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"Familienpolitik hat Konjunktur"

In einer Gesprächsrunde stellte sich der familienpolitische Sprecher der CSU, Johannes Singhammer, den Fragen der ELTERN Redaktion. Der Bundestagsabgeordnete erläuterte die aktuellen Koalitionsbeschlüsse und die Ziele der derzeitigen Familienpolitik.

Die Eckpunkte

Gute Nachrichten verbreitet man gerne, und so hatte Johannes Singhammer, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend der CDU/CSU Bundestagsfraktion zum Austausch mit der Redaktion auch das druckfrische Einigungspapier mitgebracht, auf das sich die Koalition verständigt hatte:

  • Die Krippenplätze werden verdreifacht auf 750 000 Betreuungsplätze
  • Die Finanzierung der geplanten Kosten von 12 Milliarden Euro ist gesichert
  • Ab 2013 wird sogar ein Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz bestehen
  • Außerdem geplant: Ein Betreuungsgeld von ca. 150 Euro für Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Krippe geben

Umdenken gefordert

Betreuungsplätze und finanzielle Unterstützung sind wichtig, doch Geld allein ist nicht alles, gab ELTERN-Redakteurin Rosa Wetscher zu bedenken. Johannes Singhammer stimmte dem zu: "Deutschland ist kein kinderfreundliches Land. Wir müssen Umdenken lernen, doch das ist das Schwierigste."

Familie wird in unserer Gesellschaft mehr und mehr als Belastung, als Hemmschuh für die vom Arbeitsmarkt geforderte Flexibilität und die persönliche Entwicklung gesehen: "Erschreckend finde ich, dass viele junge Männer keine Kinder mehr haben wollen", so der Familienpolitiker, der selbst Vater von sechs Kindern ist.

Um das verzerrte Bild in der Öffentlichkeit von Familien und Kindern etwas gerade zu rücken, plant die Regierung noch in diesem Jahr eine groß angelegte Imagekampagne. Unter dem Arbeitstitel "Deutschland: Kinder gehören dazu" sollen die positiven Aspekte des Lebens mit Kindern hervorgehoben werden.

Gezielte Fragen

Beim Thema Elterngeld hakte Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki nach. "Das Elterngeld ist meiner Ansicht nach ein Instrument, um Akademikerinnen zum Kinderkriegen zu bewegen. Junge Frauen, die noch kein hohes Einkommen haben, bringen 300 Euro Sockelbetrag im Monat auch nicht weiter."

Abstreiten konnte dies der Politiker nicht. Er setzt auf die Statistik: Da noch keine statistischen Ergebnisse vorliegen, sei die Wirkungsweise des Elterngeldes noch nicht sicher: "Wenn wir in ein paar Wochen Zahlen haben, können wir sehen, wer was beantragt und wie viel gezahlt wird. Dann können wir auch überprüfen, ob es ein geeignetes Instrument ist."

Gerade Paare, die sich mehrere Kinder wünschen, sehen trotz Elterngeld vom zweiten und dritten Kind ab, um nicht in finanzielle Schwierigkeiten zu kommen, argumentierte ELTERN-Redakteurin Sabine Grüneberg. Vor dem Hintergrund einer "entspannten Finanzsituation" im Bundeshaushalt schilderte der Politiker seine Vision: Eine Differenzierung beim Kindergeld, das für Zweit- und Drittgeborene deutlich angehoben werden könnte und steuerliche Vorteile, wie Freibeträge von 8000 Euro pro Familienmitglied wären eine "sinnvolle, machbare und auch elegante" Art, um Familien finanziell unter die Arme zu greifen, sagte der Familienpolitiker.

ELTERN-Vorschlag: Familienbeauftragte

Elterngeld und Krippenplätze sind Maßnahmen, die Eltern mit kleinen Kindern den Start als Familie erleichtern sollen. Doch nach Krippe und Kindergarten sind mit dem Schuleintritt für viele Familien Betreuungsprobleme so präsent wie eh und je. "Oft scheitert die Verbindung von Familie und Beruf an konkreten Personen vor Ort, wie der Schulleitung, die sich weigert, eine zweite Hort-Klasse einzurichten", erläuterte Claudia Greiner-Zwarg, stellvertretende Chefredakteurin von ELTERN FAMILY.

Ein Familienbeauftragter, so der Vorschlag der ELTERN Redaktion, der vor Ort zwischen Betreuern und Eltern vermittelt, und sich für eine gute Lösung von Betreuungsproblemen einsetzt, wäre ein mögliches politisches Ziel. "Ich werde das als Anregung mitnehmen", versprach der Bundestagsabgeordnete zum Abschluss des Gesprächs. Und wir werden beim nächsten Gespräch nachhaken.

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