Kommentar
 
#CoronaEltern: „Die Kinder bleiben unsichtbar“

Wir wollten wissen, wie es Familien gerade wirklich geht. Ein Kommentar von Laura Fröhlich: Mein Sohn vermisst seine Freunde, meine Tochter ist traurig, dass sie ihren Kindergeburtstag nicht feiern kann und unser Großer befürchtet, dass der Sommerurlaub am Meer nicht stattfinden wird.

Laura Fröhlich hält ihr Kind auf dem Arm, das eine Maske trägt
Laura Fröhlich
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Es gibt keinen Fußball auf dem Rasen, keine Sammelkarten-Tauschtreffen und keine Ausflüge in die Bücherei ­– dafür Ärger mit den Hausaufgaben und ewige Diskussionen um Medienzeiten und Serien-Marathons.

„In der Politik ist über unsere Situation herzlich wenig zu hören“

Laura mit ihren drei Kindern, die alle Masken tragen
Laura Fröhlich

Was macht das eigentlich mit den Kindern, diese Quarantäne? Und was bedeutet das für die Beziehung zu uns Eltern, wenn wir uns hier wochenlang auf die Nerven gehen? Denn zu fünft unter einem Dach (wir haben keinen Garten), geraten wir alle an unsere Grenzen – Große wie Kleine. In der Politik ist herzlich wenig über unsere Situation zu hören. Autohäuser machen auf, die Bundesliga plant Geisterspiele, aber die Kinder bleiben weiterhin unsichtbar.
 
Unsere Kinder werden es schaffen, wenn es nicht noch Monate lang so weitergeht, aber was ist mit den Kindern, die andere Voraussetzungen im Leben haben? Enge Wohnräume, Eltern am Limit, denen die Hand ausrutscht oder die ihre Ängste und Zweifel in Alkohol ertränken? Was ist mit Alleinerziehenden und deren Kindern, was ist mit denen, um deren Hausaufgaben sich keiner kümmern kann, und die noch abgehängter sein werden als jemals zuvor?
 
„Kinder und Jugendliche wurden in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht als Personen mit ebenbürtigen Rechten gesehen, sondern als potentielle Virusträger. Sie wurden in ihren Lebenswelten massiv eingeschränkt, nicht zum eigenen sondern zum Schutz Anderer. Die Betrachtung von Kindern nicht aus ihrer eigenen Perspektive, sondern als „Mittel zum Zweck“ widerspricht ihrer persönlichen Würde,“ schrieb heute die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. in einer Stellungnahme. Darin wurde darauf hingewiesen, dass wichtige Vorsorgeuntersuchungen für Kinder ausbleiben und die Isolation von anderen, massive psychische Schäden mit sich bringen kann.

„Je weniger privilegiert, desto schneller sind die Batterien leer“

Zitat zum Thema #CoronaEltern
Laura Fröhlich

Wir Eltern können bald nicht mehr, je weniger privilegiert, desto schneller sind die Batterien leer. Vor allem aber machen wir uns Sorgen um unsere Kinder. Unter dem von der Journalistin Mareice Kaiser gegründeten Hashtag #CoronaEltern wird keineswegs eine sofortige Öffnung von Kindergärten und Schulen verlangt. Wir sind uns dessen bewusst, was es heißt, Mitmenschen zu schützen, denn wir tun das mit unseren Kindern seit Wochen. Wir sperren Kinder ein, die Rumtoben und den Kontakt zu anderen so dringend brauchen wie Luft und Nahrung. Wir möchten, dass Kinder und ihre Eltern Gehör bekommen. Dass sich die Politik als erstes darum bemüht, Schaden von unseren Kindern fernzuhalten und uns erschöpften Eltern Lösungen aufzeigt.  Ich möchte die Menschen daran erinnern, wer mit massenhaft unbezahlter Care-Arbeit und mit aller zur verfügbar stehenden Kraft die Grundlage für unser Gesellschaftssystem schafft: dass Kinder geboren und groß gezogen werden.
 
Mein kleiner Sohn hat seit drei Wochen zwei unsichtbare Freunde, sie heißen Thomas und Michael. In der WhatsApp-Gruppe unseres Kindergartens gibt es ein Video von der kleinen Mia, die sich weinend an die Erzieherin wendet: „Melissa, ich vermisse dich so!“ Es bricht einem das Herz.

Laura Fröhlich
schreibt auf ihrem Blog Heute ist Musik über Mental Load, alte und neue Mutterbilder, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und natürlich das Leben mit ihren drei Kindern. Ihr könnt ihr auch auf Instagram folgen @heuteistmusiklaura.

Kommentar: #CoronaEltern: „Die Kinder bleiben unsichtbar“

Dieser Beitrag ist Teil der Initiative GEMEINSAM GEGEN CORONA der Bertelsmann Content Alliance, zu der auch der Verlag Gruner + Jahr gehört, in dem ELTERN erscheint. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus.

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