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  • 1 Post By Fairie

Thema: ADHS und Osteopathie . Meine Erfahrungen.

  1. #1
    mirasmamacita ist offline Stranger

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    Standard ADHS und Osteopathie . Meine Erfahrungen.

    Hallo liebe anderen betroffenen Eltern,
    ich habe keine Fragen im Moment. Da ich aber hier schon häufig lange nach Antworten gesucht habe, dachte ich, dass ich hier einmal über meine Erfahrungen mit Osteopathie berichte, denn es hat unglaublich gut geholfen bei meiner Tochter.
    Vorab möchte ich noch sagen, dass ich Sonderpädagogin, sowie Mutter eines Kindes (gerade 7) mit ADHS bin. Ich würde mich also beruflich und privat als ADHS Experte einschätzen.
    Meiner Ansicht nach ist ADHS ein Symptom, dass verschiedene Ursachen haben kann. Ähnlich wie Kopfschmerzen, denen auch alles Mögliche, vom Hirntumor, über eine Erkältung bis ein Kater zugrunde liegen kann. In allen Fällen hilft eine Kopfschmerztablette und Ritalin eben bei allen physischen Ursachen von ADHS.
    Ist die Ursache der ADHS also eine Hirnstoffwechselanomalie oder Vernachlässigung, kann Osteopathie wahrscheinlich keine durchschlagenden Effekte haben. Bei meiner Tochter war es so, dass ich von Anfang an kaum Fruchtwasser hatte, sie war also sehr gequetscht. Sie lief auch bis heute etwas eingedreht. Symptomatisch ist es bei ihr so, dass sie auch mal recht ruhig sein kann, aber wenn viele Impulse und Reize von außen kommen fährt sie unglaublich hoch und ist gar nicht mehr durch sich selbst und andere zu kontrollieren. Ihr Körper ist dann auch unter massiver Anspannung, sie kann gar nicht mehr richtig denken und macht Sachen, die ihr sonst nicht passieren würden. Leider musste sie mit 5 eingeschult werden, der Kindergarten wollte sie nicht länger haben. Das erste Schuljahr war schlimm und es war auch eine Klassenwiederholung angedacht. Wir waren dann kurz vor den Sommerferien beim Osteopathen. Ich habe mich für einen sehr gut ausgebildeten Kinderosteopathen entschieden. Der ist zwar etwas teurer, aber meine Krankenkasse hat 80 % der Kosten ersetzt. Die Erklärung des Osteopathen kann ich nicht ganz nachvollziehen und verstehen, aber er erklärte die Symptome damit, dass ausreichend Stresshormone produziert, aber nicht adäquat abgebaut werden würden, durch die Einengungen während der Schwangerschaft.
    Die Wirkung war jedoch absolut überzeugend. Nicht schlagartig, sondern langsam und stetig wurde sie zu einem ganz normalen Kind. Endlich, mit gerade 7 Jahren, spielt sie ausdauernd. Das konnte sie vorher nie. Sie kommt mit anderen Kindern besser zurecht und in der Schule geht es auch bergauf. Wir werden auch von außen darauf angesprochen, dass sich unsere Tochter positiv verändert. Das ist wirklich toll und ich kann mir endlich weniger Sorgen machen.
    Zusammenfassend kann man also sagen, dass Osteopathie einen Versuch wert ist, vor allem wenn die Beschreibung deines Kindes meiner Tochter ähnelt. Bei uns war es sehr erfolgreich.

  2. #2
    Fairie ist offline Carpal Tunnel

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    Standard Re: ADHS und Osteopathie . Meine Erfahrungen.

    Äh ja.... Ich sehe, dass du dich damit beschäftigt hast, versucht hast, eine Erklärung zu finden und alternative Möglichkeiten zu probieren. Das habe ich vor gut 20 Jahren auch getan. Schon damals gab es viele alternative Theorien. Diese spezielle hab ich noch nicht gehört. Damals gab es die Phosphat-Theorie. Es gab ganze Bücher voll mit Beschreibungen von Eltern, deren Kinder deutliche Verbesserungen der ADHS-Symptome hatten, mit einer speziellen phosphat-freien Diät. Nach und nach haben wohl die Eltern gemerkt, dass die Symptome doch nicht wirklich verschwunden waren, denn einige Jahre später hat keiner mehr behauptet, dass die Diät ihren Kindern geholfen habe. Und von einigen hab ich auch gelesen, dass sie zugaben, dass sie sich da geirrt haben.

    Ich kann es natürlich auch nicht 100 %ig sicher wissen, aber ich tippe eher auf Placebo-Effekt. Und auf eine "gute Phase". Meine Tochter hatte mit 7 oder 8 Jahren auch nicht so viele offensichtliche ADHS-Symptome. Es lief gut in der Schule, nach anfänglichen Schwierigkeiten. Also endete die ADHS-Diagnostik damit, dass sie keine Diagnose bekam. Die bekam sie dann erst mit 16 Jahren. Da hatte sie eine Magersucht und die Ärztin meinte, die Ursache sei unbehandeltes ADHS.
    Es kann schon seine Risiken haben, wenn man glaubt, die Symptome sind weg und das Kind hat doch seine Probleme. Das ist nur ein anderer Blickwinkel. Das vor 20 Jahren war mein Sohn, der bekam die Diagnose direkt mit 7 Jahren.
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  3. #3
    Koenigin.Esther ist offline old hand

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    Standard Re: ADHS und Osteopathie . Meine Erfahrungen.

    Was mir zuallererst auffällt: Mein Sohn muss kein "normales" Kind sein oder werden. Er ist mit oder ohne ADHS, Asperger oder einem verdickten Zehennagel ein wunderbarer Mensch. Dieses Ziel ist nicht meines und das Versprechen von "Normalität" ist ein guter Grund skeptisch zu werden.


    Placebos wirken bei ADHS durchaus eine Weile - das haben auch schon die Diäten gezeigt, die man den Kindern früher zugemutet hat. Es gibt zumindest keinen Nachweis dafür, dass Osteopahtie bei ADHS besser wirkt als ein Placebo. Deshalb werden die Kosten nur von wenigen Krankenkassen und auch von ihnen nur teilweise übernommen.

    Zu einer ADS-Therapie gehört ohnehin ein ganzes Bündel von Therapien, die mit viel höherer Wahrscheinlichkeit helfen. Ich sehe keinen Grund zusätzlich paramedizinische Maßnehmen dieser Art zu ergreifen.

    Esther

  4. #4
    Francoise ist offline Stranger

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    Standard Re: ADHS und Osteopathie . Meine Erfahrungen.

    Meine Meinung zu Osteopathie, Homeopathie, Akpukuntur, Nährstofftherapie usw. bei AD(H)S Kindern.

    AD(H)S kann grundsätzlich erst ab dem 6. Lebensjahr diagnostiziert und therapiert werden (mit MPH, Konzentrationstraining, Elterntraining, den 3 Säulen der evidenz-basierten ADS Therapie).

    Aber bei den meisten Kindern zeichnen sich Probleme wie exzessives Schreien im Babyalter, Schlafstörungen vom Babyalter bis in das Grundschulalter (Cousin meines Sohnes hat erst mit 10 Jahren zum 1.Mal durchgeschlafen!), Hyperaktivität, emotionale Regulationsstörungen (emotionale Labilität, Wutausbrüche) viel früher aus und können das Familienleben und die psychische und soziale Entwicklung des Kindes erheblich belasten.

    Aus den oben genannten Gründen halte ich deswegen bei den vorher beobachteten Verhaltensauffälligkeiten auch ohne AD(H)S Diagnose ein Versuch mit alternativen Heilmethoden für gerechtfertigt, solange sie dem Kind nicht schaden.

    Meinem Kind hat von Osteopathie nicht profitiert, aber meine Tochter, die bis zum 3.Monat abends 3-4 Stunden am Stück durchschrie und tagsüber auch danach nur am Körper der Mutter einschlafen konnte, hat enorm davon profitiert. Schon nach der 1.Sitzung ist sie im Autositz eingeschlafen, wo sie vorher 6 Monate zu Schlafzeiten geschrien hat. Meine Tochter hat allerdings kein ADS.

    Die einzigen Male, wo mein Sohn nicht mit seinem einzigen Schulfreund gerauft hat, waren die, wo er 1 Tag vorher Chamomilla C200 genommen hat. Die Mutter des Freundes hat mich jedes Mal gefragt, was ich denn dem Kind gegeben hätte. Vom Verhalten her war die Wirkung ähnlich mit der von Ritalin 10 mg.

    Mein Mann hat aber aus religiösen Gründen eine weitere homöopathische Therapie abgelehnt, und das Verhalten wurde wieder schwierig.

    Bei Schulkindern sehe ich die Sache differenziert: hat eine alternative Heilmethode vorher gewirkt, die Wirkung reicht aber dem intellektuellen Potential des Kindes nach nicht aus, um angemessene Leistungen zu erbringen, dann soll über einer medikamentösen und/oder einer verhaltenstherapeutischen Intervention nachgedacht werden. ADS ist ein häufiger Grund für Schulversagen und Kinder, die zuerst 5er und 6er im Zeugnis hatten, können sich nach einer Therapie zu Einserschülern mausern. Die Ablehnung mancher Eltern, die Kinder behandeln zu lassen, kann schlimme Folgen für das Kind haben. Der Cousin meines Sohnes (mit 10 diagnostiziert) hat nur mit Ach und Krach seinen Quali geschafft (nach Wiederholung der 1.Kl in einer Privatschule mit intensiver Nachmittagsbetreuung) trotz normaler Intelligenz und hatte noch in der Ausbildung große Probleme mit den schulischen Leistungen. Seine Eltern haben ihm m.E. durch ihre Sturheit seine Zukunft verbaut, während sein Bruder das Gym besuchen darf.

    Das Problem ist, dass viele Eltern durch Medienberichte extrem verunsichert sind und Angst vor "Ritalin" haben, Schulgefühle haben, wenn sie ihrem Kind diese "Droge" geben und nicht wissen, welche Folgen die nicht Behandlung einer AD(H)S haben kann. Über diese Problematik sind sich auch zu wenig Fachleute bewusst.