,65 Milliarden Dollar gekauft hat. Die im Jahr zuvor gegründete Videosharing-Seite funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Nutzer stellen dort nach kostenloser Registrierung ihre eigenen Fotos und Videos ein und versehen sie - genau wie beim Social Bookmarking - mit Schlagwörtern.

Alle Internetnutzer können sich diese Filme gratis ansehen. Rund 100 Millionen Videoclips werden täglich auf der Videoseite abgespielt. Was nicht ganz unproblematisch ist. Etwa, wenn pornografische Filme gezeigt werden oder Material, das in Deutschland auf dem Index steht, etwa Filme mit rechtsradikalen und gewaltverherrlichenden Inhalten. Auch können die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt werden, die - möglicherweise unwissentlich - gefilmt wurden und sich plötzlich auf solchen Portalen wiederfinden.

Zwar gibt es auf youtube Regeln, was gezeigt werden darf, und was nicht. Doch wirklich kontrollieren kann man die Flut minütlich hinzukommender Filmchen kaum.

Sehr wahrscheinlich ist allerdings, dass die neuen Besitzer von youtube künftig noch mehr Wert auf Jugendschutz und die Einhaltung von Urheber- und Persönlichkeitsrechten legen werden - schließlich müssen sie auf ihren Ruf achten. Außerdem weckt ein finanziell starkes Unternehmen wie Google auch Begehrlichkeiten. Wie weit diese Sicherheitsmaßnahmen allerdings greifen werden, bleibt abzuwarten. Videoportale gibt es inzwischen auch in Deutschland.

Lediglich Bilder ins Netz stellen kann man bei Portalen wie Flickr. Auch hier ließen übrigens die großen Spieler im Internet nicht lange auf sich warten: Die Foto-Gemeinde wurde vor einigen Monaten für rund 35 Millionen Dollar von Yahoo gekauft.

Community-Plattformen

Ein weiteres bekanntes Beispiel für Web 2.0 ist die Community-Plattform Myspace. Dort kann jeder sein eigenes Profil erstellen, mit Fotos, Musik und Videos anreichern, mit Gleichgesinnten in Kontakt treten und Freunde einladen. Das Portal gibt es als Betaversion inzwischen auch in einer deutschen Fassung.

Amerikanische Highschool-Schüler ohne einen Myspace Account gehören inzwischen zur absoluten Minderheit. Und auch diese Plattform befindet sich mittlerweile in professionellen Händen: Sie wurde vom Medienmogul Rupert Murdoch im vergangenen Jahr gekauft - für 580 Millionen Dollar. Auch hier liegen die Probleme auf der Hand: Denn wie steht es etwa um Datenschutz, Jugendschutz oder Urheberrechte, wenn jeder veröffentlichen kann, was er will?

Alles soll sicherer werden, gelobt der neue Besitzer und hat "Audio-Fingerabdrücke" angekündigt, um die eigenen User davon abzuhalten, urheberrechtlich geschützte Musik hochzuladen. Mit einem "Internet Survival Guide" für Eltern soll außerdem für mehr Schutz gegen sexuelle Belästigung jugendlicher MySpace-Nutzer gesorgt werden.

Die "Netztagebücher"

Ebenfalls typisch für Web 2.0: Blogs oder Weblogs. Sie werden oft auch als "Netztagebücher" bezeichnet. Tatsächlich aber kann in ihnen viel mehr stecken als bloße Aufzeichnungen über die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse eines Tages. In einem typischen Blog veröffentlicht ein Autor (der Blogger) Informationen, die ihm wichtig erscheinen, oder er kommentiert aktuelle Ereignisse. So reagieren viele Weblogs in kürzester Zeit zum Beispiel auf wichtige politische Entwicklungen oder informieren über (Umwelt-)Katastrophen (Beispiel: Tsunami) – oder sie setzen sich, wie beispielsweise BILDblog.de , tagesaktuell und kritisch mit der Berichterstattung anderer Medien auseinander.

Blogs sind in der Regel auf Kommunikation angelegt. Das heißt, die Leser können die Einträge kommentieren und so mit dem Autor oder anderen Lesern diskutieren. Auch traditionelle Onlinemedien wie etwa DIE ZEIT haben inzwischen in ihren Portalen Weblogs eingebunden. Es gibt mittlerweile Millionen von Blogs, deren Qualität allerdings naturgemäß sehr unterschiedlich ist.

Blogs lassen sich rasch und unkompliziert produzieren. Die notwendige Software und den Webspace bekommt man kostenlos im Internet. Für diesen Service muss man allerdings bei einigen Anbietern Werbebanner im eigenen Blog in Kauf nehmen. Wer es lieber werbefrei mag, bezahlt einige Euro im Monat. Wer bloggt, möchte natürlich auch gern Leser haben, deshalb ist es wichtig, mit seinem Blog in verschiedenen Datenbanken im Internet aufzutauchen. Dies kann man in der Regel direkt über den Bloganbieter erledigen.

Radio aus dem Web

Noch nie war es so einfach, sein eigenes Radioprogramm zu produzieren und zu "senden" - mit dem eigenen Podcast nämlich. Ein Computer (PC oder Mac) mit Soundkarte, Mikrofon, Internetanschluss, Webspace und die passende Software genügen, und schon kann's losgehen. Podcast ist eine Wortkombination aus dem englischen Broadcast und dem Namen des bekannten MP3-Players iPod - eine Art "Download-Radio" aus dem Web.

So können Tondokumente, unabhängig von ihrer Liveübertragung, am PC angehört bzw. auf einen MP3-Player überspielt werden. Podcasts werden inzwischen von vielen Radio- und Fernsehsendern, aber auch von Zeitungen und Zeitschriften angeboten. Auch viele Prominente haben die neue Technik für sich entdeckt und produzieren freie wie kostenpflichtige Programme. Daneben gibt es eine unüberschaubare Menge privater Podcasts.

Fazit

Ein offenes Internet, an dem alle mitarbeiten, bedeutet gewiss ein Stück Demokratie in der Informationsgesellschaft - allerdings dürfen dabei die gesetzlichen Grundlagen aus dem realen Leben nicht außer Acht gelassen werden. Darauf müssen sich die Internetbürger verständigen. Wer dies beachtet, kann starten: schreiben, produzieren und senden.

Linkliste

Online-Lexikon
wikipedia.de


Social-Bookmarking-Portale
del.icio.us
taggle.de


Foto- und Videoportale
Youtube.com
Der Eltern.de-Channel bei Youtube
sevenload.de/home
flickr.com

Diese Portale stellen Software und Webspace für Blogger zur Verfügung.
blogg.de
blog.de
blogger.com

Blogverzeichnisse, mit denen man seinen Blog bekannt machen kann.
blogger-community.de
weblogs.com

Audioprogramm für Linux, Mac und Windows zum Aufnehmen, Digitalisieren, Schneiden, Kopieren und Mixen und zum Bearbeiten von MP3 und Wave Dateien.
Audacity

Kostenloses
Magix Podcast Maker

Die Software "Magix Podcast Maker" kostet rund 30 Euro. Sie wird für Schulen und Bibliotheken kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das Softwarepaket iLife von Apple.
apple.com/de/ilife

Umfangreiche Informationen und Tipps für Podcastmacher, außerdem im Angebot: zehntausende Podcasts von namhaften Radiosendern und unabhängigen Anbietern.
podcast.de
podster.de

Anregungen und Beispiele von Apple, wie sich Podcasts im Bildungsbereich nutzen lassen.
Apple iTunes Store - Podcasts

Ausführlichere Anleitungen zum Podcasten und Praxisbeispiele für Podcasts im Unterricht.
Podcasts im Unterricht

Basisinformationen für Podcasting in der Schule
schulpodcasting.info
lehrer-online.de

Internet ABC

Um sich noch besser im Internet zurecht zu finden, gibt es viele weitere Erklärungen auf den "Wissen wie's geht"-Seiten des Internet-ABC.

Lesen Sie zum Thema Internet auch den Artikel "Internet-Glossar"

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