Fehlgeburt
 
Missed Abortion: Wenn das kleine Herz plötzlich nicht mehr schlägt

Schmerzen, Blutungen und Krämpfe begleiten normalerweise eine Fehlgeburt. Bei einer Missed Abortion stirbt der Embryo ganz ohne äußere Symptome. Wie wird die Diagnose verhaltene Fehlgeburt gestellt und was passiert dann?

Missed Abortion junge Frau
iStock, tommaso79
Inhalt: 
Was ist eine Missed Abortion? Welche Symptome deuten auf eine Missed Abortion?Welche Ursachen hat eine Missed Abortion?Wie diagnostiziert der Arzt eine verhaltene Fehlgeburt?Wie behandelt der Arzt eine verhaltene Fehlgeburt? Was spricht für eine „kleine Geburt“?Trauer nach einer verhaltenen FehlgeburtWie groß ist das Risiko einer weiteren Missed Abortion?

Was ist eine Missed Abortion?

Bei einer Missed Abortion handelt es sich um eine besondere Form der Fehlgeburt. Sie wird auch als verhaltene Fehlgeburt oder verhaltener Abort bezeichnet. Wie der englische Name andeutet, „verpassen“ (to miss) die betroffenen Frauen sozusagen die Fehlgeburt. Da die Fruchtanlage nicht direkt abgeht, bemerken sie oft nicht, dass ihr Baby nicht mehr lebt.

Welche Symptome deuten auf eine Missed Abortion?

Bei einer verhaltenen Fehlgeburt treten die typischen Symptome wie Blutungen, Schmerzen und Krämpfe zunächst nicht auf. Denn anders als bei einer normalen Fehlgeburt wird der Embryo nicht spontan vom Körper ausgestoßen. Er bleibt im Uterus. Der Muttermund ist weiterhin geschlossen. Der Tod des Babys wird von der Mutter nicht unmittelbar registriert. Häufig erkennt erst der Frauenarzt bei einer Routineuntersuchung im Ultraschall, dass keine Kindsbewegungen mehr zu sehen sind. Ein ungutes Gefühl haben viele Schwangere aber schon vorher. Denn da nach dem Tod des Fötus auch der Wert des Schwangerschaftshormons HCG sinkt, gehen auch die typischen Schwangerschaftsanzeichen zurück. Einige Frauen berichten, dass die Übelkeit weg war oder das Spannen in den Brüsten nachgelassen hatte und sie dadurch bemerkten, dass etwas nicht in Ordnung war.
Eine seltene Komplikation eines verhaltenen Aborts ist das sogenannte Dead-Fetus-Syndrom. Durch den abgestorbenen Embryo gelangen Proteine und Enzyme in den mütterlichen Blutkreislauf und verursachen dort eine Gerinnungsstörung.

Welche Ursachen hat eine Missed Abortion?

Verhaltene Fehlgeburten haben nicht immer die gleiche konkrete Ursache. Die Gründe sind ebenso verschieden wie bei einer normalen Fehlgeburt. Am häufigsten verlieren Frauen einen Embryo aufgrund einer genetischen Störung (80 Prozent). Das geschieht dann in der Regel bereits in der frühen Schwangerschaft (vor der 12. SSW). Aber auch in anderen Stadien der Schwangerschaft kann ein Fötus, der sich kurz zuvor noch bewegte und dessen Herzschlag man im Ultraschall sehen konnte, im Mutterleib sterben. Weitere Gründe für einen Missed Abort sind Infektionen, Fehlbildungen von Gebärmutter oder Plazenta, eine Blutgruppenunverträglichkeit oder hormonelle Störungen. Wichtig zu wissen: Eine Fehlgeburt ist keine Seltenheit. Rund 30 Prozent der Frauen müssen in ihrem Leben diese Erfahrung machen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine verhaltene Fehlgeburt?

Ein Anzeichen für eine verhaltene Fehlgeburt ist, dass dein Arzt bei einer Ultraschalluntersuchung keine Kindsbewegungen mehr feststellen kann. Die CTG-Untersuchung wird außerdem keine Herztöne mehr registrieren. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung mehr Gewissheit bringen. Ist dein HCG-Wert stark gefallen, ist das ein weiteres Anzeichen für eine Missed Abortion.
Auch die Größe deiner Gebärmutter kann der erste Hinweis auf diese Art der Fehlgeburt sein. Denn sie wächst in diesem Fall nicht weiter und hat dann nicht die Größe, die sie in der entsprechenden Schwangerschaftswoche haben sollte.
Wurde eine Missed Abortion festgestellt, solltest du dir eine zweite Meinung holen und auch deine Hebamme zu Rate ziehen. Denn es gibt einen – wenn auch sehr geringen - Prozentsatz von Fällen, in denen es sich beim Embryo um einen sogenannten „Eckenhocker“ handelt. Er befindet sich zum Zeitpunkt der Ultraschalluntersuchung an einer Stelle in der Gebärmutter, die von den Ultraschallwellen nicht erfasst wird. Auch wenn die Diagnose aufgrund eines fehlenden Herzschlags gestellt wird, ist eine Fehldiagnose möglich. Es ist also wichtig, keine vorschnelle Entscheidung für eine Ausschabung zu treffen. Erst, wenn die Diagnose nach einigen Tagen abgesichert werden konnte, gibt es keinen Zweifel, dass der Fötus nicht mehr lebt.

Wie behandelt der Arzt eine verhaltene Fehlgeburt?

Bei einer Missed Abortion gibt es zwei Möglichkeiten der Therapie. Der Embryo kann aktiv aus deinem Körper entfernt werden, oder man wartet auf seinen natürlichen Abgang.

1. Ausschabung/Absaugung
Der Embryo wird aktiv entfernt. Das kann durch eine Ausschabung (Abrasio uteri, Kürettage oder Curettage) oder eine Absaugung (Saugkürettage) geschehen. Bei der Ausschabung entfernt der Arzt den Embryo und die Plazenta mit einer Metallschlinge. Bei der Absaugung wird das Gewebe mit einem Plastikschlauch entfernt, der mit einer Pumpe verbunden ist. Einige Stunden vor dem Eingriff wirst du Prostaglandine bekommen. Die Gewebshormone erweitern den Gebärmutterhals und machen ihn weicher. Dadurch wird die Gefahr verringert, dass es während der Operation zu Verletzungen kommt. Eine Ausschabung oder Absaugung wird angewendet, wenn die Fehlgeburt vor der 12. SSW auftrat. Für deinen Arzt ist das ein Routineeingriff. Er wird ambulant, aber unter Vollnarkose durchgeführt.
2. Kleine Geburt
Bei der sogenannten kleinen Geburt wird der Fötus durch den Geburtskanal ausgestoßen. Dabei kann die Geburt künstlich durch eine Infusion eingeleitet werden. Die Frau bringt den toten Fötus dann unter Wehen aktiv auf die Welt. Im Anschluss sorgt eine Ausschabung dafür, dass kein embryonales Gewebe in der Gebärmutter verbleibt.
Man kann der Natur aber auch ihren Lauf lassen. Entschließt sich eine Schwangere nach einer verhaltenen Fehlgeburt für diesen Weg, kann es nur einige Tage, aber durchaus auch Wochen dauern, bis der Körper den toten Embryo von selbst ausstößt. Man spricht auch vom aktiven Abwarten. Dein Arzt kontrolliert in diesem Fall regelmäßig, ob dein körperlicher Zustand das Warten weiter zulässt. Gefährlich ist eine kleine Geburt in der Regel nicht. Schmerzen, wie du sie von deiner Periode kennst, auch wehenähnliche stärkere Schmerzen und eine etwas stärkere Blutung sind zu Beginn einer kleinen Geburt normal. Bekommst du aber Fieber, sehr starke Schmerzen und anhaltende Blutungen, solltest du unbedingt zu deinem Arzt oder ins Krankenhaus fahren.

Was spricht für eine „kleine Geburt“?

Ein Baby zu verlieren ist eine der schlimmsten, traurigsten Erfahrungen, die man sich vorstellen kann. Stellt der Arzt fest, dass das Kind in ihrem Bauch nicht mehr lebt, ist die erste Reaktion der meisten Frauen, die Schwangerschaft möglichst schnell zu beenden. Im Nachhinein aber empfinden viele das abrupte Ende durch eine Ausschabung als sehr belastend. Sie haben häufig große Schwierigkeiten, den Verlust ihres Babys zu verarbeiten. Für Körper und Seele ist es oft heilsamer, wenn der Körper die Geschwindigkeit selbst bestimmt. Der Hormonhaushalt kann sich Schritt für Schritt anpassen, die Seele hat Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen und der Körper wird nicht durch einen Eingriff geschädigt. Denn eine Ausschabung kann neben den üblichen Risiken einer OP (Infektionen) auch langfristige Folgen haben. Wurde die Gebärmutter bei der Behandlung verletzt, können Vernarbungen zu einem höheren Risiko für frühe Fehlgeburten führen.
Natürlich ist es ganz allein deine Entscheidung, wie du mit dieser schwierigen Situation umgehst. Wenn sich für dich ein schnelles Ende der Schwangerschaft besser anfühlt und du Angst vor dem Warten hast, ist es vielleicht besser, dich für eine Ausschabung zu entscheiden.

Trauer nach einer verhaltenen Fehlgeburt

Eine Fehlgeburt ist ein traumatisches Erlebnis. Eine Missed Abortion ist für die betroffenen Frauen besonders belastend. Schließlich müssen sie zunächst den Gedanken verarbeiten, dass da ihr totes Kind weiterhin in ihrem Bauch ist. Sich zu entscheiden, auf welchen Weg die Schwangerschaft ihr Ende finden soll, ist eine weiterer schwerer Schritt, vor dem viele Betroffene große Angst haben. In jedem Fall braucht deine Trauer, braucht eure Trauer nun genügend Raum. Bevor ihr über eine weitere Schwangerschaft nachdenkt, ist es wichtig, euren ganz persönlichen Weg zu finden, euch von diesem kurzen Glück zu verabschieden. Vielleicht könnt ihr ein kleines Erinnerungsstück aufbewahren. Ein Ultraschallbild, ein Kleidungsstück, das ihr schon gekauft hattet, ein Bäumchen in eurem Garten oder einen kleinen Stein auf eurem Familiengrab.

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Wie groß ist das Risiko einer weiteren Missed Abortion?

Das Risiko für eine Fehlgeburt steigt, je häufiger eine Schwangere bereits einen Abort erleiden musste. Etwa bei 25 Prozent der betroffenen Frauen kommt es nach dem ersten Mal erneut zu einem vorzeitigen Ende der Schwangerschaft. Passiert es zum zweiten Mal, liegt das Risiko danach schon bei 35 Prozent. Nach der dritten Fehlgeburt spricht der Mediziner von einem habituellen Abort (abortus habitualis). Besonders belastend ist diese Situation, wenn die Ursache für die wiederholten Fehlgeburten trotz zahlreicher Untersuchungen bei dir und deinem Partner nicht gefunden werden konnte.
Wann ihr nach einer Missed Abortion wieder versuchen solltet, erneut schwanger zu werden, besprecht ihr am besten mit eurem Arzt.